Der Carnevalsclub Waschmittelwerk (CCW) als kleine Vorgruppe für den Genthiner Carnevalsclub (GCC)? Die Zeiten sind vorbei. Bei seiner 44. Sitzung zeigten die CCW-Mitglieder am Sonnabend im Stadtkulturhaus ein Feuerwerk aus Bütt, Sketch, Tanz und Gesang, das der GCC-Delegation das Fürchten gelehrt haben dürfte.

Genthin l Tolle Tänzer und Sänger, vereinzelt aber etwas langatmig und dröge... Das musste der CCW-Karneval sich durchaus an manchen Tagen sagen lassen. "Schluss damit", scheinen die CCW-Mitglieder antworten zu wollen. Präsentierten sie bereits im vergangenen Jahr ein frisches, kurzweiliges Programm, so legten sie am Sonnabend noch eine Schippe drauf.

Der CCW hat 2015 so viel zu bieten, dass er es sich leisten kann, bereits am Anfang Höhepunkte zu präsentieren. Jonas Hahm und Jan Jeschinski, beide Schüler am Bismarck-Gymnasium, sind so ein Höhepunkt. In der "Bürgermeistersprechstunde" brilliert Jonas als Stadtchef. Jan steht ihm als Schüler in der Sprechstunde in nichts nach. Eine Kostprobe: Als der Bürgermeister den ersten Schüler in seiner Sprechstunde erblickt, sagt er: "Toll. Frau Müller rufen Sie die Volksstimme an, man muss ein Bild von uns machen."

Auch aktuelle Probleme kommen bei Jan und Jonas zur Sprache. "Unsere Chantalle muss nun bald zur Baumschule latschen, weil sie die Turnhalle schließen wollen", sagt Jan. Und Bürgermeister Jonas gibt zurück: "Sportliches Gehen ist gesund." Auf die Frage, wie er den einst verzankten Stadtrat so lammfromm bekommen hat, sagt der Stadtchef: "Ich bin doppelt so groß wie mein Vorgänger." Nur die Linken müssten noch lernen, dass er nur das Beste für die Stadt wolle. Der echte Bürgermeister, der trotz Erkältung und Urlaub im Publikum sitzt, zeigt auch innere Größe und kann über den Sketch herzhaft lachen. Auch noch als Jan sagt "Sie heben megamäßig ab" und "megapeinlich". Kein Wunder, schließlich bekommt er auch zu hören: "Unser Bürgermeister ist vom anderen Stern. Der hat Ideen". Und Jans Mutti findet gar "Er ist ein Prinz, der Genthin aus dem Dornröschenschlaf geweckt hat."

Nach der wohlverdienten Rakete (erst klatschen, dann stampfen, dann pfeifen) für die Kinderbütt, folgt nahtlos der nächste Höhepunkt. Lisa Wolf und Alfred Jansky steigen nach 50 Jahren auf der Bühne aus dem "Narrenzug". Natürlich mit einem letzten Lied. Bei Liedende gibt es viel Applaus und manche Träne. "Ihr wart schon da, als Angela noch in die Baumwollwindel machte", sagt Präsident Frank Zelmanski mit Blick auf Regisseurin Angela Engel. "Alfred, du hast mich laufen gelehrt", sagt die und überreicht Blumen. Nur nicht weinen, schließlich ist Karneval. Darum folgt auch die bewährte Kombination aus Bütt, Tanz und Gesang.

Der CCW kümmert sich in diesem Jahr auch um die lokale Politik. Und so muss sich Stadtrat Horst Leiste einiges anhören: "Mit 77 Jahren nochmal zur Wahl zu stehen. Kann ihm mal einer sagen, dass es Zeit ist zu geh`n", singt Christine Franz. Burgi Koch nimmt als Marktfrau Bezug auf die Diskussion um die Genthiner Sporthallen. "Ein Stadtrat nahm den Mund zu voll. Der Sportbund fand das nicht so toll." Auch Thomas Barz muss sich noch einiges anhören. Von Burgi Koch: "Sparen, das ist seine große Masche. Wenn das so weitergeht, Jahr für Jahr, kommen bald Radwege. Ist doch klar." Und von den CCW-Sängern: "Stadtkulturhaus. Das war einmal. Es wird ein großer Mehrzwecksaal."

Für die große Politik ist Christiane Schwarz zuständig, die die Grüße der Bundeskanzlerin überbringt: "Frau Merkel ist beglückt, dass hier das Volk zusammenrückt."

Auch musisch hat der Carnevalsclub einiges zu bieten. Die CCW-Sänger begeistern in Zwergenkostümen mit dem Gesang zu "Kriech nicht da rein" zu den Klängen von Udo Jürgens "Griechischer Wein". Zu diesem Lied dürfen die Männer auch ausmarschieren. Dafür sorgt wie bei jedem Programmpunkt das Genthiner Blasorchester mit Kapellmeister Klaus Deicke. Als Pianist überzeugt bei seiner Premiere Sebastian Hammer ebenso wie Otto Wernstedt am Bass.

Gelungen auch die Darbietung von Rita Wagner, die "Ihr habt den Radweg vergessen" zur Melodie von "Du hast den Farbfilm vergessen", singt. Als das Publikum nach Zugabe ruft, präsentiert sie "das Wandern ist des Müllers Lust". Falls der CCW es im nächsten Jahr noch besser machen möchte, könnte man an den Zugaben arbeiten. Die bestehen zum größten Teil daraus, dass die gezeigte Nummer erneut präsentiert wird. Zu Längen kommt es dennoch nicht, dafür sind die einzelnen Programmpunkte zu liebevoll zu einem großen Ganzen zusammengefügt. Ab und an lugt Regisseurin Angela Engel durch die Tür, um zu schauen, ob alles klappt.

Es klappt. Der Sketch von Dr. Axel Lorenz und Sebastian Kroll, die als Kardinal und Padre das Publikum zum Lachen bringen, genau so wie die Tänze. Der CCW verfügt über Tanz-Krümel, Tanz-Teenies und Tanz-Girls. Gemeinsam haben die Gruppen, dass die Choreografien sitzen.

Und auch durch Empathie punktet der Carnevalsclub Waschmittelwerk. So gehen Genesungswünsche an Jürgen Wagner, der wegen Krankheit zu Hause bleiben musste und seinen Orden nachgereicht bekommt, sowie an die "Konkurrenz" vom GCC. Dort ist Rita Bartz erkrankt. Die Kollegen vom CCW schicken die allerbesten Genesungswünsche.

Apropos GCC - deren Auftritte folgen am 14. und 21. Februar. Und eines steht fest: Die Messlatte liegt verdammt hoch.

Einen Nachschlag zum CCW-Fasching finden Sie morgen in der Volksstimme.

   

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