Auch die Bäume entlang der Werderstraße werden dem grundhaften Ausbau der Bundesstraße 1 weichen. Dafür wird es Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen geben. Ein einstimmiger Beschluss des Bau- und Vergabeausschusses machte dafür den Weg frei.

Genthin l "Wir jammern schon über viele Jahre, dass Genthin über keine vernünftigen Rad- und Fußwege verfügt. Jetzt erhalten wir die Möglichkeit, sie mit dem Ausbau der B 1 zu erhalten, mit dem Ergebnis, dass wir über den Erhalt der Bäume diskutieren und das ganze Vorhaben wieder infrage stellen", resümierte Stadtrat Horst Leiste (SPD) leicht verärgert auf der jüngsten Sitzung des Bau- und Vergabeausschusses. Zur Vorgeschichte. Nach der Baumfällaktion entlang der Berliner Chaussee, die zum Teil auf heftigen Widerstand bei der Bevölkerung gestoßen war, hatte die Verwaltung zu prüfen, ob weitere Fällungen entlang der Werderstraße möglicherweise vermeidbar sind.

Prüfung ergab: Die Bäume sind nicht zu erhalten

Die Ergebnisse dieser Prüfung wurden nun dem Fachausschuss vorgelegt.

Es seien gemeinsam mit dem Planungsbüro und dem Straßenbaulastträger erneut die technischen Möglichkeiten zum Baumerhalt geprüft worden, führte Fachbereichsleiterin Dagmar Turian aus. Das Ergebnis fiel jedoch ernüchternd aus: Es sei nicht möglich, arbeitete Turian das Fazit der erneuten fachlichen Untersuchungen heraus, regelkonform Geh-/Radwege und Stellflächen zu bauen und gleichzeitig Bäume zu erhalten. Die erneute Überprüfung habe auch ergeben, dass selbst dort, wo ein Baumstandort nicht in das Baugeschehen unmittelbar integriert ist, die vorgeschriebenen Abstandsflächen zu den baulichen Anlagen und Leitungen nicht einzuhalten sei. Denn damit sei die Standsicherheit der Bäume gefährdet. Auch eine Verschwenkung der Fahrbahntrasse in westlicher und östlicher Richtung, um so neue Grünflächen für Baumpflanzungen zu gewinnen, verwerfen die Fachleute.

Dagegen sprechen etliche Argumente. Vor allem die Leitungen verschiedener Träger der öffentlichen Belange - Strom, Wasser, Gas - führen die Fachleute dafür als ein Haupthindernis an. Die Planer seien zu dem Schluss gekommen, dass sich bei einer Trassenverschwenkung ohnehin nur in äußerst begrenztem Maße Freiflächen ergeben würden, die keine ordnungsgemäße Pflanzung von Bäumen zulassen.

Fachbereichsleiterin Dagmar Turian trug die Bedenken der Planer vor, dass die Verlagerung der Straße die Positionen der Abwasserschächte ebenfalls verändert werden und somit von einem ständigen Überfahren der Schachtdeckel auszugehen sei. Dies könne zu einer erhöhten Lärmbelästigung der Anwohner führen.

Mit einer Achsverschiebung, konfrontierten die Fachleute alternativlos den Ausschuss, könne kein durchgängiger Raum für die Neuanlage von Pflanzflächen für Bäume geschaffen werden. Bis auf Günter Sander (Bündnis 90 /Die Grünen), der nochmals hinterfragte, warum Baumpflanzungen an den straßenbegleitenden Stellflächen nicht möglich sind, folgte der Ausschuss den Vorstellungen der Verwaltung, wonach ein Baumfällaktion entlang der Werderstraße unvermeidbar sein wird.

Birgit Vasen (Die Linke) brachte eine kommunale Fläche an der Scholl-Straße ins Gespräch, auf der beispielsweise Bäume gepflanzt werden können. Gerd Mangelsdorf (CDU) mahnte in diesem Zusammenhang eine Überarbeitung der Prioritätenliste der Ersatzpflanzungen an. An der Werderstraße sollen insgesamt 26 Bäume gefällt werden, der Zeitpunkt steht allerdings noch nicht fest, denn ein Fällantrag sei noch nicht gestellt worden. Es ist beabsichtigt, mit dem zweiten Bauabschnitt in der Werderstraße im Jahr 2015 zu beginnen.