In Rhoden geht eine Ära zu Ende. Nach 20 Jahren legt Uwe Mühlenweg sein Amt als Ortschef nieder. Gelegenheit für den 68-Jährigen, Rückschau zu halten.

Rhoden l Es wird ein besonderer Ortschaftsrat sein, der am heutigen Montag ab 19 Uhr in Rhoden stattfindet. Zum letzten Mal leitet ihn Ortsbürgermeister Uwe Mühlenweg. Nach 20 Jahren in der Politik, stellt er sich nicht mehr zur Wahl. "Es ist schwierig, den richtigen Absprung zu finden. Wer gibt schon gern zu, dass er alt wird?" sagt der 68-Jährige. Noch fühle er sich nicht zu alt für den Posten als Ortschef. Aber er blicke voraus. "Es wird Zeit, dass Jüngere ans Ruder kommen."

Zur Ruhe setzen wird sich der studierte Geologe, der in Darmstadt promoviert hat, nicht. "Der Mensch braucht Arbeit. Sie ist ein wichtiger Bestandteil des Lebens", betont der Frühaufsteher. Aufgaben gäbe es genug. Im Garten, die Pflege der Tiere, Arbeit in den Gärten und am Haus.

Dieses befindet sich unweit der Rhodener Dorfkirche. 1991 kaufte es der gebürtige Bielefelder. 2400 Quadratmeter misst das Grundstück, die Wohnfläche beträgt 300 Quadratmeter. Als er mit seiner Patchwork-Familie - er ist in zweiter Ehe verheiratet, das Paar hat insgesamt sechs Kinder - ein Jahr später einzog, war nur die Hälfte des Gebäudes bewohnbar. "Die Bauarbeiten haben 18 Jahre gedauert", erinnert sich Mühlenweg lachend.

Vieles habe er an dem im Jahr 1841 erbauten Anwesen selbst hergerichtet - mit Improvisationstalent und alten Baustoffen, die anderorts auf dem Müll landen sollten. Mühlenweg arbeitete die Fenster, Öfen und anderen Schätze auf, gab ihnen einen neuen Verwendungszweck. "Die Menschen haben es früher verstanden, mit wenigen Mitteln intelligente Lösungen zu finden, sagt er. Eine Fähigkeit, die er auch in der Politik für wichtig hält.

Ortschef von Rhoden wurde er mehr oder minder zufällig kurz nach seinem Hinzug in das Dorf. "Wegen einer banalen Auseinandersetzung mit dem Gemeindearbeiter habe ich im Gemeinderat vorgesprochen", berichtet Mühlenweg. Dabei habe er festgestellt, dass es bislang keine Ortsgruppe der SPD gegeben hätte. Kurzerhand gründete er eine. "1994 habe ich dann als Bürgermeister kandidiert - als einziger, wie sich später herausstellte", so der 68-Jährige und erinnert sich: "Das war eine schöne Zeit. Wenn man wusste, wie und wo man Fördergelder beantragen kann, sah die Finanzlage gar nicht schlecht aus. Und so herrschte in den ersten 10 bis 15 Jahren nach der Wende Aufbruchstimmung."

Straßen und das Feuerwehrgerätehaus wurden saniert, die Infrastruktur modernisiert, eine Kindertagesstätte gebaut sowie die Kirche renoviert. "Ich möchte mich bei den Einwohnern von Rhoden bedanken, die viel für ihren Ort getan haben. Auch die Feuerwehr und die Verwaltung haben viel beigetragen", sagt der Ortschef. Es gebe nur wenige Schandflecke in dem 400-Seelen-Dorf. "Ich hoffe, dass auch für das Gutshaus, das langsam verfällt, bald eine Lösung gefunden wird. Das ist mir leider nicht mehr gelungen", resümiert er.

Nach der "unumgänglichen" Eingemeindung in die Stadt Osterwieck habe sich die Entscheidungsmöglichkeit für Ortsbürgermeister ohnehin sehr verändert. "Wir haben keinen eigenen Haushalt mehr und ohne Geld kann man nicht viel ausrichten", sagt Mühlenweg und zuckt mit den Schultern. Man müsse deshalb bescheidener sein und mehr Prioritäten setzen als in seiner Anfangszeit. Er betont: "Ich hoffe, dass trotz der Kürzungen ein aktives Dorfleben mit den Vereinen erhalten bleibt." Das dies möglich sei, da ist er sich sicher. "Ich bin optimistisch, was die Zukunft Rhodens angeht", sagt Mühlenweg.