Nachdem der 85-jährige Halberstädter Walter Vorbrodt kurz vor Weihnachten die erste Ausgabe des "Halberstädter Tageblatts" nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs aufgestöbert hatte (Volksstimme berichtete), fand nun Franz Felgentreff (75), ebenfalls in der Domstadt geboren und hier seit eh und je ansässig, weitere wichtige Zeitzeugen aus jenen Tagen – und ein kleines Kuriosum.

Halberstadt. "Es gab zwei Ausgaben des ,Tageblatts‘, die mit ,Nummer 1‘ gekennzeichnet sind", sagt Franz Felgentreff im Stadtarchiv. Gemeinsam mit dem Heimat- und Geschichtsexperten Rainer Schöne ist der Rentner in das Gleimhaus gekommen, um dieses und drei weitere Original-Dokumente aus dem Jahr 1945 an Archiv-Mitarbeiterin Anette Bartl zu übergeben. "Ich möchte mich im Namen der Stadt Halberstadt für diese wertvolle Schenkung bedanken", sagte Bartl und staunte nicht schlecht über die Rarität.

Das erste "Tageblatt", ein beidseitig bedrucktes Blatt im A 4-Format, wurde als "Nummer 1" von der Antifaschistischen Volksfront im Auftrag des Polizeibefehlshabers der US-amerikanischen Alliierten Militär-Regierung am 15. Mai 1945 herausgegeben.

Doch bereits am 11. Juli erschien eine weitere "Nummer 1", mit dem Vermerk: "Die Militärregierung hat die Herausgabe einer Zeitung in Halberstadt genehmigt."

"Es war bereits die Rote Armee, die als Besatzungsmacht in Halberstadt eingezogen war und das ,Halberstädter Tageblatt‘ als ,Amtliches Mitteilungsblatt‘ für Stadt und Umgebung herausgab", weiß Rainer Schöne. Auf die Frage, warum ebenfalls als "Nummer 1", findet er noch keine Antwort. "Wir werden nachforschen", versichert Schöne.

Franz Felgentreff hat noch zwei weitere originale amtliche Mitteilungsblätter gefunden und mitgebracht. "Sie lassen sich nicht genau datieren, sind aber vermutlich zwischen Ende Juni und dem 11. Juli 1945 erschienen", vermutet Schöne.

Felgentreff jedenfalls freut sich. "Durch die Veröffentlichung in der Volksstimme habe ich mich erinnert und selbst nach alten Dokumenten gesucht. Ich freue mich, dass ich dem Stadtarchiv helfen kann", so der Rentner.

Anette Bartl erklärt, dass die stark vergilbten Dokumente jetzt zunächst einmal entsäuert und stabilisiert werden müssen. Danach kommen sie in säurefreie Mappen. Und erst dann kann man sie der Öffentlichkeit präsentieren.