Pfarrer Arnulf Kaus wird am kommenden Sonntag im Evangelischen Kirchspiel Wegeleben in sein Amt eingeführt. Damit übernimmt er, nach seiner bisherigen Entsendungstätigkeit, offiziell die Stelle in der Gemeinde und bleibt den Gläubigen somit erhalten.

Wegeleben l Die feierliche Amtseinführung, die in der Wegelebener Kirche im Rahmen des Palmsonntags-Gottesdienstes stattfindet, ist eine allgemein übliche Prozedur. Für den aus Sachsen stammenden Pfarrer Arnulf Kaus ist sie indes etwas Besonderes. Nach seiner dreijährigen Probezeit und einem weiteren Jahr des Bedenkens und Abwägens übernimmt der 36-Jährige damit ganz offiziell die Pfarrstelle im Kirchspiel. "Ich hatte mir aus familiären Gründen die Bedenkzeit ausgebeten und rechne es der Gemeinde hoch an, dass sie mir gewährt wurde", sagt Arnulf Kaus. "Wir haben uns dann zusammengesetzt, somit konnte auf die übliche Ausschreibung und eine Bewerbung verzichtet werden." Eine Wahl gab es dennoch. Kaus wurde von den Mitgliedern des Gemeindekirchenrates als Pfarrer gekürt - einstimmig.

"Wir hatten eine lange Zeit, um uns kennenzulernen", beschreibt Kaus. "Dabei haben wir uns schätzen gelernt und entdeckt, dass wir mit viel Freude und Elan gut zusammenarbeiten können." Der Pfarrer ist begeistert von seiner Gemeinde. "Es würde auch gar nicht anders gehen", ist er überzeugt.

Die ehrenamtliche Hilfe ist dem Pfarrer wichtig

Die ehrenamtliche Hilfe und das gemeinsame Ziehen an einem Strang seien ihm wichtig. Ein Ausdruck dieser Gemeinsamkeit sind für Kaus die Wahlen des vergangenen Jahres. In allen Orten und für den Gemeindekirchenrat fanden sich genügend Kandidaten, die sich ins kirchliche Leben einbringen wollen. "Es sind nicht nur die Planungen bei den Sitzungen und bei den kirchenrechtlichen Vorgaben", sagt Arnulf Kaus. "Nein, auch die Umsetzung der Beschlüsse muss angepackt werden. Es macht mir Freude, mit den Mitgliedern Ideen auszutauschen und sie dann in die Tat umzusetzen."

Auch die Unterstützung durch die Lektoren, die ihn bei Gottesdiensten vertreten können, schätzt er. "Es ist ein hoher persönlicher Aufwand, die Befähigung dafür zu erhalten", schildert er. "An Abenden und Wochenenden müssen Lehrgänge besucht werden. Diese Einsatzbereitschaft ist lobenswert." In fast jedem Ort gebe es einen Frauenkreis, dessen Mitglieder stets bereit seien, zu unterstützen. Diese Frauen seien oft der Motor des kirchlichen Lebens. Sie backen Kuchen, bereiten den Kaffee zu und schmücken die Räume und Örtlichkeiten bei Festen. Kaus nennt als Beispiele das Erntedankfest in Groß Quenstedt und den Empfang in Wegeleben. "Hier ist es so, wie ich es mir als junger Gymnasiast vorgestellt habe, als ich mich für diesen Beruf entschieden habe", bilanziert Arnulf Kaus.

"Es ist ein sehr abwechslungsreicher Dienst. Kein Tag läuft so wie der der vorherige." Kaus hat mit vielen Menschen zu tun, kümmert sich um die Seelsorge und freut sich, wenn die Gläubigen in seinen Worten, beispielsweise bei Beerdigungen, Trost und Ermunterung finden. Er führt seine Erfahrungen aus Bibelgesprächen an: "Wenn auch nur wenige Besucher da waren, ist am Ende der Veranstaltung doch zu bemerken, dass das Treffen uns allen etwas gebracht hat und wir so neue Erkenntnis oder Mut mit in den Alltag nehmen können", berichtet er.

Erhebendes Gefühl auf dem Baugerüst in Emersleben

Persönlich wird der 36-Jährige nie vergessen, wie er im Jahr 2010 auf dem Baugerüst an der Emerslebener Petrikirche stand und ein wahrhaft erhebendes Gefühl erlebte. "Ganz nach oben habe ich mich nicht getraut, ich bin aber immerhin bis zur vorletzten Etage hinaufgestiegen", verrät Kaus augenzwinkernd.

Er besucht gern die Kindergärten in Wegeleben, Groß Quenstedt und Harsleben, um mit den Kindern über die kirchlichen Feiertage zu sprechen. "Ich berichte von den Festen und erläutere ihren Ursprung und die Bedeutung", sagt er. "Es ist erstaunlich, wie die Kleinen sich für das Leben und Gott interessieren."

Sorgen macht Kaus das Schrumpfen der Bevölkerung im ländlichen Raum. Auch in der Zukunft wollen Friedhöfe und Kirchen unterhalten werden. Große Unterstützung erfährt er vom Vorsitzenden des Gemeindekirchenrates, Ralph-Rainer Wenske, der ihm einst Hilfe anbot und dieses Versprechen gehalten hat. "Ich bin froh und dankbar dafür", so Kaus. "Auch für den Rückhalt in der Gemeinde bei meiner derzeitig etwas schwierigen Fami- liensituation."