Jerichow (sta) l Anlässlich des Holocaust-Gedenktages wurde am Montag mit einer Kranzniederlegung am Gedenkstein auf dem Gelände des AWO Fachkrankenhaus Jerichow an die Opfer von Euthanasie und Eugenik erinnert. Bürgern aus Jerichow, Patienten sowie Mitarbeiter des Fachkrankenhauses und des Heimverbunds Jerichow nahmen an dem stillen Gedenken teil.

Geschäftsführer Wolfgang Schuth sprach sich dafür aus, auch nach so vielen Jahren gegen das Vergessen des Leids und der verübten Ungerechtigkeit anzugehen.

Eine Projektgruppe unter Leitung des AWO-Landesverbandes Sachsen-Anhalt hatte die Geschichte der psychiatrischen Einrichtungen in Jerichow aufgearbeitet und dazu eine ständige Ausstellung initiiert, die im Empfangsgebäude Haus 6 zu sehen ist. Der vor zwei Jahren eingeweihte Gedenkstein war das Ergebnis eines Ideenwettbewerbs an AWO Einrichtungen der Psychiatrie und Behindertenhilfe, an dem sich über 70 Frauen und Männer, die seelisch, körperlich oder geistig beeinträchtigt sind, beteiligt hatten.

Projekt-Mitarbeiter erinnerten bei dem Gedenken am Montag an die Schicksale von Otto S. und Hedwig M. Beide fielen der Ermordung durch die Nationalsozialisten im Rahmen der "Aktion T4", einer geheim durchgeführte Tötung so genannten "lebensunwerten Lebens" zwischen 1940 und 1941, zum Opfer. Otto S. und Hedwig M. verbrachten vor ihrer Ermordung in Brandenburg mehrere Jahre in der Landesheilanstalt Jerichow, einer der damaligen so genannten Zwischenanstalten, aus denen insgesamt 930 Frauen und Männer in die Gasmordanstalten Brandenburg und Bernburg transportiert wurden. Im Sommer 1940 wurden beide Patienten mit der Diagnose Schizophrenie "in eine andere Anstalt verlegt". Diese letzte Angabe in der Krankenakte bedeutet den Abtransport nach Brandenburg und die anschließende Tötung.

Neben behinderten Menschen wurden damals auch vermeintlich "Asoziale" und "Zustandskriminelle" umgebracht.

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