Acht Mitglieder waren als Vertreter der Stadt Jerichow für den Unterhaltungsverband Stremme-Fiener-Bruch vorgesehen. So viele wie entsandt werden sollten. Auch Stadtrat Christian Kunz (Die Linke) wollte zu den Jerichower Vertretern gehören. Aus diesem Grund musste überraschend gewählt werden.

Jerichow l Acht Personen schlug Bürgermeister Harald Bothe dem Jerichower Stadtrat am Dienstag vor.

Der Rat sollte beim Tagesordnungspunkt zur Bestimmung der Ausschuss- und Personalmitglieder des Unterhaltungsverbands Stremme-Fiener-Bruch einfach zustimmen. Neumitglied Christian Kunz (Die Linke) wollte jedoch, dass über die Aufgaben des Unterhaltungsverbands noch mal gesprochen wird.

"Die Unterhaltungsverbände sind auch zuständig für die Renaturalisierung der Gewässer", erklärte der Wasserwirtschaftler und Ingenieur-Ökologe. Viele der Personen auf der Liste seien Landwirte. "Das ist auch so gewollt", erwiderte Bothe. Die Bauern seien es, die Gräben der Region am besten kennen. Die Unterhaltung der Gräben ist auch für den Hochwasserschutz wichtig", erklärte der Bürgermeister. Christian Kunz wies darauf hin, dass der Unterhaltungsverband auch Fördermittel laut EU-Wasserrahmenrichtlinie beantragen könne. "Die Landwirte kennen ja vielleicht gar nicht die Fördermöglichkeiten, um ökologische Maßnahmen in der Region voranzutreiben", erläuterte er auf Nachfrage der Räte. Der 36-Jährige schlug sich selbst als Kandidat für die Liste der Vertreter im Unterhaltungsverband vor. "Dann haben wir ja neun Anwärter und müssen abstimmen", stellte Bothe fest. Der Wunsch nach einer geheimen Wahl brachte die Ratsvorsitzenden noch mehr aus dem Konzept. "Wir haben keine Stimmzettel vorbereitet", erklärte der Bürgermeister. Schnell wurde eine geheime Wahl organisiert und durchgeführt. Die Auszählung der Stimmzettel überraschte Christian Kunz dann doch: "Dass ich gewählt werde, hätte ich nicht mehr geglaubt", sagte er nach der Wahl. "Ich möchte darauf drängen, dass an den Fließgewässern mehr für die Renaturalisierung getan wird", erklärte er auf Volksstimme-Nachfrage. Harald Bothe reagierte auf Volksstimme-Nachfrage etwas verständnislos auf den Wunsch von Christian Kunz. "Er hätte sich ja im Vorfeld entsenden lassen können und nicht den Bauern die Plätze wegnehmen müssen." Der Hochwasserschutz sei ein ureigenes Interesse der Bauern. Die Unterhaltung der Gräben funktioniere.

Christian Kunz erklärte auf Volksstimme-Nachfrage, dass er nicht wusste, dass er sich hätte von seinem Arbeitgeber, dem BUND, hätte entsenden lassen können. "Die Landwirte sind wichtig" betonte Kunz. "Ein anderer Blick von einem Ausschussmitglied auf die Gewässer kann der Region aber nur gut tun", meint der Ökologe.