Das integrierte gemeindliche Entwicklungskonzept, kurz IGEK, beschert der Stadt Gardelegen eine ausführliche Analyse des gesamten gesellschaftlichen Bereiches der Hansestadt, die aus 50 Ortsteilen besteht. Die Volksstimme wird in loser Folge über einzelne Punkte informieren.

Gardelegen l Das integrierte gemeindliche Entwicklungskonzept soll ein Kompass, ein Leitbild für die Entwicklung der flächenmäßig drittgrößten Stadt Deutschlands für die nächsten 15 bis 20 Jahre sein, hat Gardelegens Bürgermeister Konrad Fuchs Sinn und Ziele des IGEK erläutert. Vom Stadtrat wurde es bereits mehrheitlich bestätigt.

Neben dem Leitbild unter dem Motto "Zukunft in der Fläche" und konkreten Projektvorschlägen enthält das IGEK, erarbeitet von der Landgesellschaft Sachsen-Anhalt, eine ausführliche Analyse der Ist-Situation des gesamten gesellschaftlichen Bereiches wie Wirtschaft, Bevölkerungsentwicklung, Daseinsvorsorge, Kinderbetreuung, Brandschutz und vieles mehr.

Ein Schwerpunkt der Analyse ist die Bevölkerungsentwicklung und der demografische Wandel, die Abwanderung junger Menschen und die Überalterung als Ausgangspunkt für die komplette Entwicklung der Region.

Grundlage für die Analyse waren die Daten von 1990 bis 2013. Dabei sei zusammenfassend einzuschätzen, dass die Stadt Gardelegen wie viele andere ländlich geprägte Regionen vom Einwohnerschwund geprägt sei, vor allem durch die Abwanderung junger Erwachsener, insbesondere Frauen. Dies wiederum habe einen Rückgang bei den Geburten zur Folge. Für die Stadt selbst hat sich von 1990 bis 2013 ein Bevölkerungsrückgang von 13,5 Prozent ergeben. Der Altmarkkreis Salzwedel hat in diesem Zeitraum 16,2 Prozent und Sachsen-Anhalt insgesamt 19,9 Prozent seiner Einwohner verloren.

Berge mit zunehmender Bevölkerungszahl

1990 seien die Frauen in der Stadt mit 51,7 Prozent noch in der Überzahl gewesen. 2012 lag der Anteil bei 49,8 Prozent. In der Altersgruppe über 60 sieht das anders aus. Da kamen im genannten Zeitraum zwei Frauen auf einen Mann.

1991 wurden in Gardelegen 228 Geburten registriert. 20 Jahre später waren es dagegen nur noch 177 Kinder, ein Rückgang um 22,4 Prozent.

In den Ortsteilen der Stadt hat es laut dem IGEK eine völlig unterschiedliche Entwicklung der Bevölkerungszahlen gegeben. Mit Stand des Jahres 2012 haben fünf Ortschaften den Einwohnerstand von 1991 halten können. Eine absolute Ausnahme stelle Berge dar. Dort habe es 2012 sogar 15,3 Prozent mehr Einwohner gegeben als 1991. Auf der anderen Seite habe es auch sechs Orte gegeben, die mehr als 20 Prozent ihrer Einwohner verloren hätten. Als Beispiel werden Wannefeld (minus 28,6 Prozent) und Kassieck (minus 27 Prozent) aufgeführt - zurückzuführen vor allem auf den Wegzug junger Familien.

Eine Überalterung der Bevölkerung sei die Folge. Neben Kassieck und Wannefeld seien auch Dannefeld, Kloster Neuendorf und Sichau stark geprägt von Einwohnern in der zweiten Lebenshälfte (45 Jahre und älter). In diesen Orten mache diese Altersgruppe mehr als 60 Prozent der Einwohnerschaft aus. Bei den unter 30-Jährigen seien es maximal 24 Prozent.

Laut Analyse gehören Breitenfeld, Jeggau, Miesterhorst und Zichtau zu den jüngsten Ortschaften. Die unter 30-Jährigen erreichen dort einen Anteil an der Bevölkerung von fast einem Drittel. Dem steht ein Anteil der Einwohner in der zweiten Lebenshälfte von 52 Prozent gegenüber.

Stabile Entwicklung nur entlang der B71

Die größten Bevölkerungsverluste habe es jenseits der Korridore der Bundesstraßen 71 und 188 und der Bahnlinie Stendal-Wolfsburg gegeben. Eine stabile Einwohnerentwicklung sei lediglich entlang der B71 zu verzeichnen.

Langfristige Bevölkerungsprognosen seien zwar mit Vorsicht zu betrachten, seien aber unerlässlich für entwicklungsbedingte Entscheidungen. Das Statistische Landesamt sagt für 2025 eine Einwohnerzahl für Gardelegen von 19326 voraus. Laut Bertelsmannstiftung werde diese Zahl erst 2030 erreicht.

"Für 2030 muss sich die Einheitsgemeinde Hansestadt Gardelegen auf einen Rückgang von 4000 bis 5500 Einwohnern gegenüber 2012 vorbereiten", heißt es dazu im IGEK.