Jetzt ist es endlich raus: Wenn in Gardelegen groß gefeiert wird, dann wird nicht nur die Sau rausgelassen - sondern auch die Katzen und Hunde aus dem Tierheim. Das zumindest hat Tierheimleiterin Petra Gewasda für den Fall angekündigt, dass es mit der finanziellen Unterstützung seitens der Kommune nicht besser wird. Einen Vorteil hätten die streunenden Vierbeiner ja: Sie wären ein Pluspunkt für die Imagepflege der lebendigen Hansestadt Gardelegen. Denn von den Besuchern des Sachsen-Anhalt-Tages könnte niemand behaupten, dass in der Stadt der Hund begraben liegt. Ganz im Gegenteil: Die Tiere tummeln sich in der City, betteln zu Füßen der Bratwurstgenießer und Caféhausbesucher um Streicheleinheiten und vielleicht ein Zusatzleckerli - die Landesfest-Gastgeberstadt mit dem Charme eines spanischen Urlaubsortes. Auf den Hund zu kommen, birgt so manche Chance in sich. Und wenn die Katzen sich gleich anschließen, ist doch die halbe Besetzung der Bremer Stadtmusikanten schon mal beisammen. Gut, es wären dann eher die Gardeleger Stadtmusikanten, aber unter den Hansestädten ist diese kleine Begriffsausleihe doch sicher erlaubt - ohne gleich einem Plagiatsvorwurf ausgesetzt zu sein. Der Hund ist da, die Katze auch, die Hälfte vom Quartett steht. Fehlen noch der Esel und der Hahn, oder auch wieder nicht. Welche so betagte Combo spielt denn heute noch im Original, in der Gründungsbesetzung. Also könnten auch andere Tiere herhalten. Wen hätten wir denn da zur Auswahl? Zum Beispiel den Pleitegeier, der in den vergangenen Wochen über einigen Ex-Gemeinden kreisend gesehen wurde, aber auch schon über Industrieansiedlungen. Wenn er eine andere Aufgabe finden und als Musiker auf eine lange Tournee gehen würde, würde ihm sicher niemand eine Träne nachweinen. Fehlt noch jemand für den Stadtmusikanten-Unterbau. Der Fuchs? Sicher, der muss immer viel aushalten, aber aus Statiker-Sicht dürfte er als Eselersatz am Fuße der singenden Pyramide wenig geeignet sein. Da muss schon ein größeres Tier her. Von den wirklich großen Tieren haben wir derzeit ja ziemlich viele im Revier - in natura und als Bittsteller am Wegesrand. Genauer gesagt als lächelnde Porträts an Laternenmasten - über den Dingen schwebend. Von denen jetzt allerdings schon einen fest als Bandmitglied für den Sachsen-Anhalt-Tag einzuplanen, ist einfach zu riskant. Was, wenn das vermeintlich hohe Tier dann doch wieder ein ganz kleines im Rudel der anderen kleinen Tiere ist? Die Statik wäre in Gefahr. Wer größenmäßig ins Ensemble passen könnte, ist der Jävenitzer Hirsch. Die Gunst der Stunde, sich der Gruppe anzuschließen, ist auch mehr als günstig. Denn nach der Entlassung seiner kämpferischen Wildhüter ist der stolze Zwölfender ein wenig ohne Aufsicht, und es ist ruhig um ihn geworden. Das wäre doch die Chance, es wieder ins Rampenlicht zu schaffen. Lange sollten die Stadtmusikanten nicht mehr über ein Comeback nachdenken, denn sonst sind doch noch ausreichend Festhelfer gefunden worden, bevor das erste Lied einstudiert ist. Bleibt bloß noch zu überlegen, welche Titel ins Repertoire aufgenommen werden sollen. Zwei Hits auf jeden Fall, die es in diesem Jahr in den Haushaltscharts bis ganz nach oben schaffen werden: Helga Hahnemanns Frage "Wo ist mein Geld bloß geblieben" und Jupp Schmitz\' Klassiker "Wer soll das bezahlen". Doch darüber will ich an diesem Karnevalswochenende nicht nachdenken. Da lasse ich lieber so richtig die Sau raus.D. Lyko