Ein Zwergpudel wurde vor wenigen Tagen direkt vor der Letzlinger Kindertagesstätte Heideblümchen von zwei Schäferhunden totgebissen - zur meist frequentierten Zeit. Offensichtlich ist das auch nicht der erste Zwischenfall mit den Tieren.

Letzlingen l Es ist Mittwochmorgen in der vergangenen Woche in Letzlingen. Der Tag beginnt für Franziska Papke und ihre kleine Familie wie jeder andere. Es gibt Frühstück, dann machen sich die Letzlingerin, Lebensgefährte René Schweers und Töchterchen Johanna (knapp 3) auf den Weg zur Kita. Und wie immer darf auch Familienhund Amy mit. Die vierjährige Zwergpudelmixhündin kennt das schon. Vor der Kita wird sie angeleint und muss warten, wenn Frauchen und Herrchen die kleine Johanna abgeben. Dann geht`s weiter.

Doch an diesem Mittwoch geht es nicht mehr weiter. Als Johannas Eltern wieder aus der Kita kommen, ist ihr Hund tot. Zwei ausgewachsene Schäferhunde haben die nur gut zwei Kilogramm schwere Mischlingshündin von der Leine gerissen und totgebissen. Direkt vor dem Haupteingang der Kita und zur Hauptbringezeit. Dass kein Kind Zeuge dieser Szenen wird, ist tatsächlich nur purer Zufall. Und zum Glück - wenn man denn überhaupt von Glück sprechen kann - muss auch Franziska Papke nicht mitansehen, wie ihr Hund getötet wird.

"Als wir gerade rausgehen wollten, kam uns ein Vater entgegen und hat meinen Freund aufgefordert, allein mit rauszukommen", erinnert sie sich Tage später. Sie geht dennoch hinterher. "Und dann habe ich meine Kleine da schon liegen sehen, leblos im Schnee", sagt sie und die Tränen kullern.

"Es haben sich weitere Bürger gemeldet, die Zwischenfälle mit den beiden Schäferhunden erlebt haben."

Birgit Matthies, Ordnungsamt Gardelegen

Was sich Minuten vorher direkt an der B 71 abgespielt hat, schildern ihr dann andere Eltern: Urplötzlich seien zwei Schäferhunde aufgetaucht, erzählt ihr eine junge Mutter. Die kleine Hündin vor der Tür habe angesichts der großen Hunde gebellt. Da seien die aufmerksam geworden und hätten sich direkt auf das Tier gestürzt. Deshalb habe die Frau einer anderen Mutter, die gerade ihr Kind in die Kita bringen wollte, zugerufen: "Geht zurück ins Auto, die sind gefährlich!" Offensichtlich ein guter Rat, denn in dem Moment, als die Autotür zufiel, habe einer der Schäferhunde direkt davor gestanden.

Für den kleinen Hund ist es allerdings zu spät. Franziska Papke fährt zwar noch zum Tierarzt, dort kann ihr aber keiner mehr helfen. Sie bringt das tote Hündchen zunächst zu ihren Eltern und fährt dann zur Polizei, um Anzeige zu erstatten. Die Beamten nehmen die Anzeige auch auf, verweisen sie aber weiter ans städtische Ordnungsamt.

Denn dort sei man tatsächlich für solche Fälle zuständig, die öffentliches Recht betreffen, erläutert Sachgebietsleiterin Birgit Matthies, auf Nachfrage . Auf ihrem Schreibtisch liegt der Fall seit dem vergangenen Mittwoch. Mittlerweile scheinen es sogar mehrere Fälle zu sein. "Denn es haben sich weitere Bürger gemeldet, die Zwischenfälle mit den beiden Schäferhunden gemeldet haben", sagt Matthies. Vor etwa einem halben Jahr sollen die beiden Hunde, die offensichtlich einem Letzlinger gehören, bereits einen Beagle totgebissen haben. Und zwar ebenfalls neben einem öffentlichen Spielplatz an der Klosterstraße in Letzlingen. Auch dafür gibt es zahlreiche Zeugen: "Es war grauenhaft, ich sehe das immer noch vor mir", sagt eine von ihnen im Gespräch mit der Volksstimme. Einige Männer seien damals "mit Holzknüppeln und Eisenstangen" auf die Hunde losgegangen, die den ebenfalls angeleinten Hund attackiert hätten, der schließlich an den Verletzungen starb.

"Sollte sich herausstellen, dass die Auflagen unberechtigt sind, verklage ich das Ordnungsamt."

Hundehalter aus Letzlingen

Dass diese Vorfälle jetzt erst mitgeteilt wurden, "erklären die Leute damit, dass sie sich nichts vorwerfen lassen wollen, wenn Schlimmeres passieren sollte", versteht Matthies. Denn auch Franziska Papke fragt nun natürlich zu recht: "Was wäre, wenn es mein Kind gewesen wäre?"

Doch das schließt der Halter (Name der Redaktion bekannt) der beiden Schäferhunde rigoros aus. Seine Tiere, sagt der Letzlinger gestern im Gespräch mit der Volksstimme, seien "noch nie gegenüber Menschen auffällig geworden". Zudem sehe er es "auch noch gar nicht als bewiesen an", dass an dem Vorfall vor der Kita tatsächlich seine Hunde beteiligt gewesen seien. Zwar waren die beiden zum besagten Zeitpunkt weggelaufen. "Ich habe sie aber nicht vor der Kita eingefangen."

Den Vorfall mit dem Beagle vor einem halben Jahr räumt der Mann indes ein. "Das will ich nicht abstreiten." Und auch, dass er sich bei Franziska Papke entschuldigt und ihr Geld für den Kauf eines neuen Hundes gegeben hat, bestätigt er (dafür musste sich die Halterin verpflichten, auf alle weiteren Ansprüche zu verzichten). Gegen den Bescheid des Ordnungsamtes, das beide Tiere jetzt von Amtswegen als "gefährlich" eingestuft hat, habe er allerdings Widerspruch erhoben, betont der Halter.

An die Auflagen, die er innerhalb von drei Monaten erfüllen muss, wenn er seine Hunde behalten will - das Ordnungsamt verlangt einen Sachkundenachweis des Halters und einen Wesenstest für beide Hunde - werde er sich zwar halten: "Mir bleibt ja nichts anderes übrig!" Sollte sich aber herausstellen, dass ihm die Auflagen unberechtigt erteilt wurden, sprich, sollte nicht bewiesen werden, dass an dem jüngsten Vorfall tatsächlich seine Hunde beteiligt waren, "werde ich das Ordnungsamt auf die Erstattung der Kosten verklagen."

Angezeigt hat der Letzlinger nach eigener Aussage nun übrigens seinerseits Franziska Papke, da "auch ihr Hund aggressiv war und nachweislich auf dem Spielplatz kleine Kinder in die Hacken gezwickt hat".

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