Die Wildtiere im Bucher Brack haben das Hochwasser überstanden. Die Welle ist abgeflossen. Doch Fragen bleiben offen. Zum Beispiel: Warum hat keine Behörde reagiert, wenn die Heckrinder und Konik-Pferde doch laut der Kritiker in einer Gefahr waren?

Klietznik. Alles sei eine Frage des Blickwinkels, sagte Dr. Peter Neuhäuser gestern im Volksstimme-Gespräch. "Die Fotos, die das Hochwasser aus der Luft im Bucher Brack abbilden, zeigen nur einen Teil der gesamten Situation." Tatsächlich sind auf den Bildern wenige Tiere zu sehen, die vom Wasser umzingelt sind, ohne Aussicht auf Rettung. "Doch was man nicht sieht, ist, dass der Großteil der Tiere auf trockenen Stellen ist, die unter den Bäumen liegen. Und die Rinder und Wildpferde sind exzellente Schwimmer." Peter Neuhäuser, Vorsitzender des Naturschutzbundes (Nabu) Buch steht seit einigen Tagen in der Kritik, das Wohlergehen von Heckrindern und Konik-Pferden (siehe Infokasten) während der Hochwasser-Situation in den vergangenen Tagen riskiert zu haben.

2008 begann der Nabu Buch mit der ganzjährigen Beweidung von damals jeweils fünf Wildrindern und -pferden. Inzwischen ist der Bestand angewachsen auf 20 Rinder beziehungsweise 30 Pferde. "Wir haben die Tiere bewusst ausgesucht, weil wir eine nachhaltige Beweidung in der Auenlandschaft erreichen wollen", so Neuhäuser. Der Vorwurf, der Nabu hätte die Tiere in den vergangenen Tagen sich selbst überlassen, will er nicht stehen lassen. "Wir sind mit dem Boot mehrmals täglich in das Naturschutzgebiet gefahren und haben den Zustand der Tiere dokumentiert." Zusätzlich habe es einen mit dem Wasser- und Schifffahrtsamt in Tangermünde abgestimmten Evakuierungsplan gegeben, der allerdings erst ab einem Pegelstand der Elbe von acht Metern unbedingt erforderlich geworden wäre. "Die Tiere haben bis dahin ausreichend trockene Plätze zum Ausruhen und Fressen rund um das abgerissene Hirtenhaus", sagt der Tierschützer.

Denen, die das in den vergangenen Tagen anzweifelten, hält der promovierte Zoologe entgegen: "Es gibt die obere Naturschutzbehörde beim Landesverwaltungsamt, den Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft, das Veterinäramt beim Landkreis und die Polizei, die uns Auflagen machen können, unsere Arbeit beurteilen und kontrollieren. Keine der Behörden hat sich bis gestern an uns gewandt und uns zum Handeln aufgefordert." Den Grund dafür sieht Neuhäuser darin, dass es keinen Handlungsbedarf gegeben habe.

Tatsächlich reagierte der Landkreis erst am Donnerstag, als eine Vor-Ort-Begehung mit Wasserschutzpolizei, Veterinäramt und Vertretern der Stadt Jerichow sowie des Landesbetriebs für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft stattfand. Dort stellten die Anwesenden fest: "Bei keinem der Pferde konnte eine beschleunigte Atmung und kein Nasenausfluss festgestellt werden, was den Schluss zulässt, dass keine pathologischen Veränderungen vorliegen. Die Augen waren klar und durchsichtig. Die Rinder konnten aus etwa 20 Metern begutachtet werden, bei Annäherung erfolgte die Flucht der Rinder. Aus dieser Entfernung konnte der Allgemeinzustand der Rinder als gut bezeichnet werden. Es waren keine Verletzungen sichtbar und auch der Futterzustand konnte als gut beurteilt werden", heißt es in einer schriftlichen Erklärung.

Die Volksstimme-Anfrage, warum erst am Donnerstag dieser Vor-Ort-Termin stattfand und der Nabu Buch nicht hinzugebeten worden war, wurde gestern nicht durch den Landkreis beantwortet. Vorwürfe des Jerichower Bürgermeisters Harald Bothe, dass die Wildtiere durch Stacheldrahtzäune abgeschnitten seien, hielt Neuhäuser entgegen, dass lediglich die Kernkoppel, die etwa 40 Hektar umfasst, entsprechend eingezäunt sei. Man habe sich dabei an alten Koppeln orientiert. "Die tradierten Pfade der Tiere sind allerdings nicht abgeschnitten. Und man darf nicht vergessen: Es sind Wildtiere, die für Besucher, die ihnen zu nahe kommen, auch zur Gefahr werden können."

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