Das Kreismuseum Jerichower Land ist seit wenigen Tagen neue Heimstatt für 18 Marionetten der Marionettenbühne Wust/Wulkow. Einst faszinierten sie viele große und kleine Besucher von Märchenaufführungen in der Kirche Briest.

Genthin/Wulkow l Verdienter Ruhestand für die handwerklichen Vorzeigestücke aus der Werkstatt von Hannelore Stephan aus Großwulkow. Fachmännisch verstaut in Koffern und in weiße Leinen-Mäntelchen eingehüllt haben sie den Transport von Briest nach Genthin ohne Schaden zu nehmen überstanden.

Nach unzähligen Aufführungen kommt auf die Marionetten aus den Märchen "Der Fischer und seine Frau" und "Das fliegende Schiff" nun ein Rollenwechsel zu. Zunächst werden sie inventarisiert und dann in einem eigens freigeräumten Schrank ihren Platz finden. "Dort warten sie auf ihren Einsatz bei Sonderausstellungen", freut sich Museumsleiterin Antonia Beran über die neuen Schmückstücke im Museumsbestand. Es handele sich bei ihnen um wertvolle Exponate der jüngeren Kulturgeschichte, darunter auch aus der DDR-Zeit, macht Antonia Beran die Wertigkeit der Marionetten kar.

Mit dem Wegzug des Ehepaarers Karlheinz Stephan, Pfarrer i. R., und seiner Ehefrau Hannelore aus Großwulkow stellte sich auch die Frage nach dem Verbleib dieser Marionetten. Da sich gegenwärtig auch die Marionettenbühne nach dem Ausscheiden einiger langjähriger Spieler neu aufstellen müsse, habe sich die Frage nach der Zukunft der sehr pflegeintensiven Marionetten gestellt, sagt Pfarrer i. R. Karlheinz Stephan. Diesen Anspruch erfülle eine museale Einrichtung am besten, erklärt Pfarrer i. R. Karlheinz Stephan, der als Regisseur der Märchenbühne die Geschicke des Ensembles über 30 Jahre in den Händen hatte. "Wir haben sehr lange überlegt, doch wir denken, mit der Schenkung an das Genthiner Museum die richtige Entscheidung getroffen zu haben."

Zunächst sei ein Museum in Magdeburg im Gespräch gewesen, dann eins in Dresden. Doch dann fiel die Wahl auf Genthin, wo alles angefangen habe.

Hannelore Stephan beabsichtigt, noch zehn weitere Marionetten, die sie der Marionettenbühne ausgeliehen hat, zu einem späteren Zeitpunkt dem Museum zu übergeben.

Mit den Marionetten erhielt das Museum auch einen Abriss der mehr als 30-jährigen Geschichte der Marionettenbühne.

Die Anfänge der Marionettenbühne reichen bis in das Jahr 1981 zurück, als Konfirmanden das erste Stück "Lösche das Feuer, solange es glimmt", frei nach Leo Tolstoi in der Wuster Kirche mit großem Erfolg aufführten. Bereits im Vorjahr war Hannelore Stephan vom Kreiskabinett für Kulturarbeit in Genthin mit dem Förderpreis für Puppengestaltung ausgezeichnet worden. Sie war es auch, die die Konfirmanden beim Bau der Marionetten unterstütze. Nach dem Erfolg dieser Aufführung blieben die Puppenspieler zusammen, es folgte dann die Inszeninierung der "Schönen Wassilissa".

Von dem jungenPuppenspieler-Ensemble, das inzwischen in der Briester Kirche ihr Domizil bezogen hatte, nahm auch der Rat des Kreises Genthin Kenntnis und fragte an, ob die Marionettenbühne "Märchenvogel" auch in Kindergärten auftreten könne. Aus den jungen Puppenspielern wurde ein sozialistisches Volkskunstkollektiv, das mehrfach ausgezeichnet wurde und durch die ganze DDR tourte.

"Märchenvogel" überlebte auch die Wende, Neuinszenierungen folgten. Öffentliche Vorstellungen gab es in den vergangenen Jahren zu Ostern und am ersten Advent, ansonsten kamen angemeldete Gruppen aus dem ganzen Land nach Briest, um etwa ein Märchenspiel oder eine -präsentation zu erleben und anschließend bei einer gemütlichen Kafeerunde beieinander zu sitzen.

Gleichwohl stießen etliche Ensemblemitglieder nach und nach an ihre zeitlichen Möglichkeiten, so dass im vergangenen Jahr insbesondere langjährige Spieler einen Schlussstrich zogen und aus dem Ensemble austraten. Neue Mitglieder seien aber in Sicht.

Die Erlöse des Marionettenaufführungen kamen stets dem Erhalt der sechs romanischen Kirchen des Kirchspiels Wulkow/Wust zugute.