Nach einer Erhebung zum Jahresende 2010 gibt es in der Hansestadt Gardelegen 784 aktive Mitglieder in den Feuerwehren. Bei Einsätzen zeigt sich aber oft, dass die Statistik von der tatsächlichen Einsatzstärke abweicht. Darum soll es in den nächsten Monaten eine Bestandsaufnahme geben.

Gardelegen. Als Stadtwehrleiter Wolfgang Hein am Donnerstagabend seinen Gästen vom Ordnungsausschuss des Salzwedeler Kreistages und aus der Kreisverwaltung die Statistik über den Personalbestand der Wehren in seinem Zuständigkeitsbereich vorgestellt und Zweifel an der Korrektheit geäußert hatte, fiel Ausschussmitglied Jens Bombach gleich ein passender Witz ein: "Die drei Formen der Lüge in der DDR: Lüge, Notlüge, Statistik." Bei allem Spaß aber war den Anwesenden schnell der Ernst dieser Thematik bewusst.

Darum wird gehandelt. So sei eine Arbeitsgruppe gebildet worden, die jetzt eine aktuelle Bestandsaufnahme vornimmt, informierte Gardelegens Stadtwehrleiter. Ziel sei, die Zahlen zu aktualisieren. In einigen Monaten sollen dann verlässliche Zahlen vorliegen. Rüdiger Wührl, im Kreisordnungsamt für den Brand- und Katastrophenschutz zuständig, appellierte "an die Ehrlichkeit der Wehrleitungen, korrekte Zahlen zu nennen". Das sei auch wichtig, um einen Überblick über die Einsatzbereitschaft am Tag zu bekommen.

"Das sind ganz normale Überlegungen. Es geht schließlich um Verantwortung", sagte Gardelegens Bürgermeister Konrad Fuchs, der als Kreistagsmitglied in Vertretung für das Ausschussmitglied Hans-Jürgen Ostermann an der Sitzung teilnahm. Es gehe um die Sicherheit, die der Einsatzkräfte ebenso wie die der Bürger. Als Beispiel für die Sicherheit der Feuerwehrleute ging es am Donnerstag konkret um die Atemschutzgeräteträger. Einige von ihnen werden in den Wehren zwar als solche geführt, doch seit Jahren schon haben sie nicht mehr an den erforderlichen Überprüfungen in Klötze teilgenommen. Auch dies soll jetzt auf den Prüfstand kommen.

Von den 28 Ortsfeuerwehren mit fünf Löschgruppen sind nach eigenen Angaben der Wehren derzeit nur 8 Wehren 24 Stunden einsatzbereit. Das bedeute ein übergreifendes Zusammenarbeiten, so Wolfgang Hein. Zum Teil werde es schon praktiziert. Zum Beispiel rücken die Gardeleger immer mit aus, wenn in Algenstedt alarmiert wird. Auch die Wehren Letzlingen, Wannefeld und Roxförde werden seit einiger Zeit immer gemeinsam alarmiert. Es gehe aber auch um den Ausbau der stadtübergreifenden Zusammenarbeit, so der Stadtwehrleiter. Konkret meint er damit Absprachen mit der Klötzer Wehr, die zum Beispiel zu Einsätzen in Zichtau und in Breitenfeld gerufen wird. "Das würden wir Gardeleger gar nicht in den vorgeschriebenen zwölf Minuten schaffen", begründete Wolfgang Hein.

Als Grundlage für die Diskussion über die Weiterentwicklung der Wehren im neuen Stadtgebiet hat der Gardeleger Stadtwehrleiter mit Zahlen der Kreisverwaltung eine Statistik über die Einsätze aller Wehren der heutigen Einheitsgemeinde Gardelegen in den Jahren 2000 bis 2010 erstellen lassen. Spitzenreiter mit 1110 Einsätzen ist die Gardeleger Wehr. Auf Platz zwei folgt mit deutlichem Abstand die Miester Wehr mit 233 Einsätzen. Alle anderen Wehren liegen unter der 200. Marke. Mit 162 Einsätzen stehen die Letzlinger auf dem dritten Platz. Schlusslicht sind die Feuerwehrleute aus Laatze, die im Zeitraum 2000 his 2010 zu drei Einsätzen ausgerückt sind. Jeweils sieben Einsätze waren es in Sichau und Jeggau, acht waren es für die Kameraden aus Kassieck. Wenn es künftig zum Beispiel um Investitionen in die Ortsfeuerwehren geht, dann könnte auch diese Statistik genutzt werden, um die Notwendigkeit einzuschätzen.