Ein Neubau am Stadtrand oder doch lieber ein Denkmal in der Innenstadt oder eine gefüllte Lücke? Drei Hausbesitzerpaare haben sich für den Stadtkern entschieden - mit allen Vor- und Nachteilen. Für die Altstadt wäre es gut, wenn es mehr von ihnen gäbe.

Gardelegen l Vor drei Tagen haben sie "Einjähriges" gefeiert. Am 28. Dezember 2013 sind sie nämlich in ihr Schmuckstück eingezogen. Seitdem genießen sie ihr 155 Quadratmeter großes liebevoll und eigenhändig renoviertes, denkmalgeschütztes Glück mitten in der Innenstadt. Eineinhalb Jahre zuvor hatten sie das Haus gekauft und dann mithilfe der Familien und vielen Freunden ausgebaut. So manche böse Überraschung, wie zum Beispiel ein komplett durchgefaultes Giebelfachwerk oder völlig zerfressene Fußbodendielen, haben sie ausgehalten. "Es war nicht ganz einfach, aber wir haben es lieben gelernt", sagt Juliane Wiechmann lachend.

Die 30-jährige Gardelegerin und ihr Lebensgefährte Christian Köhler (33) haben sich ganz bewusst für ein altes Haus im Stadtzentrum entschieden. Sie wollten "ein eigenes Haus haben, aber keine weiten Wege", sagen sie. Ein Neubau am Stadtrand stand deshalb nicht zur Debatte. Sie wollten mittendrin sein und doch für sich. Das haben sie verwirklicht.

"Die alten Räume, die hohen Decken, es hat einfach alles gepasst."

Juliane Wiechmann

Eine Anzeige bei der Bank hatte sie auf ihr Traumhaus aufmerksam gemacht. "Es hat einfach alles gepasst. Wir lieben die alten Räume, die hohen Decken", sagt Wiechmann. Auch Sohn Jeremy findet es hier "super". Denn auch hinter dem Haus ist noch reichlich Platz. Ein kleiner Garten und ein geräumiger Hof, den man über eine Auffahrt erreichen kann, schließen sich an. Das Nebengebäude könnte selbst noch mal eine komplette Familie beherbergen. Vielleicht später für Sohn Jeremy. "Mal sehen", sagt Christian Köhler. "Stück für Stück" will er auf jeden Fall weitermachen mit der Sanierung. Abreißen darf die Familie das Nebengelass nämlich ohnehin nicht. Es ist ebenfalls denkmalgeschützt.

Apropos Denkmalschutz: Damit hätten sie eigentlich keine Probleme gehabt, versichern die beiden auf Nachfrage. Für Fenster, Türen und Fassade habe es sogar Fördermittel gegeben. Das sei allerdings kein wirklicher Zuschuss, betont Wiechmann. Durch die von der Denkmalbehörde gestellten Auflagen "sind wir so plus, minus Null rausgekommen."

Ganz neue Hausbesitzer in der Innenstadt sind Carina (31) und Dirk Behlke (35). Sie werden ab Februar am Holzmarkt wohnen, in einem Haus, das 1850 gebaut wurde. Am Holzmarkt stehen zurzeit mehrere Häuser zum Verkauf. So richtig auf Suche waren Behlkes eigentlich noch nicht. "Wir haben ein bisschen geschaut, was so im Angebot ist", erzählt Carina Behlke. Und aus dem Schauen wurde ganz schnell ein Hauskauf. Schneller als gedacht. "Es hat einfach alles gepasst", sagt Dirk Behlke.

"Wenn man einen Garten will, gibt es noch andere Möglichkeiten."

Dirk Behlke

So werden sie 2015 mit ihren Kindern Levi (6) und Greta (2) in die eigenen vier Wände ziehen. Auf zweieinhalb Etagen wird Platz auf 160 Quadratmetern sein, dazu ein Hof und ein weiteres, großzügiges Hofgebäude. "Wir mögen alte Häuser", sagt Carina Behlke. Auf dem Hof sei ausreichend Platz, und "wenn man wirklich noch einen Garten haben möchte, gibt es dafür noch andere Möglichkeiten", betont ihr Mann. Die Innenstadt zum Wohnen findet die Familie attraktiv: "Wir haben hier alles vor Ort, und doch ist es am Holzmarkt ruhig." Große bauliche Tätigkeiten stehen für die Gardeleger vor dem Einzug nicht an. "Es ist soweit alles saniert", so Dirk Behlke.

Diese zwei Familien, die sich ganz bewusst für alte Häuser und die Innenstadt entschieden haben, sind für Bürgermeister Konrad Fuchs Beispiele dafür, dass es gelingen kann: "Wir müssen die Innenstadt für junge Leute attraktiv machen." Das gelinge mit Fördergeld für Sanierungsarbeiten, aber auch mit guten Rahmenbedingungen. "Da muss Freiraum für Kinder, für einen Wäscheplatz und einen Stellplatz sein." Der Denkmalschutz müsse sich da bürgernäher präsentieren, so Fuchs. Er forderte auch finanzielle Möglichkeiten von Land und Bund, "um die Sanierung im Altstadtbereich attraktiver zu machen".

Über das Programm städtebaulicher Denkmalschutz können Eigentümer Fördermittel beantragen. Laut Modernisierungsrichtlinie können bis zu 30 Prozent der Kosten für Dach, Fassade, Fenster, Außentore und Trockenlegung des Mauerwerks über Fördermittel finanziert werden. Nimmt ein Hausbesitzer sogar zwei Maßnahmen auf einmal davon in Anspruch, gebe es bis zu 40 Prozent Fördergeld, erläutert Wirtschaftsförderin Mandy Zepig. Das Fördergeld stammt aus einem Bund-Länder-Programm. "Bei der Sanierung von denkmalgeschützten Häusern gibt es auch steuerrechtliche Vorteile, die geltend gemacht werden können", betont Mandy Zepig.

"Wir wollten unbedingt bleiben, weil wir uns dort sehr wohl fühlen."

Sabrina Lucas

Alternative zum Wohnen in der Innenstadt oder in Wohngebieten ist die Lückenbebauung. Diese haben Sabrina (34) und Lars Lucas (32) umgesetzt. Die Gardeleger wohnten seit drei Jahren als Mieter an der Goethestraße, "und wir wollten unbedingt bleiben, weil wir uns dort sehr wohlfühlen". Seit vier Wochen wohnt das Paar mit Tochter Lena (3) im eigenen Haus an der Goethestraße mit viel Garten dahinter. Ihr Grundstück, auf dem früher Garagen standen, fanden sie im Internet - und damit ihr Familienwohnglück.

 

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