Genthin l Wenn der Genthiner Musik-Express in der St. Trinitatiskirche halt macht, sind zwei Dinge gewiss. Das Jahr neigt sich dem Ende und es bleibt kein Platz unbesetzt. So war es auch diesmal. In den Kirchenbänken saßen die Zuhörer dicht gedrängt. Wer dort keinen Platz mehr bekommen hatte, verfolgte das Konzert von der Empore aus. Dort über den Köpfen der Besucher erklangen auch die ersten Töne.

Fünf Ensemblemitglieder spielten ein feierliches "Es ist ein Ros entsprungen" und gaben damit ein wenig die Richtung des Nachmittages vor. Natürlich lag der Schwerpunkt des Repertoires auf den Weihnachtsliedern. Aber der Musik-Express hatte auch diesmal einige Überraschungen im Gepäck.

So zeigten die Musiker beim englischen Neujahrslied "Deck the halls", wie sich eine getragene Einstiegsmelodie zu einem schmissigen Swing wandeln kann.

Die Musiker zeigten sich auch bei diesem Konzert immer wieder sehr wandlungsfähig, präsentierten klassische Weihnachtslieder wie "Oh du fröhliche" in einem feierlich getragenen Gewand oder den Swing-Klassiker "In the mood" in einem festlichen Arrangement, das zu einem "In the Christmas Mood" wurde und in dem sich kleine weihnachtliche Anspielungen versteckten.

Da schaute Frosty der Schneemann für ein paar Takte vorbei und zwischendurch schälte sich ein "Let it snow" heraus. Eine hübsche Idee, die der musikalische Leiter Sven Schulenburg mit ruhigen Handbewegungen zu koordinieren wusste.

Überhaupt behielt er die Übersicht, auch wenn ganz selten mal ein Ton nicht saß. Im nächsten Augenblick hatte er seine Mannschaft wieder auf Kurs - und der lautete ein ums andere mal: Wohlklang. Besonders bei den fast in Vergessenheit geratenen "Träumereien" des Trompeters Jack Zill.

Wunderbar gelangen da die Übergänge und manchmal blitzte fast so etwas wie ein 70er-Jahre Happy-Sound auf, wenn die Musiker so richtig in Schwung geraten waren. Die Musik mit einem Augenzwinkern zu präsentieren, ist ohnehin ein Merkmal des Musik-Express.

Diesmal übernahm nicht wie sonst Hornist Andreas Jutzi die Moderation zwischen den Titeln, sondern Karl Giese und Lena Kinnemann teilten sich die Zwischentexte und hatten außer der Titelfolge und kleinen Versen auch einiges Wissenwertes im Gepäck. So erfuhren die Zuhörer, dass die Tradition der Weihnachtsmärkte auf mittelalterliche Verkaufsmessen zurückgehen, bei denen sich die Menschen mit Lebensmitteln und Kunsthandwerk eindeckten. Im 20. Jahrhundert bildete sich die Tradition der heutigen Weihnachtsmärkte heraus.

Auch in diesem Jahr hatte der Musik-Express neue Melodien im Gepäck. Pfiffig arrangiert präsentierte das Ensemble "Happy" von Pharrell Williams, das natürlich mit seinem bekannt fröhlichem Refrain punkten konnte. Besonders bei den jungen Besuchern.

Aus dem Konzert wurden die Besucher mit dem feierlichen "Halleluja" von Leonard Cohen und einem heiteren "Feliz Navidad" entlassen und nahmen die schwungvollen Melodien mit in die anstehenden Feiertage.

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