"Wer hier heute ist, weiß, worauf er sich einlässt", sagte Dr. Wilfried Schielke zum Auftakt des zweiten Literatur- abends am Kamin auf dem Gutshof Zichtau. Das klang fast wie eine Drohung, doch den meisten Besuchern war der gebürtige Kalbenser mit seinen Gedichten in der Tat kein Unbekannter – und sie genossen einen humorvollen Abend mit einem Mann, der noch bis Mitternacht hätte lesen und erzählen können.

Zichtau. Er redet ganz, ganz viel und schnell – die knapp 70 Zuhörer amüsieren sich prächtig, als Dr. Wilfried Schielke am Freitagabend im Kornspeicher des Gutshofes Zichtau humorvolle Gedichte aus seinem 1996 erschienenen Buch "Kleine Klötzer Gaunereien" vorträgt. Der 70-jährige, noch immer berufstätige Arzt hat sich eine Menge vorgenommen. Zig Zettel kleben in seinem Büchlein.

Es sind persönliche Erfahrungen, erzählte Geschichten und private wie berufliche Anekdoten, die Schielke in Versform verewigt. Da geht es um das Laster Rauchen und um ein krankes Herz ebenso wie um den Großvater, der einst besonders gut Schweine verkaufte, wenn die Herren der Damen aus dem Haus zur Arbeit waren.

Schielke ist in Kalbe aufgewachsen, geboren 1940 an der Adolf-Hitler-Straße 33. "Ich bin ein Kind des Pottkuchens, und Fahrten nach Zichtau waren als Kind das Größte für mich", sagt er. Als 18-Jähriger verließ er die Mildestadt und war ganz wehmütig, als er viele Jahre später auf dem Kalbenser Friedhof Namen der Menschen las, die ihm früher viel bedeutet hatten, wie etwa sein Lehrer oder sein Kumpel Charly. Auch wenn es seine Heimatstadt ist, fühlt er sich doch wie ein Fremder, wie er in einem Gedicht beschreibt und dabei aber hofft, "dass Kinder einst in Jahren wieder Guten Morgen sagen".

Für besonders viele Lacher beim Publikum sorgt "Die Gottesanbeterin", in der es um das ewige Thema der so bemitleidenswerten Männer und ihrer so meckernden Frauen geht. Der kurze Vers ist auch in seinem Band "Kleine Klötzer Gaunereien" erschienen.

Seit 28 Jahren schreibt der Klötzer, der auch Vorsitzender des Freundeskreises Altmärkische Schweiz ist, seine Gedichte. Anlass war, dass er zu einem Treffen 25 Jahre nach dem Abitur einen Vers zum Natodoppelbeschluss verfasste: "Das hat mich damals unendlich bewegt, denn einen dritten Weltkrieg hätte keiner überstanden." Seitdem brütet er immer wieder über Versen. Schielke: "Meistens fallen mir beim Straßefegen welche ein, und ich habe ein langes Stück Straße vorm Haus."

Den Zuhörern gefiel, was Schielke meist humorvoll, selten nachdenklich vortrug. Ein Gast wollte noch ein Buch kaufen, "aber die gibt es nicht mehr, die sind alle vergriffen", so der Autor nicht ganz ohne Stolz. Eine neue Auflage werde es jedoch nicht geben.

Im März wird es den nächsten Literaturabend am Kamin im Kornspeicher auf dem Gutshof Zichtau geben. Lesen werde wieder ein Autor aus der Region, kündigte Organisatorin Madeleine Bierlich an.