Wenn viele Menschen zusammenkommen, um über Ziegel zu sprechen, klingt das erst einmal nicht so spannend. Dass das Thema mehr zu bieten hat, als man zunächst vermuten könnte, wurde auf dem jährlichen Treffen der Ortschronisten deutlich.

Genthin l Sich mit längst vergangenen Tagen beschäftigen, Informationen sammeln, einordnen, sortieren und schließlich für die Nachwelt haltbar machen - All das sind Dinge mit denen sich Ortschronisten täglich befassen. Einmal im Jahr kommen sie zum Erfahrungsaustausch zusammen. In diesem Jahr fand das Treffen im Genthiner Kreismuseum statt. Thema: "Der rote Stein. Ziegeleiproduktion im Jerichower Land." Wolfgang Bünning hielt einen Vortrag zum Thema Ziegelstempel. Das ist eine Buchstabenfolge, ein Logo oder ein einfaches Motiv, das mit Hilfe eines Stempels von Hand in den frischen ungebrannten Mauer- oder Dachziegel gedrückt wird. Der Ziegel wird danach gebrannt. Meist lässt sich anhand des Stempels die Herkunft des Ziegels bestimmen, wodurch sich Hinweise zur Industriegeschichte ergeben. Heike Brett aus Rathenow schreibt für die Semliner Hefte über die Ziegeleien um den Semliner See. "Mich interessieren die Besitzer der Ziegeleien", erklärte sie in ihrem Vortrag. "Was waren das für Leute? Welche Familien standen dahinter?" Mit Hilfe der Geschichte der Ziegeleien könne man viel über die Geschichte allgemein herausfinden. Während des 19. Jahrhunderts hatte fast jeder Gutsbesitzer eine eigene Ziegelei, sagte Brett. Darum konnte auch jeder der Chronisten etwas mit dem Thema anfangen.

"In Derben gab es damals etliche Ziegeleien", sagte zum Beispiel Anita Hempel, die mit den anderen Mitgliedern des Derbener Heimatvereins vorrangig zur Geschichte der Schifffahrt in ihrem Dorf forscht. Ursprünglich wurden Ziegel in Feldbrandziegeleien und Schachtöfen gebrannt. Mit der Erfindung des Ringofens um 1859 wurde eine enorme Steigerung der Ziegelproduktion möglich.

Bauzeichungen von Öfen aus der Region zeigte Christiane Wagner aus Parey. Sie referierte auch zum Niedergang der Ziegeleien: Der begann um 1900, ein regelrechtes "Ziegeleisterben" folgte im Ersten Weltkrieg.