Wenn sich die Altmerslebener Jagdgenossenschaft zu ihrer Jahreshauptversammlung trifft, dann bedeutet das grundsätzlich mehr als ein paar Rechenschaftsberichte, die Jagdpachtauszahlung und ein gemeinsames Essen. In diesem Jahr wurde erstmals ein Spaziergang unternommen, bei dem auch langjährige Waldbesitzer noch etwa lernen konnten.

Altmersleben l "Bäume auspflanzen und dann nichts mehr machen? Das funktioniert in der Forstwirtschaft nicht", sagte Hans-Joachim Lüdecke. Der Mann, der da am frühen Sonnabendabend gemeinsam mit Revierförster Robert Clemens einen Waldspaziergang der Altmerslebener Landeigentümer anführte, weiß, wovon er redet. Denn er ist nicht nur einer der örtlichen Jagdpächter, sondern auch Vorsitzender der 4144 Hektar umfassenden Forstbetriebsgemeinschaft Kalbe. Und natürlich ist er auch selbst Waldbesitzer.

Als solcher liefert er auch immer wieder Programmideen für die Jahreshauptversammlungen der örtlichen Jagdgenossenschaft. "Kurzreferate hatten wir ja schon häufiger. Diesmal haben wir gesagt, wir können ja auch einmal raus gehen und uns verschiedene Waldbilder ansehen. Das macht dann auch Appetit auf das anschließende Essen", wie Lüdecke meinte.

Appetitlich war das, was er und Clemens während der Waldbegehung zu berichten hatten, aber nicht immer. So wurden zum Beispiel Bäume angesteuert, die von Schädlingen wie dem Blauen Kiefernprachtkäfer befallen sind und die unbedingt aus dem Bestand genommen werden sollten. "Eigentlich müsste man die ganze Rinde abnehmen und sie verbrennen", damit sich der Schädling nicht weiter ausbreiten könne, wie der Revierförster sagte.

Das Hauptaugenmerk legten er und Lüdecke aber auf die Frage, wie mit Neuaufforstungen beziehungsweise mit mehrjährigen Beständen umgegangen werden sollte. Letztere würden die Waldbesitzer immer wieder vor die Frage stellen, welche Gehölze sogenannte Zielbäume seien und welche Bedränger. Letztere sollten nach und nach aus dem Bestand genommen werden. Wann genau dies zu geschehen habe, dazu würden die Meinungen von Fachleuten aber teilweise auseinandergehen, wie Hans-Joachim Lüdecke betonte.

Er zeigte auch auf, welche Auswirkungen der Lichteinfall, wie er zum Beispiel durch den Eisbruch vom 23. Dezember 2012 enstanden ist, haben kann. Denn dadurch wird der Bewuchs mit Faulbaum, Him- und Brombeere gefördert. Und das wiederum macht die Pflege des Bestandes wesentlich aufwändiger.

"Fragen Sie mal einen älteren Pilzsammler, ob das Gras im Wald früher auch überall so hoch gestanden hat."

Hans-Joachim Lüdecke in Bezug auf den verstärkten Nitrateintrag

Allerdings sahen das längst nicht alle Mitwanderer gleichermaßen kritisch. "Ich will ja Naturwald haben", meinte zum Beispiel Rainer Liermann.

Allerdings wird besagter Naturwald auch immer stärker von klimatischen Bedingungen, aber auch von der Landwirtschaft beeinflusst. "Fragen Sie einmal einen älteren Pilzsammler, ob das Gras früher im Wald so hoch gestanden hat", forderte Lüdecke. Das sei nämlich nicht so gewesen. Der zunehmende Bodenbewuchs sei auch Folge des Nitrateintrages.

Eine Pflanze, die sich dadurch ebenfalls breit macht und die Wiederaufforstung erschwert, ist zum Beispiel der Lerchensporn. Teilweise wird dieser deshalb sogar chemisch zurückgedrängt.

Die Zurückdrängung des Wildes, das mittels Verbiss auch Baumbestände schädigt, obliegt hingegen der Jägerschaft. Und in Altmersleben arbeitet diese hervorragend mit den Waldbesitzern zusammen.