Halberstadt l Und plötzlich beginnen alle um einen herum zu tanzen ... Wem das am morgigen Freitag, dem 14. Februar, passiert, der träumt nicht etwa. Auch handelt es sich nicht um einen musikalischen Heiratsantrag, wie er schon oft in Medien präsentiert wurde. Vielmehr steckt die Person diesmal mitten in einer Demonstration.

"Das ist live gezeigte Politik und Demokratie", erläutert Britta Babick. Die Sozialarbeiterin ist Mitglied im Halberstädter Arbeitskreis für Mädchenarbeit und beteiligt sich an der spontanen, öffentlichen Aktion, die auch als "Flashmob" bezeichnet wird. Der Begriff setzt sich aus dem englischen Wort für "Blitz" (flash) und der Abkürzung "mob" vom Lateinischen "mobilis" für "beweglich" zusammen.

"Die Schärpen sollen an Auszeichnungen wie die für Schönheitsköniginnen erinnern." - Britta Babick, Sozialarbeiterin

Anlass der Tanzstunde ist die internationale Kampagne "One Billion Rising" (englisch für "Eine Milliarde erhebt sich") für ein Ende der Gewalt gegenüber Frauen und Mädchen. Sie wurde im September 2012 von der New Yorker Künstlerin und Feministin Eve Ensler initiiert. In diesem Jahr lautet das Motto: "One Billion Rising for Justice" (Gerechtigkeit). Weltweit sind Menschen aufgerufen, sich daran zu beteiligen.

Treffpunkt in Halberstadt ist der Holzmarkt am Rathaus. "Je mehr kommen, desto besser", betont Katharina Krannich, Diplom-Sozialpädagogin. Sie und Antje Maier sind am Freitag die Demonstrations-Leiterinnen und bereiten die Aktion im Mädchenarbeitskreis und im Soziokulturellen Zentrum Zora vor. "In stundenlanger Arbeit hat eine fleißige Schneiderin Schärpen dafür genäht", sagt Katharina Krannich. 40 feuerrote Exemplare sind es in verschiedenen Größen. "Darauf werden noch Auszüge aus der offiziellen Hymne geschrieben", informiert die 31-Jährige weiter. "Die Schärpen sollen an Auszeichnungen wie die für Schönheitsköniginnen erinnern", ergänzt Britta Babick. "Sie sollen zeigen, dass in jeder Frau und jedem Mädchen etwas Besonderes steckt."

Zum Demonstrieren und Tanzen sind auch Männer aufgerufen, betonen die Organisatorinnen. Talent oder eine feste Choreografie sind keine Bedingung für eine Teilnahme. "Es geht darum, zehn Minuten lang Spaß zu haben. Jeder soll sich so bewegen, wie er kann und will", sagt Katharina Krannich.

Auch gibt es keine Altersbeschränkungen - Mädchen und Jungen seien absolut willkommen. "Weltweit sind Kinder von Gewalt betroffen. Es ist wichtig, sie schon früh für dieses Thema zu sensibilisieren", so Britta Babick, selbst Mutter von zwei Kindern.

"Es geht darum, zehn Minuten lang Spaß zu haben. Jeder soll sich so bewegen, wie er kann und will." - Katharina Krannich, Sozialpädagogin

Damit für die Veranstaltung nicht der Unterricht "geschwänzt" werden muss, wurde der Start um eine Stunde verschoben. "Eigentlich soll es weltweit um 14 Uhr losgehen. Wir haben jedoch 15 Uhr geplant, weil dann alle aus der Schule zurück sind", erläutert Katharina Krannich. Die Organisatorin erhoffe sich noch mehr Beteiligung als im vergangengen Jahr. Die Werbetrommel wird kräftig mit Flyern und auf Internetplattformen wie Facebook gerührt. "Frauen aus dem Flüchtlingsheim haben ihr Kommen bereits angekündigt. Außerdem hoffen wir auf viele aktive spontane Teilnehmer", so die Sozialarbeiterin. Sie verspricht: "Es wird eine bunte Veranstaltung".

Der Halberstädter Flashmob zu "One Billion Rising" findet am Freitag, dem 14. Februar, um 15 Uhr auf dem Holzmarkt statt.