Zugegeben, es sind noch nicht sehr viele. Aber immer mehr Männer drängen in ein Berufsfeld, das bislang als reine Frauendomäne galt: das der Kinderbetreuung. Auch der 20-jährige Jeetzer Marius Reisener sieht dort seine Zukunft.

Kakerbeck/Jeetze l "Es ist für die Jungen schön, im Kindergarten auch eine männliche Bezugsperson zu haben", sagt Marius Reisener, während er mit dem fünfjährigen Luca Gleichmann ein Haus aus Legosteinen baut.

Reisener absolviert zurzeit ein mehrwöchiges Praktikum in der Kita Kakerbeck. Von Dezember bis Januar erhält er zudem Gelegenheit, in der Kita seines Heimatortes Jeetze zu arbeiten. Das Ganze ist Teil seiner Ausbildung zum Sozialassistenten, die er nach Erlangen der Fachhochschulreife im Jahr 2013 begonnen hat. Nach erfolgreichem Abschluss könnte Marius Reisener in der Familien-, Heilerziehungs- oder Kinderpflege arbeiten. Allerdings möchte er nebenbei auch noch eine Erzieherausbildung in Teilzeit absolvieren.

"Ich konnte schon immer gut mit Kindern umgehen."

Weil er dafür einen Träger braucht, hat er sich bei der Stadt Kalbe beworben. Und dort soll im Dezember entschieden werden, ob der heute 20-Jährige ab August 2015 eine solche Ausbildungsmaßnahme in der Kommune beginnen kann. Wenn ja, würde der junge Mann dann bereits an drei Tagen in der Woche in der Kinderbetreuung eingesetzt, wobei allerdings eine Begleitung durch Fachkräfte erfolgen würde. An den anderen beiden Wochentagen würde die theoretische Ausbildung stattfinden.

Wer nun glaubt, der Jeetzer sei eine krasse Ausnahme, da der Erzieherberuf bis heute eher als Frauendomäne gilt, der irrt. In seinem jetzigen Klassenverband - die theoretische Ausbildung zum Sozialassistenten erfolgt an der Euro-Akademie Magdeburg - sind von 15 Mitgliedern immerhin fünf männlich.

Auf die Frage, was ihn bewogen habe, sich einen Beruf in der Nachwuchsbetreuung auszusuchen, erklärt Marius Reisener ohne Umschweife: "Ich konnte schon immer gut mit Kindern umgehen." Er finde schnell einen Draht zu ihnen - und er fühle sich auch immer wieder von ihnen inspiriert. Vielleicht habe bei seiner Berufswahl ja auch eine Rolle gespielt, dass er mit einer sieben Jahre jüngeren Schwester aufgewachsen sei, mutmaßt der Jeetzer.

Fakt sei aber, dass er sich niemals, so wie viele andere Jungs, in einem handwerklichen oder einem kaufmännischen Beruf gesehen habe. Schon als Schüler habe er ein Praktikum in der Grundschule Brunau absolviert und schnell gemerkt, dass die Arbeit mit Kindern ihm etwas gebe. Später habe er dann auch in der Kalbenser Awo-Kita "Pünktchen" praktische Erfahrungen gesammelt, berichtet Marius Reisener.

Nun hofft er, dass er sich nicht nur mithilfe der Stadt Kalbe zum staatlich anerkannten Erzieher qualifizieren kann, sondern dass er später in der hiesigen Region auch eine Anstellung findet. Denn es zieht ihn nicht in die große Welt hinaus. Hier hat er seine Familie und seinen Freundeskreis. Und der, so sagt Marius Reisener, habe mit seiner Berufswahl auch überhaupt kein Problem. Im Gegenteil.