Berge l Das Knistern, die Spannung in der Luft waren deutlich zu hören und zu spüren. Einig waren sich die Kameraden der Berger Wehr mit den Löschgruppen Ackendorf und Laatzke - mit 130 Mitgliedern eine der größten Wehren in der Region - nämlich nicht. Und Stein des Anstoßes war die Wahl einer neuen Wehrleitung am Sonnabendnachmittag im Berger Sportzentrum.

Mario Brune, Wehrleiter seit 1999, stand für eine neue Wahlperiode nicht mehr zur Verfügung. Der 51-Jährige Brandmeister gab persönliche und berufliche Gründe an und wollte sich stärker im Förderverein der Berger Wehr engagieren. Dessen Gründung war auch für Sonnabend geplant, wurde aber aufgrund der Turbulenzen verschoben.

Mario Brune schlug für seine Nachfolge den bis dato stellvertretenden Wehrleiter Dirk Hupe vor. In der Versammlung kam ein zweiter Vorschlag aufs Tapet. "Ich schlage Alexander Mattheis vor. Er hat nördlich von Gardelegen die beste Ausbildung. Er bereitet die Dienste vor", und das seien gute Voraussetzungen für diesen Posten, betonte dessen Bruder Pascal Mattheis. Für den Stellvertreterposten brachte Mario Brune Christian Grothe ins Gespräch. Die Ackendorfer Kameraden schickten Michael Peters ins Wahlrennen.

Gewählt wurde geheim. Allerdings wurde im Laufe der Wahl festgestellt, dass laut Feuerwehrsatzung der Stadt nur die aktiven Kameraden wählen dürften. Aktiv im Sinne des Brandschutzes, sagte Alexander Mattheis. Aktive Kameraden sollten pro Jahr auch möglichst 40 Dienststunden geleistet haben.

Das hatte zur Folge, dass die Frauen der Berger Wehr nicht mit wählen durften. Ortsbürgermeister Paul Berlin mühte sich um Verständnis. "Der aktive Dienst und die 40 Stunden beziehen sich auf den Teil der Brandbekämpfung und nicht auf Brauchtumspflege", sagte Berlin. Freiwillige Leistungen wie "Toilettenputzen oder Saubermachen" gehörten leider nicht dazu, obgleich das höchst ehrenwerte Arbeit sei, die die Frauen unter anderem im Gerätehaus leisten würden.

"Die Frauen gehören dazu. Sie können bei solcher Wahl nicht ausgegrenzt werden", kam aus dem Versammlungsrund. Kritik gab es auch seitens der Frauen. "Woher weiß man denn, dass alle anwesenden Männer auch 40 Stunden abgeleistet haben? Wir arbeiten doch auch und leisten viele Stunden. Das ist nicht in Ordnung", so Ute Fehse. "40 Stunden Dienst - dann hätte die Hälfte der Männer hier nicht wählen dürfen", stellte Hendrik Brune fest. Rena Brune forderte von Alexander Mattheis einen schriftlichen Nachweis zur Verfahrensweise. "Es steht nicht in der Satzung, dass Frauen nicht mitwählen dürfen, sondern dass nur Aktive wählen dürfen, die 40 Stunden geleistet haben", betonte seinerseits Wahlleiter Dirk Schmidt.

Das Wahlergebnis: 38 abgegebene Stimmen, davon 35 gültig. Wehrleiter: 14 Stimmen für Dirk Hupe, 21 für Alexander Mattheis. Stellvertreter: 23 Stimmen für Christian Grothe, 12 für Michael Peters.

Damit ist der bisherige Stellvertreter, Dirk Hupe, nun komplett raus aus der Leitung der Berger Wehr.

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