Am Limit arbeiten die Tierschützer in Halberstadt. Und das von der ersten Stunde an, als sie vor zehn Jahren den Freundeskreis der Fundtierunterkunft in Halberstadt aus der Taufe gehoben haben. Ihr Ziel: für herrenlose Hunde und Katzen ein neues Zuhause finden.

Halberstadt l Trotz aller Probleme und Sorgen, unterm Strich haben die Tierschützer von 2003 bis heute 800 Katzen und 432 Hunde in Halberstadt erfolgreich in ein neues Zuhause vermitteln können. Allein 2013 waren es 27 Hunde und 121 Katzen. Die Arbeit reißt jedoch nicht ab. Derzeit warten sechs Hunde und 40 Samtpfoten auf Menschen, die ein Herz für Tiere haben.

"Leicht war und ist die Arbeit nicht, und das Geld für Futter und Tierarztkosten war und ist knapp", weiß die Vorsitzende des Tierschutzvereins Halberstadt, Waltraud Hammer. Sie gehört neben Karin Hager und Frauke Becker zu den Gründungsmitgliedern des Freundeskreises, die heute noch aktiv ehrenamtlich mitarbeiten. Der Freundeskreis selbst "ruht" mittlerweile. Er hatte zehn Mitglieder und ist im Tierschutzverein aufgegangen. "Sollten wir ihn für Sonderaufgaben brauchen, wird er wieder aktiviert. Zum Beispiel für den Fall, unseren größten Wunsch, ein Tierheim für Halberstadt zu gründen, in die Tat umzusetzen. Doch das ist derzeit noch ein weites Feld", bedauert Waltraud Hammer.

"Leicht war und ist die Arbeit nicht, und das Geld für Futter und Tierarztkosten war und ist knapp."

Waltraud Hammer vom Tierschutzverein Halberstadt

Die Tierfreunde haben alle Hände voll damit zu tun, die Fundtierunterkunft in den Spiegelsbergen zu unterhalten. Im Hundehaus arbeiten derzeit zwei Angestellte der Stadt und zwei sogenannte Gassigänger über das Europäische Bildungswerk. Außerdem helfen zahlreiche ehrenamtliche Tierfreunde, die seit Jahren die Vierbeiner ausführen.

Die Betriebsbereitschaft im Katzenhaus und die Öffnungszeiten garantieren motivierte Bundesfreiwillige, die sich auch um die artgerechte Betreuung und Versorgung der Katzen kümmern. Gern würde der Tierschutzverein wenigstens einen hauptamtlichen Mitarbeiter im Katzenhaus anstellen. Den könne der Verein allerdings nicht bezahlen, da die Arbeiten über Spenden finanziert würden und diese nicht planbar seien, erklärt Waltraud Hammer.

Die Vorsitzende bringt die Probleme des Tierschutzvereins auf den Punkt: "Wir suchen dringend Tierfreunde unter 70 mit Zeit und auch mit Auto. Sie könnten bei der Hunde- und Katzenvermittlung sowie der Arbeit mit frei laufenden Katzen helfen." Außerdem benötige Halberstadt unbedingt eine Kastrationsordnung, die andere Kommunen in Sachsen-Anhalt bereits besitzen, fordert die Ehrenamtliche. Nur damit könne man die ständig wachsende Zahl frei lebender Katzen und die Tierarztkosten in den Griff bekommen. Etwa 1000 Euro zahle die Stadt Halberstadt im Jahr für die Kastration frei lebender Katzen. Mit einer Katzenschutzverordnung würde sich vieles ändern. Alle Hauskatzen mit Freilauf müssten dann kastriert werden, dafür wäre der Besitzer verantwortlich. "Es gäbe dann weniger Katzenelend auf den Straßen und weniger ausgesetzte Tiere", ist Waltraud Hammer überzeugt.

"Wir suchen dringend Tierfreunde unter 70 mit Zeit und auch mit Auto. Sie könnten bei der Hunde- und Katzenvermittlung sowie der Arbeit mit frei laufenden Katzen helfen."

Die hohe Anzahl von Katzen stellt die Tierschützer immer wieder vor große Probleme. Das Katzenhaus droht permanent aus allen Nähten zu platzen. Eine kurzzeitige Schließung hat es bereits gegeben.

Dank einer Spende konnte der Freundeskreis Fundtierunterkunft 2004 einen Bungalow erwerben, der 2005 als Katzenhaus mit Freigehege in Betrieb genommen werden konnte. 2009 machten Spenden in Höhe von 12 000 Euro und Eigenleistungen den Bau und die Eröffnung einer Quarantänestation möglich. Im April 2013 sorgte eine erneute Spende über 5000 Euro dafür, dass drei Räume im Freigehege für Katzen, die einzeln gehalten werden müssen, winterfest umgebaut werden konnten. Im September konnte Dank der Unterstützung des Landesverbandes Sachsen-Anhalt des Deutsches Tierschutzbundes der Zementfußboden im Freigehege durch eine desinfektionsmittelresistente Kunstharzschicht ersetzt werden.

Mitglieder des Tierschutzvereins halten jeden Mittwoch von 17 bis 19 Uhr im Büro in der Gagarin-Straße 19 eine Bürgersprechstunde ab. In den zurückliegenden zehn Jahren fand sie dort zwar immer wieder mit neuer Besetzung aber ohne Unterbrechung statt. Vielen Anregungen und Beschwerden ist der Verein neben seiner Arbeit in der Fundtierunterkunft nachgegangen, jeder Anruf wurde beantwortet, Anzeigen an das Veterinäramt wurden weitergeleitet. "Oft konnten wir helfen, leider aber nicht immer", so Waltraud Hammer.