Um die Bedeutung von Momenten dreht sich die Lesung mit gleichnamigen Titel im Bürgerhaus Jerichow. Die Hobbyschreiber Jochen Gutte und Diana Enders erzählen von gelebten Augenblicken und dem Gefühl, andere Wege zu gehen.

Jerichow l Wenn man sich allein in der Gedankenwelt auf die Socken macht, könne man die ganze Welt bereisen und zum Mittag wieder da sein, sagte Hobbyschreiber Jochen Gutte. Damit stellt er jenen, die das Gefühl haben, alles auf der Welt sehen zu müssen, um möglichst viele Momente einzufangen, seine persönliche Art zu reisen vor.

Ein paar Augenblicke Zeit nahmen sich die gut zwei dutzend Teilnehmer der Lesung gern, um sich im Jerichower Bürgerhaus Gedanken über die Bedeutung von Momenten im Leben zu machen. Zu hören gab es humoristische Situationsstücke aus dem Alltag von Gutte und nachdenkliche Gedichte in malaysischer Form von Diana Enders.

"Diesmal war es besonders schön", sagte Ursula Fabian. Die 90-jährige Ur-Jerichowerin verpasst keine der Lesungen und war von der spannenden Vortragsweise Guttes ganz angetan. Seit etwa drei Jahren gestalten der Psychologe und die Angestellte des Jerichower Krankenhaus gemeinsam solche Themennachmittage mit eigenen schriftstellerischen Beiträgen.

Als besonders gelungen empfanden die Zuhörer die Momentaufnahmen aus Guttes Alltagsleben. So schilderte er, wie er sich mit seiner Frau über das Pro und Kontra des Einkaufengehens austauscht. In einem anderen Erzählstück setzte sich der Hobbyautor mit der Bedeutung des Wortes "beinah" auseinander: "Das Wort kann den Grenzbereich zwischen Wunsch und Realität bedeuten oder auch eine gerade noch abgewendete Gefahr beschreiben."

Viele Lacher gab es bei der Erzählung `Der stille Kunde`.Sie skizziert ihn bei einem Frisörbesuch während der Arbeitszeit, bei dem plötzlich sein Vorgesetzter im Geschäft auftaucht. "Meine Haare sind ja schließlich auch während der Dienstzeit gewachsen, also müssen sie auch während der Dienstzeit geschnitten werden" sagte Gutte, der seit 1996 in Jerichow lebt. "Bei diesem Frisör in der Jakobstraße in Magdeburg war ich früher auch" erzählte Wolf Matzdorff, der zwischen den Stücken für die musikalische Umrahmung auf dem Keyboard sorgte.

Lesepartnerin Diana Enders interpretiert das Thema `Momente` auf ihre Weise. Zwei Gedichte in malaysischer Form, zwölf Zeilen in einem bestimmten Rhythmus, schilderten wie sie die Flüchtigkeit von Momenten empfindet.

Bei einem anderen Werk der Hobbyschreiberin hat sie sich vom Gedicht "The road not taken" (Der nicht gegangene Weg) des amerikanischen Dichters Robert Lee Frost (* 1963) inspirieren lassen. "Manchmal gibt es festgefrorene Augenblicke, an denen man sich für einen Weg entscheiden muss", sagte die 39-Jährige. Im Kopf gehe sie aber oft auch die anderen Wege ab.

"Es hat mir gut gefallen", sagte Helga Jahn im Anschluss. In einigen der Alltagssituationen erkenne man sich durchaus selbst wieder, gab sie zu. "Vieles ist des Nachdenkens wert", fand Günther Richter, der noch einige Texte mehr von Gutte kennt.

Das Leben sei als eine riesige Reihe von Momenten zu sehen. Es sind gelebte Augenblicke, bei denen man die besonders wichtigen an den Fingern abzählen könne. Einfach mal einen Tag "verbummeln" ist aber durchaus auch mal drin, sagte Psychologe Gutte.

   

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