Osterwieck (kba). Wanderlustige Osterwiecker kennen die weihnachtliche Attraktion auf dem Grundstück Fichtenweg 10 schon lange. Horst Rische, gelernter Stellmacher und früher Hausmeister im einige Meter entfernten Waldhaus, hatte dieses imposante Kunstwerk am ersten Advent 2008 nach eineinhalbjähriger Bauzeit mit einer zünftigen Grill- und Glühwein-Party erstmals in Gang gesetzt.

Natürlich hatte er nicht ständig an seiner über 3,15 Meter hohen Weihnachtspyramide nach Art der erzgebirgischen Volkskunst gearbeitet, denn der rüstige Rentner muss auch noch einen großen Garten und nebenan 16 Damtiere versorgen. Aber es sind schon ein paar hundert Stunden für die Planung, Materialbeschaffung und den Bau der Pyramide draufgegangen, wie der gebürtige Eilslebener zugibt. Auch Ehefrau Regina, die eine alte Osterwieckerin ist, hat natürlich mitgeholfen und fleißig gestrichen.

Vom Erzgebirge an den Harzrand

Ein paar Jahre verbrachte Ehepaar Rische mit den vier Kindern in der Region Oberwiesenthal. Aber dort gefiel es ihnen nicht so gut. "Der Winter dauerte ja fast ein halbes Jahr, und der viele Schnee machte allen zu schaffen. Zur Arbeit musste man zwei bis drei Kilometer laufen, wenn man nicht mit dem Fahrrad fahren konnte. Wir waren schon froh, als wir hier im Waldhaus den Job als Hausmeister bekamen und wieder nach Osterwieck zurückkehren konnten."

Als Horst Rische 1998 in Rente ging, richtete er sich auf dem Grundstück eine kleine Werkstatt ein und werkelte allerlei kleinere nützliche und schöne Dinge, bevor er sich an sein großes Projekt machte. Natürlich gab es im Verlauf der Arbeiten immer wieder Probleme, die der findige Handwerker aber dann doch irgendwie lösen konnte. So versuchte er die verschiedensten Antriebsarten für die dreistufige Pyramide mit dem großen zwölfflügeligen Propeller aus. Nach Fehlversuchen mit Reibrad- und Keilriemenantrieb brachte dann ein stark untersetzter Kettenantrieb die sichere Lösung.

Auf drei Etagen sind ein winterlicher Ort sowie weihnachtliche Figuren und Symbole zu sehen, die sich langsam hinter schützenden Plexiglasscheiben drehen. Zwölf große Kerzen lassen die Pyramide erstrahlen. Sobald es das Wetter zulässt, wird das imposante Kunstwerk nun zerlegt, gut verpackt und im Sommerlager verstaut, bis es im November wieder zusammengebaut wird und am ersten Advent, wie all die Jahre, in altem Glanz erstrahlt.