Das Kriseninterventionsteam des DRK-Kreisverbandes wird 2015 zehn Jahre alt. Die Frauen und Männer, die Unfallopfern, ihren Angehörigen und Rettungskräften in Krisensituationen beistehen, werden zunehmend angefordert - und benötigen daher Verstärkung.

Salzwedel l Wenn Angela Dittrich auf die Entwicklung des Kriseninterventionsteams zurückblickt, zieht sie eine zufriedene Bilanz. "Wir sind zu einem guten Team zusammengewachsen." Die Vorstandsvorsitzende und Geschäftsführerin des Kreisverbandes Salzwedel des Deutschen Roten Kreuzes gehörte im November 2005 zu den 30 Interessenten, die das Kriseninterventionsteam ins Leben rief. Auch heute engagiert sie sich dort ehrenamtlich. Derzeit gehören 24 Mitglieder aus dem gesamten Altmarkkreis zum Team. Darunter sind 15, die damals den ersten Kurs bei Thea Ilse, Sachsen-Anhalts Landespolizeipfarrerin und Landesbeauftragte für Notfallseelsorge, absolvierten.

Es sei damals nicht nur darum gegangen, Opfern und ihren Angehörigen in Katastrophensituationen seelisch beizustehen, erinnert Angela Dittrich an die Ursachen zur Gründung des Teams. Sie selbst habe auch festgestellt, dass es für die Mitarbeiter des Rettungsdienstes nach schlimmen Einsätzen keine Nachsorge gebe. Inzwischen haben vier Mitglieder des Kriseninterventionsteams auch die Spezialausbildung für die Nachsorge bei Einsatzkräften absolviert.

Das ICE-Unglück bei Eschede 1997 habe sie sehr bewegt, erzählt Angela Dittrich über ihre Motivation, sich für Krisenintervention zu engagieren. Bis 1996 habe sie selbst dort gewohnt. Zwei ihrer Freunde waren bei dem Unglück im Einsatz.

In den zurückliegenden zehn Jahren sei die Akzeptanz und damit auch der Bedarf an Einsätzen des Kriseninterventionsteam erheblich gestiegen, resümiert Angela Dittrich. Gab es 2013 insgesamt 35 Einsätze, waren es bis November vergangenen Jahres 27. "Dabei wurden insgesamt 70 Personen betreut." Die Mitglieder des Kriseninterventionsteams würden sowohl von der Polizei als auch von den Feuerwehren angefordert.

Die ehrenamtliche Arbeit der Teammitglieder ist so organisiert, dass jeweils einer für 24 Stunden für den Fall der Fälle in Bereitschaft ist. "Wir nennen das Bereitschaft im Vordergrund, derjenige ist in dieser Zeit immer der erste, der angerufen wird", erklärt Angela Dittrich. Daneben gebe es noch eine sogenannte Bereitschaft im Hintergrund. Der zweite Ehrenamtliche werde kontaktiert, wenn ein weiterer Einsatz erforderlich ist oder mehrere Notfallseelsorger vor Ort benötigt werden.

"Früher ergaben sich derart zwei Bereitschaften pro Monat. Doch da nicht immer alle zur Verfügung stehen, sind wir jeweils mitunter bis zu fünf Mal im Monat in Bereitschaft", schildert Angela Dittrich den aktuellen Stand der Dinge. Daher seien neue Mitstreiter im Kriseninterventionsteam sehr willkommen.

Grundlage der Arbeit des Kriseninterventionsteams ist ein Vertrag zwischen dem Kirchenkreis Salzwedel und dem DRK-Kreisverband. "Unsere Arbeit ist jedoch neutral und nicht kirchlich geprägt, auch wenn mehrere Pfarrer in unserem Team mitarbeiten", betont Angela Dittrich. Die Mitglieder müssten auch nicht konfessionell gebunden sein oder Mitglied einer Kirche werden. Wichtig sei vielmehr, dass Interessenten gern mit Menschen zu tun haben und ihnen etwas Gutes tun wollen.

Potenzielle Mitstreiter werden für die ersten Eindrücke in die Gruppe eingeladen. "Man hat es nicht immer mit dem ganz großen Elend zu tun", berichtete Angela Dittrich über ihre Erfahrungen. Im Gegenteil, man erhalte auch viel positive Resonanz von den Menschen, um die man sich kümmere.

Jeder Einsatz werde in der Gruppe besprochen, und wenn die Zeit bis zum nächsten Treffen als zu lang empfunden werde, gebe es andere Möglichkeiten, das Erlebte zu verarbeiten. So finde auch viermal im Jahr eine Supervision mit Thea Ilse statt. "Man darf es aber nicht an sich heranlassen und nicht mitleiden", nennt Angela Dittrich ein Grundprinzip. Ihr selbst habe dieses Engagement sehr viel gegeben. "Wenn ich für die Menschen etwas tun konnte, fahre ich mit einem sehr guten Gefühl wieder weg."

Interessenten für eine Mitarbeit im Kriseninterventionsteam können sich an Angela Dittrich, Telefon 03901/86116, Pfarrer Silvio Scholz, Telefon 039031/222, oder an Dagmar Tietz, Telefon 03901/840631, wenden.