Ohne Urteil endete der erste Verhandlungstag gegen die mutmaßlichen Brandstifter von Solpke. Keiner der Männer gab die Tat zu, sondern beschuldigte den anderen.

Gardelegen/Solpke l Zwei Angeklagte, viele Zeugenaussagen und zahlreiche Versionen der mutmaßlichen Täter aus den Vernehmungen bei der Polizei, die nur wenig Licht ins Dunkel brachten. Gut sechs Stunden dauerte am gestrigen Mittwoch der erste Verhandlungstag gegen zwei Gardeleger, die am 4. November 2013 die Solpker Gaststätte in Brand gesetzt haben sollen, wobei ein Schaden von 900000 Euro entstand. Am 8. April wird der Prozess vor dem Gardeleger Schöffengericht fortgesetzt.

Angeklagt sind ein 32-Jähriger und ein 27-Jähriger. Der 32-Jährige ist ein Alkoholiker, der auch gestern zu alkoholisiert war, um der Verhandlung überhaupt folgen zu können. Während der Mann den Mitangeklagten der Brandstiftung beschuldigte, behauptete der 27-Jährige, der 32-Jährige habe die Gaststätte in der Novembernacht angezündet.

Am Sonntag vor der Brandnacht waren die beiden - am verkaufsoffenen Sonntag - in der Innenstadt einkaufen. Sie holten vier Flaschen Wein und Bier. Bei diesen Fakten herrscht Einigkeit zwischen den arbeitslosen Männern, die vor dem Tattag viel Zeit miteinander verbrachten, teils auch zusammen wohnten.

"Ich war dann durch das Trinken schon übern Haufen, als er gesagt hat, dass er die Hütte jetzt ansteckt. Und dann ist er weg", schilderte der 32-Jährige den Abend. Beim Trinken hätten sie zuvor Stargate geschaut. Als sein Kumpel mit dem Fahrrad nach Solpke unterwegs gewesen sein soll, sei er eingeschlafen.

Kettensäge aus der Gaststätte gestohlen

Der jüngere Mitangeklagte hat den Abend anders in der Erinnerung. Sie waren zusammen in Solpke. "Er hat dann getestet, ob Fenster offen sind, eine Tür ging gleich auf. Dann haben wir uns umgeschaut." Und sie wurden fündig. Der 32-Jährige sei mit einer Kettensäge angekommen, die er für seinen Garten haben wolle. "Und dann habe ich mitbekommen, dass er noch etwas Anderes vorhatte." Der 27-Jährige: "Ich bin dann aber wieder los, mit Fahrrad und Kettensäge." Gegen vier Uhr sei sein Kumpel wieder in Gardelegen aufgetaucht. "Ich habe ihn dann zur Rede gestellt. Er hat mir mit Schlägen gedroht und gesagt, er würde mich unterkuhlen, wenn ich was sage."

Morgens um fünf stand dann die Polizei vor der Tür der zwei Männer in Gardelegen. Während der 32-Jährige noch mehr als 1,0 Promille intus hatte, war der 27-Jährige nüchtern. Bei der Polizei sagte der Jüngere ganz unterschiedlich aus. Erst, dass sie gar nichts damit zu tun hatten, dann, dass er allein die Gaststätte angezündet habe und als dritte Version, dass es nur sein Trinkkumpan gewesen sei. Bei dieser Variante blieb er auch gestern.

Als Zeuge trat ein 42-jähriger Nachbar des jüngeren Angeklagten auf, der angegeben hatte, dass er den alkoholsüchtigen mutmaßlichen Täter am Morgen des Brandes im Treppenhaus gesehen habe. Allerdings hatte er dies erst fünf Monate später ausgesagt, mit ganz konkreter Beschreibung der Kleidung des Mannes. Gestern sagte er, dass er den Mann an der Statur erkannt habe. Der Zeuge wird beim Fortsetzungstermin ein zweites Mal aussagen müssen, denn dem behinderten und unter Betreuung stehenden Mann wird ein Rechtsanwalt beigeordnet.

Als mögliche Motive für eine mutmaßliche Brandstiftung tauchten mehrere Umstände auf: Der 32-jährige Angeklagte war sauer auf einen Solpker, für den er im Gaststättengebäude gearbeitet habe, der ihm aber 70 Euro schuldig geblieben sei. Außerdem fiel während der Verhandlung immer wieder der Name einer gerichtsbekannten 21-jährigen Gardelegerin, die zwischenzeitlich offensichtlich mit beiden Angeklagten liiert war, und um die sich im Sommer 2013 dann der Solpker gekümmert habe. Sie wurde auch als Zeugin gehört, allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Der Solpker und auch die junge Frau hatten zig Beschimpfungs- und Bedrohungs-SMS von den beiden Angeklagten erhalten, die dem Gericht vorlagen. Sogar in der Brandnacht erhielt der Solpker noch SMS. Einmal sei der 32-jährige Angeklagte betrunken auf seinem Wohngrundstück in Solpke mit mehreren Typen aufgetaucht: "Er wollte mich zusammenschlagen lassen", schilderte der Mann. Der jüngere Bruder eines Angeklagten sagte aus, dass "sie sich beim Grillen mal so geäußert haben, dass sie die Bude eigentlich anstecken müssten".

Eine Rolle spielten gestern auch Turnschuhe, die die Kripo in der Gardeleger Wohnung gefunden hatte. Sie lagen in trockenem Zustand in der Waschmaschine mit nasser Wäsche. Jeder der Angeklagten beschuldigte den anderen, diese nach der Rückkehr aus Solpke hineingelegt zu haben.

Angeklagt sind die Männer wegen weiterer Straftaten: Der 32-Jährige war im Juni 2014 mit 1,72 Promille Fahrrad gefahren und hatte zusammen mit einem Kumpel im November 2013 aus einer Lagerhalle 20 Kästen Bier gestohlen.

Der 27-Jährige gab mehrfachen Internetbetrug zu, er hatte zwischen April und Juni 2014 knapp 1400 Euro ergaunert, in dem er immer wieder eine Spielekonsole und ein Handy im Internet anbot, aber nie die Ware auslieferte.