Die heutige Flamco STAG Behälterbau GmbH hat auf dem Markt fest etabliert. Nicht zuletzt durch den Einsatz des ehemaligen Geschäftsführers Reinhard Templin, der auf eine "bewegte Privatisierungsgeschichte" verweist.

Genthin l Der Generationenwechsel bei der Flamco STAG in Genthin läuft. "Ich habe als gebürtiger Genthiner natürlich das Anliegen, dass der Betrieb in Genthin bleibt", sagte Reinhard Templin, der 23 Jahre lang das Unternehmen leitete und seit 1975 im Betrieb tätig ist. Prokurist Frank Brüggemann aus Reesen sitzt derzeit noch auf "frischgepackten Koffern". Er leitet Finanzen und Controlling im Betrieb.

So führte der Diplom-Wirtschaftler Templin am Mittwoch noch selbst Wolfgang März, Hauptgeschäftsführer der IHK Magdeburg, und Dr. Tamara Zieschang, Staatssekretärin im Ministerium für Wissenschaft und Wirtschaft Sachsen-Anhalts, durch die fünf Produktionshallen.

Die ersten dreieinhalb Jahre als Geschäftsführer seien eine aufregende Zeit gewesen. Investoren zu finden, für den der ehemalige VEB Stahl- und Apparatebau eine strategische Ergänzung sein konnte, war Templins Ziel. 1990 wurde er Geschäftsführer und aus dem VEB eine GmbH.

Heute sind 113 Mitarbeiter plus 15 bis 20 saisonale Kräfte am Standort Genthin, der zur Flamco-Gruppe gehört, beschäftigt. Im letzten Geschäftsjahr machte die Produktionsstätte 20,8 Millionen Euro Umsatz.

"Wir haben eine bewegte Privatisierungsgeschichte hinter uns", resümierte Templin aus der Historie. Die Produktionswende begann mit der Spezialisierung auf Flüssiggasbehälter um 1988/89. Viele Westdeutsche orderten nach dem Mauerfall tausende der Tanks. Deutschlandweit wurden allein 1991 150000 Behälter verkauft. "Das hat uns die ersten zwei Jahre das Überleben gesichert", so Templin.

Die Gründung der Qualifizierungs- und Strukturförderungsgesellschaft (QSG) und des Technologie- und Gründerzentrums (TGZ) gemeinsam mit Henkel halfen dem Unternehmen bei der Neuorientierung. "Einige hundert Mitarbeiter mussten damals dennoch entlassen werden", sagte Templin über den für ihn schmerzlichen Schritt. Zwei Jahre lang gehörte der Betrieb noch zum Schwermaschinenbaukombinat Ernst Thälmann (SKET) Magdeburg. Dem war er 1970 zugeschlagen worden. Später übernahm der holländische Polynorm- und Voestalpine-Konzern den Betrieb. Im Jahr 2004 wird das Unternehmen zur reinen Produktionsstätte für die Flamco-Gruppe.

Etwa 40 Prozent der Genthiner Produktion werden exportiert. Daraufhin interessierte die Staatssekretärin Zieschang: "Wie haben Sie denn da den Einstieg gefunden?" Die Exportquote profitiere vor allem durch das dichte Vetriebsnetz der Flamco-Gruppe, antwortete ihr Frank Brüggemann. So finden sich in den Produktionshallen zum Beispiel auch Behälter, die in die Türkei gehen.

Nicht immer sind die Tanks so offensichtlich aufgestellt wie die Flüssiggasbehälter in den Vorgärten. Etwa 60 Prozent der Autogastanks an deutschen Autobahn-Tankstellen sind unterirdisch versteckt und in Genthin produziert worden.