Festtagsstimmung und ein entsprechend üppiges Büffet gab es jetzt im Integrationstreff zum ukrainischen Tag. Als Teil der Interkulturellen Woche war zum osteuropäischen Nachmittag in die Einsteinstraße geladen.

Genthin l Es duftet süß und herzhaft zugleich. Zum ukrainischen Tag haben alle Besucher des Genthiner Integrations-treffs eine typische Mahlzeit vorbereitet. Viele Spezialitäten und Zutaten sind original ukrainisch und werden anlässlich der Veranstaltung gereicht. Als Expertin für die osteuropäischen Köstlichkeiten entpuppt sich Svetlana Schreiber, die Frau eines Spätaussiedlers.

"Mehl, Wodka, Eier ...", nennt sie die simplen Zutaten für ein knuspriges Fettgebäck, das, wie eine Bretzel gedreht, auf hungrige Gäste wartet. "Es war sehr lecker", findet Bürgermeister Thomas Barz, der für eine zünftige Mahlzeit an der langen Tafel in der Dreiraumwohnung, die als Treff dient, Platz genommen hat.

Wareniki und selbst genähtes Wyschywanka

Wareniki, Teigtaschen, hier gefüllt mit Kartoffeln oder Quark, gehören genauso zum kulinarischen Repertoire wie der Uswar, ein traditioneller, kalter Früchtetee.

Schreiber nutzt die Anlaufstelle gern, um in Kontakt mit anderen Spätaussiedlern zu bleiben. "Mein Sprache hat sich sehr verbessert. Ich erledige die Behördengänge jetzt allein", sagt sie. Einen deutschen Pass hat sie nicht. Nur eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung. Seit drei Jahren ist Cornelia Otto die Leiterin der Genthiner Begegnungsstätte für Kanalstädter mit Migrationshintergrund. Sie erzählt von den Vorbereitungen für diese Veranstaltung zur Interkulturellen Woche: "Ein Jahr lang haben wir diesen Nachmittag vorbereitet." An den typischen ukrainischen Trachten habe eine Besucherin sehr lange genäht. "Der Kopfschmuck ist normalerweise bei unverheirateten Frauen zu sehen", sagt Otto. Die aus Blumen geflochtenen Haarreifen passen zum typischen Wyschywanka, ein ukrainisches Stickmuster. Außerdem bereiteten etliche Frauen eine der traditionellen Speisen aus Osteuropa zu. So auch die typisch ukrainische Borschtsch, eine Suppe ähnlich einer Soljanka. Dann werden Lieder an diesem Nachmittag angestimmt.

Gelebte Integration durch Patenschaften

Zu Gast sind auch die Paten aus der Russisch-Klasse der Genthiner Sekundarschule "Am Baumschulenweg". "Das ist gelebte Integration", sagt Andreas Fehrecke vom Trägerverein Aufbruch über die Patenschaft zwischen Sekundarschule und Integrationstreff. "Die Sekundarschüler verbessern so ihr Russisch und helfen den Besucherinnen im Alltag. Auch außerhalb des Schulbetriebes."

Zwölf bis 14 Leute sind regelmäßig im Integrationstreff der Einsteinstraße zu Gast.

Dass sich hier mehrere Generationen treffen, um sich gegenseitig zu unterstützen, beweist auch Margret Beck. Die 82-jährige Genthinerin hat früher Russisch unterrichtet und später Deutsch als Fremdsprache. Im Integrationstreff kann sie die Spätaussiedler beim Deutschlernen unterstützen und gleichzeitig das Russisch aus ihrer Moskauer Zeit aktivieren. Dort lebte sie zehn Jahre lang.

"Ich bin immer begeistert, wie leichtfüßig und elegant die Ukrainerinnen tanzen", sagt Beck, die sich mit den Besucherinnen im Integrationstreff inzwischen stark verbunden fühlt. Singen, Tanzen, ausgiebiges Essen - und die Traditionen verschmelzen an diesem Nachmittag in der Einsteinstraße.