Seit Monaten schon machen die Anwohner der Gardeleger Straße Am Winkel ihren Vermieter, die Grundstücksverwaltung Uchtspringe, auf eine Gefahrenquelle aufmerksam, aber nichts passiert. Nun gab es die ersten Stürze. Aber Hilfe ist in Sicht.

Gardelegen l "Eigentlich", sagt Ursula Apizius, "wohnen wir gern hier." Und das ist gut zu verstehen, denn die Wohnanlage ist zentrumsnah und dennoch ruhig. Außer den Anwohnern kennt wohl kaum einer die kleine gemütliche Gardeleger Straße Im Winkel, eine Seitenstraße zum Holzweg. Und die Bauherren haben auch ans Wohnumfeld gedacht und Bäume zwischen die Häuser gepflanzt. Im Sommer ist es also schön grün.

Leider sind es nun aber tatsächlich die Bäume, die den Bewohnern des Rondells Im Winkel 9 bis 11 Sorgen machen. Denn deren Wurzeln haben die Gehwegplatten hochgehoben, immer weiter und weiter. "Vor zwei Jahren haben wir unseren Vermieter darüber zum ersten Mal telefonisch informiert", erinnert sich Dieter Apizius. Damals habe es geheißen, dass man sich darum kümmern werde. Aber nichts geschah.

"Es kann doch nicht sein, dass ein Baum wichtiger ist als unsere Gesundheit."

Dieter Apizius, Mieter

Im Sommer des vergangenen Jahres wurde die Situation allerdings akut. Mittlerweile kommt nämlich kein Mieter mehr gefahrlos über die Betonplatten in seine Wohnung. 18 Mietparteien sind es, die den Weg nutzen. "Die meisten sind schon älter", sagt Ursula Apizius. Etliche seien auf den Rollator angewiesen, "und ich selbst laufe derzeit auf Krücken". Aber "schließlich können auch gesunde Knochen brechen", fügt Dieter Apizius hinzu. Vor allem, wenn man die Gefahr nicht erkennen könne.

So richtig gefährlich wurde die Situation nämlich jetzt im Winter. Wenn Schnee liegt, sind die Stolperfallen völlig unsichtbar. Kürzlich sei bereits die Postfrau böse gestürzt. Und auch eine Nachbarin der Familie, die in der Nummer 10 wohnt, bestätigt gestern, dass sie schon über die hochstehenden Platten gefallen ist. Doch aus Stendal, dort hat die Grundstücksverwaltung Uchtspringe GmbH seit einiger Zeit ihren Sitz, ist offensichtlich keine Hilfe in Sicht, obwohl die den Mietern schriftlich zugesichert wurde: Im September hatte die zuständige Sachbearbeiterin dem Ehepaar nämlich mitgeteilt, "dass die Reparatur des Weges bis zum vierten Quartal 2014 erledigt sein soll", beziffert Apizius.

Die Korrespondenz hat er extra aufgehoben. Auch den folgenden Brief, der informierte, dass es nun noch einen neuen Ortstermin mit dem Bauamt Gardelegen geben soll wegen der nötigen Fällung der Bäume. "Mittlerweile haben wir nun aber Anfang Februar, und es hat sich immer noch nichts getan", schimpft Apizius, "es kann doch nicht sein, dass ein Baum wichtiger ist als unsere Gesundheit." "Schließlich zahlen wir pünktlich unsere Miete und nicht wenig", ergänzt seine Frau Ursula.

Dass ihre Mieter selbstverständlich ein Recht darauf hätten, unfallfrei in ihre Wohnung zu gelangen, bestätigt die zuständige Mitarbeiterin (Name der Redaktion bekannt)der Grundstücksverwaltung Uchtspringe dann gestern auf Nachfrage auch ausdrücklich. Ihr sei der Fall vertraut, und sie bedaure auch sehr, dass die Maßnahme noch nicht abgeschlossen ist. "Das sollte tatsächlich im vierten Quartal 2014 der Fall sein." Verzögert habe sich die Maßnahme allerdings hauptsächlich deshalb, weil die Stadt Gardelegen nicht erlauben wolle, dass die Bäume, deren Wurzeln die Platten anheben, gefällt werden dürfen, erläutert die Mitarbeiterin weiter. Aus diesem Grund sei nun eben jener gemeinsame Ortstermin geplant, der voraussichtlich in der kommenden Woche vereinbart werde, wenn der Techniker des Unternehmens aus dem Urlaub zurück sei.

"Werde mich persönlich darum kümmern, dass eine Entscheidung getroffen wird."

Bauamtsleiter Engelhard Behrends

Und auch in der Gardeleger Verwaltung soll es nun schnell gehen. Stadtmitarbeiter Daniel Langer, im Bauamt unter anderem für die Bäume verantwortlich, war gestern zwar nicht im Dienst. Amtsleiter Engelhard Behrends versprach aber, das Problem quasi zur Chefsache zu machen. "Ich werde mich persönlich darum kümmern, dass zeitnah eine Entscheidung getroffen wird", versichert er, denn selbstverständlich werde das Wohl der Bürger höher bewertet als der Schutz von Bäumen.