Der zweite Bürgerpreis der Stadt Genthin geht an Heinrich Neumann (*91) aus Tucheim. Die Medaille nahmen seine Frau Hannelore Neumann und sein Enkel Udo Krause am Mittwoch entgegen.

Genthin l Jedes Jahr zu Ostern bekamen die Verwandten, Freunde und Bekannten Karten. Heinrich Neumann schrieb sie selber. Auch ins Haus Neumann sind dann die Karten geflattert. Von Bekannten, Verwandten und Freunden. Sehr zur Freude von Heinrich Neumann.

In diesem Jahr blieben sie nun aus. Heinrich Neumann konnte wegen einer Erkrankung keine Karten verfassen. "Jetzt habe ich keine geschrieben, nun bekommen wir auch keine mehr", hat er da zu seiner Frau Hannelore gesagt. "Nun haben die Leute uns vergessen."

Von Vergessen kann keine Rede sein. Heute, knapp zwei Monate nach dem Tod ihres Mannes, sitzt Hannelore Neumann im Büro des Genthiner Bürgermeisters. In der Hand hält sie die Medaille, die eigentlich ihr Mann entgegennehmen sollte. Es ist die Medaille, mit denen die Träger des Bürgerpreises ausgezeichnet werden. Zum zweiten Mal vergab der Genthiner Stadtrat in diesem Jahr den Preis. Am 20 März stand fest: 2014 geht die Ehrung an Neumann. Gleich drei Mal sei Neumann vorgeschlagen worden, sagte Tucheims Ortsbürgermeister Karl-Heinz Steinel. Die Entscheidung für ihn sei einstimmig ausgefallen.

"Dass er ihn bekommt, hat ihn wahnsinnig gefreut", erzählt seine Frau. Seine erste Frage sei aber gewesen: "Warum denn gerade ich?"

Genthins Bürgermeister Thomas Barz begründet die Entscheidung: "Er engagierte sich wie kein anderer für die Tucheimer Volkssolidarität, machte sich um die Kulturarbeit in seinem Dorf verdient, organisierte unermüdlich Veranstaltungen."

Hannelore Neumann wischt sich unauffällig eine Träne aus den Augenwinkeln, während Barz mit seinen Ausführungen weiter macht. "Er kümmerte sich um die rund 50 Mitglieder seiner Ortsgruppe und darüber hinaus um alle älteren Bürger in Tucheim und Umgebung."

Das sei ihm wichtig gewesen, sagt seine Frau. "Die einzubeziehen, die nicht raus können." Darum sind Krankenbesuche ein wichtiger Teil der Arbeit der Tucheimer Volkssolidarität.

Heinrich Neumann selbst ging gern auf große Fahrt, selbst mit 90 Jahren ließ er es sich nicht nehmen, seinen Enkel mit dem Auto zum Flughafen zu bringen. Aber auch die, denen die große Fahrt nicht mehr möglich war, hatte er im Sinn. Darum organisierte er wieder und wieder den monatlichen Kaffeenachmittag der Volkssolidarität. "Sich treffen, ein paar Worte loswerden, erfahren, was im Dorf los ist. Das wollte er allen Tucheimern ermöglichen", sagt Hannelore Neumann.

Ihr Mann hinterlässt eine große Lücke in seinem Dorf. Hannelore Neumann will versuchen, sie, so gut es geht, zu schließen. "Erhol dich. Und dann mach es doch weiter", hat ihr Mann kurz vor seinem Tod zu ihr gesagt.

Genau das hat Hannelore Neumann vor, sie wird die Leitung der Tucheimer Volkssolidarität übernehmen. Und damit das Andenken ihres Mannes erhalten.

Heinrich Neumann hat zwar in diesem Jahr keine Osterkarten geschrieben, vergessen werden ihn die Menschen dennoch nicht.

Auch der Bürgerpreis der Stadt Genthin dürfte daran einen Anteil haben. Alle Preisträger werden auf einer Tafel verewigt, die im Büro von Bürgermeister Thomas Barz hängt. Unter Otto Schulze, der den Preis 2013 für seine Arbeit als Historiker in Genthin bekam, steht nun auch der Name Heinrich Neumanns. Nicht nur für seine Familie bleibt er so unvergessen.

 

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