Freiluft-Aula, verschwundene Eingangstreppe, aufgestemmte Fußböden, weggerissene Zwischenwände, "Kabelsalat" ohne Ende und ringsum Fahrzeuge der verschiedensten Firmen und Container voller Bauschutt: Eine Großbaustelle wie diese in Regie der Gemeinde wird es in Elbe-Parey sobald nicht wieder geben. Die Sanie- rungsarbeiten im Grundschulzentrum Güsen sind in vollem Gange.

Güsen. In den Pausen herrscht direkt neben dieser Großbaustelle fröhliches Treiben, denn die Grundschulkinder nutzen weiterhin den Schulhof, während sie seit den Winterferien im alten Kindergarten Unterricht haben. So können sie verfolgen, wie ihre Schule sich Stück für Stück verändert. "Künftig wird es für die Kinder nicht mehr ein Schritt zurück sein, wenn sie aus dem neuen Kindergarten in die Schule wechseln", freut sich Bürgermeisterin Jutta Mannewitz auf die Fertigstellung dieses Großprojekts und betont, dass dies ein Projekt sei, das alle sieben Ortsteile der Einheitsgemeinde betrifft, auch wenn es in Güsen angesiedelt ist.

Insgesamt 1,6 Millionen Euro umfasst das Projekt, das mit Schulbaumitteln gefördert wird. 1,35 Millionen Euro davon sind Fördermittel. Zusätzlich fließen aus Mitteln der Schulinfrastrukturpauschale 86 900 Euro in das Objekt, dazu gut 136 000 Euro aus der kommunalen Investitionspauschale - beides Mittel aus dem Konjunkturpaket II. Hier belaufen sich die Gesamtkosten auf 255 000 Euro, wobei die Kommune 12,5 Prozent Eigenanteil trägt, erläuterte Petra Kunz vom Bauamt.

"Sie müssen sich hier eine Linie vorstellen", sagt Planer Rainer Linnecke und zeigt auf die Stelle, wo die Aula an den restlichen Teil des Schulgebäudes grenzt. Diese gedachte Linie trennt die beiden Projekte: In die Aula fließen Mittel aus dem Konjunkturprogramm, in den Rest des Gebäudes Mittel der Schulbauförderung.

Für Planer Rainer Linnecke ist es im Grund egal, woher welches Geld kommt. Er hat sich um die Gesamtmaßnahme zu kümmern und ist dabei als bodenständiger Güsener, der die Schule noch aus ihrer Bauzeit kennt, weit mehr als im Vertrag steht, betont Jutta Mannewitz. An der Seite hat er für bestimmte Gewerke noch Fachplaner und darüber hinaus die Aufsicht über 15 verschiedene Gewerke, von denen im Moment viele gleichzeitig im Gange sind.

Bis alle Gewerke beauftragt waren, hatten sich der Planer und die Mitarbeiter des Bauamts durch einen riesigen Papierstapel arbeiten müssen. Denn es gab pro Gewerk bis zu 27 Abforderungen, sagt Petra Kunz. Entsprechend viele Angebote waren durchzuarbeiten, die sich in ihrer Höhe zum Teil erheblich unterschieden haben. "Es war Stress, aber die Ausschreibung erfolgte genau zur richtigen Zeit", findet Petra Kunz. Denn die große Resonanz bedeutet, dass um diese Jahreszeit viele Fimen Aufträge suchen und entsprechend günstige Angebote unterbreiten. Gut für die Gemeinde - aber noch kein Indiz dafür, dass es am Ende billiger wird. Denn wie bei nahezu allen großen Sanierungsvorhaben zeigt sich auch hier mitunter erst bei der Arbeit, wie die Situation tatsächlich ist. Das heißt, das hier und da noch einiges zusätzlich in Angriff genommen werden muss.

Zusammen mit Planer Reiner Linnecke besichtigten Bürgermeisterin Jutta Mannewitz und Petra Kunz gestern die Baustelle, um zu sehen, wie der Stand der Arbeiten ist. Die Fenster für die Räume im Kellergeschoss sind bereits erneuert, und ringsum erfolgt derzeit die Dämmung des Kellers. Die Außentreppe zur Schulgartenseite ist weggerissen - sie wird samt Eingangsbereich erneuert. Komplett erneuert werden auch Heizung, Elektrik, Wasser- und Abwasserinstallation. Jede Menge neuer Kabelstränge sind bereits gezogen, und Fußböden wurden aufgestemmt, um neue Leitungen zu verlegen. In allen Fluren werden die Decken abgehängt, im Obergeschoss sogar in allen Räumen. In den komplett entkernten Toiletten sind die Tragkonstruktionen für Sanitärobjekte und Zwischenwände teilweise schon eingebaut.

Alles herausgerissen wurde in der alten Hausmeisterwohnung. Hier entsteht eine Schülerküche - nicht zu verwechseln mit der eigentlichen Schulküche im Keller. Denn hier werden sich die Schüler selbst "austoben" können.

In der Aula herrscht zur Zeit Durchzug: Die großen Fenster sind komplett verschwunden. In der Decke werden noch alte Lüftungsschächte entfernt. Seit acht bis neun Wochen sind Mitarbeiter einer Entkernungsfirma aus Elsnigk (Anhalt-Bitterfeld) hier im Gange, etwa 14 Tage werden sie noch brauchen, dann kann wieder aufgebaut werden. Bis fast ganz zum Fußboden werden die neuen Fenster reichen. Schulhofseitig soll später außen eine Sonnenschutzanlage angebaut werden.

Neben etlichen auswärtigen Firmen seien auch etliche aus der Region dabei, ist Jutta Mannewitz froh darüber, dass das hier ganz gut geklappt hat. Der Bauzeitenplan steht jetzt bis Oktober, sagt Petra Kunz, aber sie schätzt, dass es noch bis Jahresende dauern wird, bis alles fertig ist. Undenkbar, das alles bei laufendem Schulbetrieb zu tun.

 

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