Über Kindheitserinnerungen und die Geschichte der jüdischen Synagogen in Genthin erzählen die Anrufer bei der Auflösung des Heimatfotorätsels.

Genthin l Der Weg, an den sich Ruth Hopp bei der Auflösung des Heimatfotorätsels erinnert, führte von der Dattelner Straße in die Mützelstraße. "Den gibt es heute noch", sagt sie. In der Dattelner Straße konnte man damals auch super auf der Straße spielen.

"Es fuhren kaum Autos, bis auf einen, der mal mit seinem Rennauto mit 150 km/h durchdonnerte", sagt die Genthinerin. Nicht nur die frühere Schenkestraße, auch das Gebäude auf der historischen Aufnahme, die ehemalige jüdische Synagoge, war fast allen Anrufern bekannt. Den Arbeiter an der Leiter erkannte Hopp wieder. Mit seiner Frau stand sie einst in Kontakt. "Sie wohnte nahe des Wasserturms und ist sehr alt geworden."

Detlef Göbel erinnert sich daran, dass solch eine Synagoge vorher auch in der Brandenburger Straße existierte. "Die Synagoge in der Dattelner Straße wurde später zum Wohnhaus umgebaut", erzählt er weiter. Auch Genthinerin Ute Schmidt fügt hinzu: "Es ist schon sehr lange her, dass das Gebäude eine Synagoge war."

"Eingeweiht wurde sie am 6. Oktober 1928 in der damaligen Schenkestraße" weiß Christa Bührmann aus Genthin über die Geschichte des Kuppelgebäudes. Mitte der 1930er Jahre sei es zum Wohnhaus umgebaut worden, sagt sie. Dafür hatte sich der damalige Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Hugo Magnus eingesetzt. Ein Geschäftsmann, der einst das größte Kaufhaus in Genthin besaß und fünf Jahre lang Gelder für den Neubau gesammelt hatte. Magnus war ein geachteter Geschäftsmann. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten war die Familie Magnus Repressionen ausgesetzt und verließ schließlich Deutschland.

Aus einem Brief, den Magnus am 24. August 1962 aus New York an den Rabbiner der jüdischen Gemeinde in Magdeburg schrieb, geht über den späteren Verkauf des Gebäudes noch etwas hervor: "Das Inventar überließ ich der Reichsvereinigung (...) und verkaufte sogar den schönen Garten für einen Spottpreis." Ehrenamtlich war er laut seinen Aufzeichnungen zirka 30 Jahre als Vorsteher, Kassierer und Vorbeter tätig, um die kleine jüdische Gemeinde in Genthin zusammen zu halten. Bereits 1855 wurde die Genthiner Stadt- und Kreissynagogengemeinde gegründet. Simon Birnbaum, der erste Vorsitzende, hatte gemeinsam mit Frau Doris und Bruder Moritz den ersten jüdischen Tempel Genthins in der Brandenburger Straße 34, erbaut.

Nach Eigentümerwechsel wurde das Gebäude 1921/22 abgerissen. Das Gebäude unserer Aufnahme wurde vom Altenplathower Bauunternehmer Walter Pomplun in einer einjährigen Bauzeit errichtet. "Früher gab es in der Straße einen Spielzeugladen, der Gummiindianer verkaufte", so Leser Detlef Göbel. Die seien in seiner Jugend der Renner gewesen. Das Überraschungspaket geht in dieser Woche an Liesel Siegmund aus Genthin.Der Gewinn kann montags bis freitags, 9 bis 17 Uhr in der Genthiner Lokalredaktion, abgeholt werden.

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