Die Intensivmedizin zieht inklusive Operationssaal in das chirurgische Bettenhaus um. Patienten im Genthiner Johanniter-Krankenhaus müssen voraussichtlich ab Sommer nicht mehr über den Hof transportiert werden. Das teilte das Johanniter-Krankenhaus gestern auf einer Pressekonferenz mit.

Genthin. Die Patientenzahlen im Genthiner Krankenhaus steigen trotz rückläufiger Bevölkerungszahl. Wurden 2007 insgesamt 3628 Frauen und Männer behandelt, sind es im vergangenen Jahr schon 3829 gewesen.

Im Gegenzug sinkt jedoch die Verweildauer. Diese reduzierte sich in den vier Jahren von 8,24 kontinuierlich auf 7,2 Tage. Unter dem Strich benötigt das Krankenhaus weniger Betten.

"Wir brauchen eine interdisziplinäre Versorgung der Patienten", sagte Prof. Dr. Ulrich Nellessen. Das heißt, es werden Pflegebereiche zusammengelegt. Das Haus verspricht sich davon eine Verbesserung der "patientenorientierten Pflege". Die neue Struktur wird zum 1. April realisiert. Eigentlich wäre sie aus Sicht der Einrichtung kaum eine Notiz für die Öffentlichkeit wert gewesen, wenn das Krankenhaus nicht das Gefühl hätte, Spekulationen um die Zukunft des Genthiner Standortes vorbeugen zu müssen.

"Zurzeit ist der Standort gesichert", sagte Dr. Martin Windmann. Was in ein oder zwei Jahren sei, könne noch niemand sagen. Dr. Windmann ist seit dem 1. Januar Geschäftsführer des Johanniter-Krankenhauses Genthin-Stendal.

Als Beispiel nannte er die Orthopädie in Genthin. Vor zehn Jahren sei nicht abzusehen gewesen, dass einmal jährlich zwischen 150 und 200 künstliche Gelenke eingesetzt werden.

Personalabbau im Zuge der neuen Strukturen im Pflegebereich ist nicht vorgesehen. Die Kollegen, die in Genthin nicht mehr eingesetzt werden, können in Stendal arbeiten. Das betrifft etwa sechs Leute. Der Wechsel soll möglichst über Freiwillige realisiert werden, die sich gern beruflich verändern möchten oder so oder so näher an Stendal als an Genthin heran wohnen.

"Das ist sehr positiv aufgenommen worden", sagte Marina Klatt, Stationsleitung Innere Abteilung.

Gleich Martin Windmanns erster Eindruck in Genthin war die Trage gewesen, mit der ein Patient bei Eis und Schnee über den Hof gefahren werden musste. "Mit dem Umzug wird getan, was schon lange hätte getan werden müssen."

Zurzeit laufen die Planungen für den Umzug der Intensivmedizin in das chirurgische Bettenhaus. Vor allem der Einbau des OP ist nicht ohne. Schließlich müsse die Versorgung mit Gasen und Strom mehrfach abgesichert sein, wiesen die ärztlichen Kollegen von Dr. Windmann auf der Pressekonferenz hin. Voraussichtlich zum Sommer soll der Umzug realisiert werden. Die Patienten sollen davon im laufenden Betrieb nichts mitbekommen.

Die Zusammenlegung der Intensivmedizin und des chirurgischen Bettenhauses wird auch von den Ärzten begrüßt. Die kürzeren Transportwege ihrer Patienten bedeuten auch für sie eine Entlastung.

126 Betten hält das Johanniter-Krankenhaus derzeit in Genthin vor. Über die Bettenzahl definiere man sich heutzutage aber nicht mehr. Die Fallzahlen seien jetzt bestimmend, merkte Prof. Dr. Ulrich Nellessen an.

Das Einzugsgebiet des Genthiner Krankenhauses reicht über das Jerichower Land hinaus. Vor allem auch Patienten aus dem nahen Brandenburg werden in der Kanalstadt behandelt. Je größer die Spezialisierung, desto umfangreicher ist das Einzugsgebiet.