Im Deutschunterricht wird gerade die Vergangenheit behandelt. Allerdings nicht das Präteritum, sondern jene Zeit, in der noch mit dem Griffel geschrieben wurde. Der Besuch in Kalbes Schulmuseum war für die Klasse 3 a der Kalbenser Grundschule gestern deshalb ganz praktischer Unterricht. Und ein Riesenspaß noch dazu.

Kalbe. Uralte Pulte und massive Holzbänke anstelle moderner Schulmöbel, Griffel und Schiefertafeln statt Schreibheften und Füller, hinter dem uralten Lehrerpult schließlich steht die strenge Lehrerin mit dem Rohrstock in der Hand. Doch plötzlich ist da ein Kichern zu hören, direkt aus der zweiten Reihe: "Hi, hi, damit will sie uns verhauen?"

Das hat Renate Pauls natürlich nicht vor. Dafür aber will sie die Jungen und Mädchen aus der Klasse 3 a der Kalbenser Grundschule gern mal für eine Schulstunde in die Vergangenheit entführen. In eine Welt mit "komischer Schrift", wie Hannes Erl in der ersten Reihe verwundert feststellt. Die Drittklässler sollen gestern Morgen nämlich gleich mal Altdeutsch schreiben. Eine Mustertafel mit Buchstaben hatte ihnen Renate Pauls dafür hingelegt. Und für die weniger gelungenen ersten Versuche ist das Schwämmchen gleich neben der Schiefertafel auch eine gute Sache. Denn nicht nur Hannes und sein Nachbar Eric Drewlies finden die Schnörkel "ganz schön schwierig".

Dass sie auch ganz schön schlau sind, stellen die Drittklässler kurz danach allerdings in einen Quiz unter Beweis, das Pauls für sie vorbereitet hatte. Und dass sie dabei auch noch richtig viel Spaß haben, ist ihnen deutlich anzusehen.

Das wiederum freut natürlich auch ihre Deutschlehrerin Brigitte Prüfer. "Gerade behandeln wir im Unterricht die Schule, wie sie früher war", sagt sie. "Ich finde, so was geht heute ein bisschen unter."

Vieles, was die Kinder darüber von ihr schon gehört haben, findet sich nun im Schulmuseum von Renate Pauls wieder. Das Angebot ihrer ehemaligen Kollegin - Pauls hat bis vor einigen Jahren noch selbst unterrichtet -, mit den Kindern mal eine Stunde in den alten Schulbänken zu verbringen, hatte Brigitte Prüfer deshalb gern angenommen.

Renate Pauls, die das Schulmuseum einst eröffnete und in den vergangenen Jahren immer wieder erweiterte, hat übrigens auch schon weitere Anmeldungen von Schulklassen, die bei ihr eine so besondere Deutsch- oder Geschichtsstunde erleben wollen. Zudem ist das gemütliche kleine Klassenzimmer im Hortgebäude auch ein beliebter Anlaufpunkt für viele Klassentreffen ehemaliger Kalbenser Schüler. "Wer sich anmeldet, kann kommen", sagt Pauls. Sie ist Rentnerin und nimmt sich dann gern die Zeit, um als Reiseführerin bei dem Ausflug in die Vergangenheit dabei zu sein.

Und das Angebot wird gern genutzt. Augenscheinlich sind die Kalbenser sehr stolz auf ihr Schulmuseum. Unzählige Fotos sind schon hier entstanden, auf denen sich gestandene Erwachsene in die winzigen Bänke zwängen. Mit Brigitte Prüfert schaut Renate Pauls gestern einige dieser Aufnahmen mal gemeinsam an, während die Kinder sich an den Buchstaben in Sütterlin probieren. So manchen der Erwachsenen kennen sie nämlich noch aus seiner Schulzeit. "Und der hier", sagt Pauls gestern zwinkernd, und tippt auf einen jungen Mann auf einem der Fotos, "grinst noch genauso wie früher."