Ein Teppich webt sich aus Musik und Sprache, eingeflochten in die wunderbare Atmosphäre der Klosterkirche. Gedanken gehen auf Reisen, schwärmen ungehindert aus in alle Richtungen. "Sehnsucht" hat viele Gesichter. Um sie geht es bei der 2. Jerichower Klosternacht.

Jerichow l Am morgigen Sonnabend um 19.30 Uhr beginnt diese außergewöhnliche Veranstaltung und wird etwa drei Stunden dauern. Vor einem Jahr hatte die "Klosternacht" Premiere - mit großem Erfolg. Ob man bei solchen Ereignissen, die für sich einzigartig sind, von einer Steigerung reden kann, ist fraglich. Sicher ist, dass bei noch mehr Menschen Begeisterung geweckt wurde für dieses ungewöhnliche Projekt.

Zu denen zählt der namhafte Wittenberger Publizist und Theologe Friedrich Schorlemmer. Er wird mitwirken an diesem Abend, ist mit Begeisterung eingetaucht in dieses Projekt, hat Texte von Goethe, Schiller und Eichendorff bis hin zu Rilke, Bonhoeffer und Sölle mit eigenen Gedanken verflochten. "Es ist unglaublich. Es ist ein richtiges Werk entstanden!" schwärmt Helge Burggrabe, der Komponist, Musiker und Seminarleiter aus Fischerhude bei Bremen, der sich Jerichow eng verbunden fühlt und seit 2012 Mitglied der hiesigen Kirchengemeinde ist. Mit Schorlemmer hatten er und Pfarrer Christof Enders sich im Vorfeld persönlich getroffen. "Er freut sich sehr auf diesen Abend", weiß Burggrabe, und auch er sei der Meinung: Das muss weitergehen, denn es ist zu kostbar für nur einen Abend.

Drei Teile werde es geben, kündigt Burggrabe an. Im 1. und 3. Teil im Raum der Klosterkirche werde das Thema des Abends - "Nur wer die Sehnsucht kennt" - in alle Richtungen ausgelotet. Um unerfüllte Sehnsucht gehe es und um erfüllte, die dann vielleicht doch nicht die erwartete Zufriedenheit bringt sondern Melancholie. Viele Facetten habe das Thema, und viele bedeutende Schriftsteller haben sich schon damit beschäftigt. Es gehe aber auch um die Sehnsucht in extremen Situationen, aus dem Gefängnis heraus zum Beispiel. Rosa Luxemburg wird hier zitiert und Dietrich Bonhoeffer. Es geht auch um die Sehnsucht, nach Hause zu kommen, und viele andere Aspekte.

Dieser Hauptstrang werde verflochten mit Musik. Neben Helge Burggrabe (Flöte) ist hier auch Christof Fankhauser dabei, der Pianist aus Huttwil/Schweiz, mit dem Burggrabe viele Jahre zusammengearbeitet hat. Etwa 300 gemeinsame Konzerte und etliche CD-Produktionen verbindet die beiden.

Mit dabei sein wird weiterhin das preisgekrönte Hamburger Vokalensemble "Elbcanto", das 2006 von Studierenden der Musikhochschule Hamburg gegründet wurde, und die Gongspielerin Inka Oelmann aus Stendal.

Musik und Texte befruchten sich gegenseitig, beides gewinnt durch das Miteinander, wird auch atmosphärisch weitergeführt, lädt ein, die Seele baumeln zu lassen. Chormusik und Flöte und Klavier im Duo wechseln einander ab, Eigenkompositionen erklingen im Stil von Barock bis Tango. Verspielt, verträumt, dann wieder kraftvoll und lebendig oder meditativ werde die Musik sein, kündigt Helge Burggrabe an.

Zwischen dem 1. und 3. Teil werde es eine "Klosterwandelzeit" geben. "In dieser Zeit kann man eigene Wege gehen", sagt Helge Burggrabe und kündigt an: "Friedrich Schorlemmer und weitere Sprecher werden im Kapitelsaal weitermachen, in der Kirche wird der Chor singen, und im Innenhof gibt es ein begehbares Labyrinth, und es erklingt Musik mit Gongs von Inka Oelmann."

Karten zu 15/10 Euro gibt es noch an der Abendkasse oder können unter Telefon 039343/285 reserviert werden.