Er ist ein Schmuckstück geworden - und erinnert an das Massaker an der Isenschnibber Feldscheune am 13. April 1945. Der Gardeleger Stein soll im Friedenszentrum im polnischen Oswiecim für die Besucher zu sehen sein.

Gardelegen l Der Stein für das Friedenszentrum in der polnischen Stadt Oswiecim (Auschwitz) ist vollendet. Gestern präsentierten Torsten Haarseim, Hans-Joachim Becker und Frigga Conrad ihn erstmals der Öffentlichkeit. Gestaltet wurde er vom Gardeleger Steinmetzmeister Jürgen Seidler - nach einem Entwurf vom Förderverein der Mahn- und Gedenkstätte Isenschnibber Feldscheune und Torsten Haarseim.

Im März war der ehemalige Oswiecimer Stadtpräsident Janusz Marszalek zu Gast und hatte vor Schülern das Friedenszentrum, das dort für rund 17 Millionen Euro entstehen soll, vorgestellt und Schülern von seiner Familiengeschichte berichtet. Das Friedenszentrum, das zwischen dem einstigen Stammlager Auschwitz I und dem Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau II entstehen wird, soll ein Andenken an alle Opfer von Völkermord, Diktaturen und Kriegen sein. Geplant ist dabei auch die Ausstellung von besonderen Steinen. Der Stein aus Gardelegen wird dabei sein.

"Wir haben überlegt, ob wir einen Originalstein aus der Feldscheune nehmen. Aber das wäre mit der Genehmigung dann schwierig geworden. Außerdem wäre es ja dann nur der Stein gewesen und keinerlei Information dazu", sagte Haarseim.

Daraus resultierte die Idee, doch einen ganz neuen anzufertigen. Ihn ziert der Name der Stadt, die Silhouette der Mahn- und Gedenkstätte und der Schriftzug 13. April 1945, das Datum des Massakers an der Feldscheune. Haarseim war vom Ergebnis ganz angetan: "Wenn man ihn jetzt so sieht, sieht er noch besser aus als in der Planung", sagte er. "Es ist ein Stein, der das Verbrechen symbolisiert, das hier in Gardelegen passiert ist", so Haarseim. "Die Scheune ist das Symbol", so der Gardeleger. Die Steine, die im Friedenszentrum zu sehen sein werden, kommen aus der ganzen Welt, etwa vom Magdeburger Dom, aus Theresienstadt, aus der russischen Stadt Wolgograd, aber auch von Mitgliedern des US-Repräsentantenhauses.

"Ich freue mich über die Breite der Gedenkkultur."

Hans-Joachim Becker

Der Gardeleger Stein soll noch in diesem Jahr an Janusz Marszalek übergeben werden. Und nicht nur der, denn der Förderverein hatte auch finanzielle Unterstützung für das Friedenszentrum, das ein innen und außen begehbarer grüner Hügel werden wird, in Aussicht gestellt. Bislang sind 350 Euro auf dem Spendenkonto des Fördervereins eingegangen. Nachdem der Gedenkstein nur fertig gestellt ist, werden sich die Mitglieder des Vereins mit einem Schreiben an Betriebe und Institutionen der Stadt wenden, um dort Geld einzuwerben. Auch die Bürger riefen Haarseim, Fuchs und Becker dazu auf, den Bau des Friedenszentrums zu unterstützen.

Bürgermeister Konrad Fuchs lobte das Engagement von Haarseim, Becker und Conrad, die Gedenkkultur in Gardelegen zu pflegen. Als Beispiel nannte er auch die Gymnasiasten um Geschichtslehrerin Andrea Müller, die sich intensiv mit dem Projekt Stolpersteine befassen. "Schön, dass wir das Gymnasium mit einbinden konnten", so Fuchs. Er selbst werde auch Geld für einen Stolperstein und für das Friedenszentrum spenden, kündigte er gestern an. Außerdem wird Fuchs ihn zur nächsten Stadtratssitzung am 15. September mitnehmen - und dort auch die Ratsmitglieder bitten, das Projekt zu unterstützen.

Mit Blick auf die Mahn- und Gedenkstätte sagte Fuchs, dass er zurzeit noch auf die endgültige Entscheidung durch das Landeskabinett warte, dass die Anlage in die Landesgedenkstättenstiftung übernommen werde. Der Landtag hatte dem bereits zugestimmt.

Im August werden wieder 25 Jugendliche aus ganz Europa einen internationalen Jugendworkshop dort verbringen und sich in die Pflege der Mahn- und Gedenkstätte einbringen, teilte Hans-Joachim Becker mit. Der Kreisvorsitzende des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge sagte: "Ich freue mich über die Breite der Gedenkkultur, die in der Stadt zu sehen ist." Es habe sich viel getan in den vergangenen Jahren, sagte er.

Die Spenden für das Friedenszentrum in Auschwitz sind möglich unter: Förderverein Mahn- und Gedenkstätte Isenschnibbe Gardelegen e.V., Sparkasse Altmark West, IBAN DE 83810555553030002933, Betreff Friedenszentrum. Spendenquittungen stellt auf Wunsch Paul Schmidt, Jägerstieg 15, in Gardelegen aus.