Vor rund 20 Jahren startete in Sachsen-Anhalt die Leader-Initiative, durch deren Fördermöglichkeiten viele Investitionsprojekte im ländlichen Raum möglich wurden. In dieser Woche gab es bei einer Konferenz in Stendal einen Rückblick auf zwei bereits abgeschlossene Förderperioden.

Kalbe l Das Kulturhaus und das Café Piccolo haben in Kalbe von der Leader-Initiative profitieren können. Während es sich bei Familie Daries mit der Erweiterung des kleinen Küchentraktes im Innenbereich und der Einrichtung eines Rastplatzes für Radwanderer im Außenbereich um ein überschaubares, kleineres Projekt handelte, waren die Maßnahmen am und im Kulturhaus von anderer Dimension. Beide Örtlichkeiten wurden am Montag von Teilnehmern der Konferenz besucht, die anlässlich des 20-jährigen Bestehens der Leader-Initiative und des Endes der aktuellen Förderphase stattfand.

"In beachtlicher Größenordnung ins Kulturhaus investiert."

Karsten Ruth, Bürgermeister der Einheitsgemeinde Kalbe

Rund 50 Teilnehmer kamen dazu nach Kalbe. Weitere zwei Gruppen bereisten jeweils das Jerichower Land sowie realisierte Projekte im Harzvorland. Insgesamt nahmen 220 Gäste an der Konferenz teil, erklärte Leader-Manager Wolfgang Bock.

"In mehreren Abschnitten ist in das Kalbenser Kulturhaus punktuell, aber dennoch in beachtlicher finanzieller Größenordnung durch die Leader-Förderung investiert worden", erklärte Bürgermeister Karsten Ruth den Besuchern. Am auffälligsten sei die Front mit dem Haupteingang, deren Fassade erneuert werden konnte. Weniger imposant, doch nicht weniger bedeutsam waren die Maßnahmen im Innenbereich. Ein Barbereich wurde durch Abteilen des Küchentraktes errichtet, und die Künstlerumkleiden konnten endlich auf einen guten, akzeptablen Stand gebracht werden. Denn: Dass sich das Kulturhaus der Mildestadt mittlerweile zu einem "Mekka der Volksmusik gemausert hat", habe sich weithin herumgesprochen, sagte Karsten Ruth lächelnd. Daher sei gerade diese Maßnahme dringend erforderlich gewesen.

"Es gibt auch in unserem Haus enormen Bedarf"

Rita Platte, Vertreterin der LAG Tangerhütte

Ähnliche Konzepte zur schrittweisen Sanierung ihres Kulturhauses in Tangerhütte wünscht sich Rita Platte, die als Vertreterin der Leader Aktionsgruppe (LAG) Tangerhütte teilnahm. "Uns würde die Sanierung unseres Kulturhauses finanziell auch überfordern. Es gibt da aber ganz enormen Bedarf", betonte sie. Lediglich mithilfe solcher Fördermittel, zu denen die Projektteilnehmer immer einen bestimmten Eigenanteil an finanziellen Mittel beizutragen haben, würde das funktionieren, verdeutlichte Rita Platte.

Dass es erneut eine Leader-Förderperiode von 2014 bis 2020 geben wird, hatte Finanzminister Jens Bullerjahn während der Konferenz in Stendal eröffnet. In der neuen Periode werden insgesamt 100 Millionen an Fördermitteln zur Verfügung stehen. Sachsen-Anhalt hat als einziges deutsches Bundesland sogar die Möglichkeit, auf gleich drei Fördertöpfe zurückzugreifen. Allein 80 Millionen Euro umfasst der europäische Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung im ländlichen Raum (ELER). Weitere 14 Millionen Euro können aus dem europäischen Regionalfonds abgerufen werden. Aus dem europäischen Sozialfonds sind es noch einmal sechs Millionen Euro.

Die Prioritäten für eine mögliche Investition sind im Kalbenser Stadtrat bereits besprochen worden, erklärte Karsten Ruth. "Der politische Wille geht dahin, Maßnahmen im Freibad als nächstes Leader-Projekt einzureichen."

Bis März 2015 können Kommunen ihre Projekte zur Leader-Förderung einreichen.

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