16 Mitarbeiter der Betriebsleitung des Landesforstbetriebes Sachsen-Anhalt tauschten in der vergangenen Woche den Schreibtisch gegen einen Spaten und kleine Traubeneichen ein. Ihre Pflanzaktion im Revier Meierei galt dem Internationalen Tag des Baumes, der seinen Platz am Freitag, 25. April, im Kalender gefunden hat.

Genthin l Bernd Dost, Leiter des Landesforstbetriebes, ermunterte nicht nur Gudrun Rode und Wolfram Schulze, beide Mitarbeiter seines Teams, das körperlich anstrengende so genannte Zwei-Mann-Pfanzverfahren durchzuhalten. Nachdem Wolfram Schulze mit dem Spaten die Pflanzlöcher im gepflügten Waldboden vorbereitet hatte, brachte Gudrun Rode die jungen Eichenpflanzen mit ihrem kompletten Wurzelwerk in das Erdreich ein. "Die Beiden", sagt Dost, "sind unsere IT-Spezialisten und verrichten solche Arbeiten sehr selten." Dost sieht in solchen Aktionen eine hervorragende Möglichkeit für die Mitarbeiter der Betriebsleitung, direkten Kontakt zur Praxis zu bekommen, Daten und Fakten vor Ort zu erleben, die sonst nur über den Bildschirm des Computers flimmern. Dieses Ansinnen, macht der Leiter des Landesforstbetriebes klar, verbinde sich zugleich in hervorragender Weise mit jenen Pfanzaktionen, die im Hinblick auf den Internationalen Tag des Baumes in wechselnden Revieren des Landesforstbetriebes vorgenommen werden.

Dass nun die Wahl als Baum des Jahres auf die Traubeneiche fiel, entspreche ihrer wachsenden Bedeutung als eine Baumart, die wirtschaftliche und ökologische Interessen in sich vereint, erklärte Wolfhard Paul, Sachgebietsleiter Waldbau und Forstplanung. Eine Traubeneiche würde beispielsweise von etwa 1000 Arten besiedelt, machte Paul auch ihre Bedeutung für den Naturschutz deutlich. Gleichwohl spiele sie in Sachsen-Anhalt eine wichtige waldanbauliche Rolle, um Mischbestände heranzuziehen. "Wir legen Wert auf Abwechslung in unseren Wäldern", erklärte Bernd Dost.

In Sachsen-Anhalt werden jährlich eine Million Eichen gepflanzt, das entspricht einer Aufforstung von 100 Hektar. Die 16 Mitarbeiter der Landesforstbetriebes waren in der Meierei auf einer 1,25 Hektar großen Waldfläche eingesetzt, um die Traubeneiche unter 90-jährige, hochgewachsen Kiefern zu pflanzen. Ein Drahtzaun wird die kleinen Bäume für eine begrenzte Zeit vor Wildverbiss schützen.

Jährlich hat Revierleiter Frank Ozimek 20 Hektar im Pflanzplan für alle Baumarten. Etwa neun Prozent des Baumbestandes macht die Eiche im Revier Genthin aus, der Landesdurchschnitt liegt bei 16 Prozent. Äußerlich ist für den Laien die Traubeneichen schwer von der Stieleiche zu unterscheiden, die Traubeneiche bevorzugt jedoch nährstoffärmere und trockenere Standorte wie die Stileiche. Bis die kleinen Eichenpflanzen, die in der vergangenen Woche ins Erdreich gebracht wurden, zu stattlicher Größe herangewachsen sind und gefällt werden können, werden etwa 200 Jahre vergehen. Das Verbreitungsgebiet der Traubeneiche erstreckt sich über ganz Europa. Das Eichenholz ist sehr hart, es wird als Rundholz, Schnittholz und Furnier verarbeitet.

Mit der Pflanzaktion der Traubeneiche zum Internationalen Tag des Baumes in der Meierei setzte der Landesforstbetrieb auch die Alemannsche Tradition fort, betonte Dost. Friedrich Adolph von Alemann (1797 bis 1884) übernahm 1829 die Königliche Preußische Oberförsterei Altenplathow, die er zu einem Musterrevier entwickelte. Im Alemannschen Revier entstanden in den 43 Jahren seiner Zuständigkeit viele Hektar Eichenwald. Alemann entwickelte neue Pflanzverfahren, neue Methoden zur verlustarmen Überwinterung von Eicheln. Von Alemann, an den heute in der Meierei ein Gedenkstein erinnert, war einer der bedeutendsten praktischen Forstleute seiner Zeit.