Der Tipp einer Bekannten lockt den Freizeit-Tänzer Hans Wöllmann zum Brettiner Fliederball. Aus einem ersten holprigen Tanz mit Brigitte wurde eine 60-jährige Ehe.

Genthin l Es gibt ein Mädchen in Brettin, das noch zu haben ist, sagte einst eine Bekannte. So macht sich der damalige Student für Bauwesen, Hans Wöllmann, auf zu seinem ersten Fliederball. "1952 war das", erinnert sich die diamantene Braut. So richtig klappte es mit dem Tanzen nicht, da das Brettiner Mädchen nicht so leichtfüßig über das Parkett schwoofte wie ihr Verehrer.

Hans Wöllmann hatte in Dänemark, wo er während des Zweiten Weltkrieges hingeflüchtet war, tanzen gelernt. "Sogar in Klumpen (Holländischen Holzschuhe) habe ich getanzt", sagt er. Geklappt hat es mit den beiden trotzdem. Zwei Jahre später wird erst standesamtlich in Genthin und später kirchlich in Brettin geheiratet. "Es war schönes Wetter und ich hatte ein weißes Brautkleid an", weiß Brigitte Wöllmann noch. Das damals ungleiche Tanzpaar hat inzwischen 60 gemeinsame Ehejahre miteinander verbracht. "So gesehen wurden wir eigentlich verkuppelt", stellen die Beiden in der kleinen Runde fest.

Ihre Diamantene Hochzeit feierten Hans und Brigitte Wöllmann am Donnerstag im Haus Georg Stilke in Genthin, wo sie im sechsten Stock in einer eigenen Wohnung leben.

Mit dabei an der festlich gedeckten Tafel: Hausleiterin Britta Möbes, Pflegedienstleiterin Antje Müller, die Bauamtsleiterin der Stadt Genthin, Dagmar Turian, Altbürgermeister Wolfgang Bernicke und Tochter Marion Döblin, die aus Berlin angereist war. "Mit der Familie feiern wir dann auch nochmal, heute wird mit der "Tischfamilie" gemeinsam gegessen", so Brigitte Wöllmann. Damit meint sie befreundete Bewohner der Einrichtung, mit denen es auch sonst gemeinsam zu Tisch geht.

Ein betrunkener Hase läuft um die Festtafel

Unterhalten wurden die Gäste vom Gastgeber Hans Wöllmann höchst selbst, der eindrucksvoll die russische Fabel "Der Hase im Rausch" in der deutschen Fassung von Eberhard Esche vortrug. Dabei konnten sich die Gäste von den humorvollen schauspielerischen Fähigkeiten des Bräutigams überzeugen, der einen betrunkenen Hasen täuschend echt imitierte. "Normalerweise mache ich das erst, wenn ich vorher schon einen getrunken habe", sagt der Bräutigam und zwinkert seinem Publikum zu.

"Ich hatte ein schönes Zuhause, auch wenn mein Vater beruflich viel unterwegs war", erzählte Tochter Marion Döblin. Stolz ist das diamantene Paar auf ihr erstes Urenkelkind, das im April geboren wurde. Ein Porträt des Mädchens liegt auf der Festtagstafel.

"Wir kennen uns schon seit 1976", erzählt Altbürgermeister Wolfgang Bernicke, der zur kleinen Runde dazustößt. Für seinen Vorgesetzten zu DDR-Zeiten hatte er einen elf Jahre alten Wein als Präsent im Gepäck. Der machte sich gut auf dem mit Blumen geschmückten Gabentisch. Auch ein großer Strauß Levkojen ist dabei. "Ein kleinerer davon war mein Brautstrauß zur grünen Hochzeit", sagt die Gastgeberin.

Gemeinsame Reisen und Kegeln verbindet

Gerne sind die Eheleute miteinander verreist. "Nach der Wende waren wir viel mit dem Reisebus unterwegs", sagt der Bräutigam. Auch in der Therme von Bad Wilsnack, wo sie gut entspannen konnten. Ihren ersten gemeinsamen Urlaub verbrachten sie aber 1960 in der Sowjetunion.

Nicht nur reisen, sondern auch Kegeln war jahrelang ein gemeinsames Hobby. Einmal im Jahr sind sie gegen eine Burger Kegelgemeinschaft angetreten. "Da haben wir mal mit einem Kegel Vorsprung gewonnen", so die diamantene Braut. Kegeln gehen sie inzwischen nicht mehr. Dafür genießen sie ihre gemeinsame Zeit im Haus Georg Stilke, wo sie ihre Privatsphäre haben, aber auch Hilfe bekommen, wenn sie gebraucht wird.

Ein Rezept für 60 Jahre Ehe hat der Gastgeber nicht parat. "Vorher gut gucken, ob es auch passt", sagt er und muss schmunzeln.