Der Chor des Bismarck-Gymnasiums hat Zuwachs bekommen. Seit August unterstützen zwei internationale Stimmen die Truppe. Mit ihrer neuen Heimat sind Kentaro Ikegami und Jessica True zufrieden. An einige Dinge wollen sie sich aber nicht gewöhnen.

Genthin l Kultureller Austausch, unbedingt. Aber so unterschiedlich sind Europäer, Asiaten und Amerikaner auf den ersten Blick nicht.

Der Japaner Kentaro Ikegami und die Amerikanerin Jessica True sind Genthiner geworden und fühlen sich hier pudelwohl. Für knapp ein Jahr werden sie als Austauschschüler am Genthiner Bismarck-Gymnasium bleiben. "Es ist hier fast wie zuhause", sagt True und lächelt zufrieden. Nur mit der Sprache hapert es eben noch ein bisschen.

"Deutsch ist schwer", stellt die 18-Jährige zähneknirschend fest. Sie spricht schon recht gut. Für den 15-jährigen Japaner ist es schwieriger, Deutsch zu lernen. Er versucht, dem Gespräch mit Hilfe eines Sprachcomputers besser zu folgen. In Japan hat man kein Deutsch und nur eine Stunde Englisch in der Woche.

Aber seine Mimik und Gestik verrät, dass es ihm in Genthin gefällt. In der Millionenstadt Tokio und der Universitätsstadt Bloomington, in denen die beiden zuhause sind, ist weitaus mehr Betrieb als hier. Es sind die kleinen Unterschiede, die den Schülern auffallen.

"Ich mag die alten Pflastersteine und Ziegel", so Ikegami, denn so etwas gibt es in Tokio nicht. Ihm gefällt es sehr gut bei seiner Gastfamilie in Redekin, und er findet es überhaupt nicht schlimm, in einem kleinen Ort zu wohnen. "Hier ist sehr viel Grün", betont das Chormitglied mit der Bassstimme. Im Schulalltag lassen sich doch ein paar Unterschiede zwischen den Kulturen finden. "Es ist eine sehr traditionelle Schule", erklärt der 15-Jährige auf Englisch den Lernort in seiner Heimat. Sie hat eine 150 Jahre alte Geschichte. Man trägt marineähnliche Uniformen und beginnt erst um 8.30 Uhr mit dem Unterricht. Danach geht es täglich zum Basketballklub. Um etwa 18 Uhr ist Feierabend.

Auch sonnabends drücken Japaner die Schulbank, da ist es in Genthin natürlich schön, am Wochenende ausschlafen zu können, lächelt er.

Auch Jessica True findet Gegensätzliches. "Ich habe hier drei Naturwissenschaften in einem Schuljahr", stellte sie bei ihrer Ankunft erschrocken fest.

In Bloomington wird jedes Jahr nur eines der Fächer belegt. Dafür gibt es aber auch keine Klassenverbände wie in Deutschland. Jeder wählt sich den Stundenplan nach Vorlieben aus, muss aber am Ende der Laufbahn für den Abschluss bestimmte Voraussetzungen erfüllt haben.

Beide entschieden sich dafür, in ihrer Freizeit im Chor des Gymnasiums mitzuwirken. Jessica True hat bereits Erfahrung, sie hat in ihrer Heimat Gesangsunterricht als Schulfach gewählt.

Für den jungen Japaner ist das Singen im Chor dagegen Neuland.

Im Umgang mit moderner Technik im Unterricht haben uns die Japaner etwas voraus. Die Benutzung des Mobiltelefons ist an Ikegamis Schule ausdrücklich erlaubt.

Auch Spielekonsolen sind während des Unterrichts benutzbar. Wichtige Informationen aus dem Internet können für alle sichtbar vom Mobiltelefon auf einen Bildschirm geschickt werden. True kann in Bloomington beispielsweise auch Kurse am College (amerikanische Hochschule) besuchen, was sie für einen großen Vorteil hält.

Während des Mittagessens darf die Schule nicht verlassen werden. Das bedauert die Schülerin, denn Kantinenessen ist für sie nicht empfehlenswert.

Eine deutsche Unart ist für beide das öffentliche Rauchen auf der Straße. "Für meine Stimme wäre das tödlich", betont die 18-Jährige, die nach der Schule Gesang und Italienisch studieren möchte. Auch in Tokios Straßenbild gibt es keine Qualmwolken. "Es ist verboten", sagt er, der sich vorstellen kann, später mit seiner Familie in England zu leben.