Die 20. Auflage des Halberstädter Hilariusmahls bescherte den Gästen einen gelungenen Abend. Zwar ohne Festrede, dafür aber mit viel guter Laune und guten Redebeiträgen.

Halberstadt. Kurz vor 17 Uhr: Stau an der Garderobe. Die Mitarbeiterinnen der Stadtverwaltung hängen Mäntel, Jacken, Schirme im Akkord auf. Dabei immer freundlich. Auch Elke Wartmann und Karola Alphéus am Empfang begrüßen die Gäste freundlich, machen Häkchen auf der Namensliste. Ilona Schröter und Katja Klein helfen am Eingang, den Sitzplatz zu finden. Das Service- team vom Parkhotel reicht Sekt. Fröhlich stehen die Menschen beisammen und plaudern, bevor sie sich an die vier langen, festlich gedeckten Tische setzen.

Alle blicken gespannt nach vorne, wo Tom Posur mit seiner Gitarre steht – da gibt es heftiges Gepolter und Geschimpfe am Eingang. Ein wuschelköpfiger Ritter schimpft auf die Knechte, die ihm den Eintritt verwehren wollten – ihm, Ritter Roland! Mit Schild und Schwert bahnt er sich seinen Weg durch die Gänge, berichtet vom Ursprung des Hilariusmahls. Wie nach dem Aufstand der Halberstädter Schicht die Ratsverfassung geändert wurde, wie nach der jährlichen Wahl des Rates den Ratsherren heimgeleuchtet wurde – was heute nicht mehr nötig sei dank elektrischer Beleuchtung. Und zur Not gäbe es Kerzen – die 1989 eine wichtige Rolle spielten, als sich die Bürger der Stadt erneut nicht mehr alles gefallen ließen von ihrer Obrigkeit. Die Stadt sei dann schnell erwacht, habe sich positiv verändert. Der Roland – brillant gespielt von Arnold Hofheinz – lobt, mit wie viel Mut, Kraft und Umsicht agiert worden sei. Weil keine Glocke groß genug war, um das Gute was man tat, daran zu hängen, gossen sich die Halberstädter kurzerhand eine neue, zogen sie dann an einem Strick hinauf. "Bewahren Sie sich den Strick, nicht nur als Andenken, sondern auch, um ab und zu mal wieder zu üben, gemeinsam daran zu ziehen", fordert der Roland. Mit Augenzwinkern nimmt er weitere Stadtereignisse aufs Korn, witzelt über die IBA, verwies auf den gewachsenen Reichtum an Störchen, Mühlen, Chören und Blaskapellen, erinnert an die Bedeutung der Wirtschaft, denen er ja gerne sein Rolandschwert leihe, und verwies auf das mutige, manchmal trotzige Engagement der Bürger, der Stadt zum Wohle zu dienen.

Nach diesem humorvollen Rückblick vermisst niemand der Gäste eine Festrede. Die soll eigentlich Verkehrsminister Dr. Karl-Heinz Daehre halten, aber der muss zum Neujahrsempfang des Landkreises Mansfeld-Südharz. Als er dann später am Abend in Halberstadt eintrudelt, hält er ein ebenso humorvolles wie der Stadt zugeneigtes Grußwort. Er beleuchtet den Grund der Gebietsreform – die Neujahrsempfänge der nun elf Landkreise (von einst 37) sind von den Kabinettsmitgliedern sowohl im Januar zu schaffen und auch der Leber zuträglicher.

Daehre, auch für den Städtebau zuständig, geht auf die Internationale Bauausstellung (IBA) ein, an der Halberstadt mit dem Thema "Kultivierung der Leere" teilgenommen hatte. "Als ich das zum ersten Mal hörte, dachte ich, was wollen denn die Harzer jetzt?" Aber er habe das Anliegen schnell verstanden, angesichts der demografischen Entwicklung müsse man sich ernsthaft Gedanken machen, ob es gut ist, dem Sportlermotto schneller, höher, weiter zu folgen, oder ob nicht doch weniger mehr sei. Wobei er dies in Bezug auf bauliche Entwicklung bejahte, in Bezug auf das Lohngefüge aber verneinte. Denn nur, wenn die Bezahlung für gleiche Arbeit auch gleich sei, bleiben die jungen Leute in der Region. Und noch eins ist Daehre wichtig: Dass es endlich gelingt, Halberstadt besser an das Schnellstraßensystem anzubinden, also in erster Linie an die B 6n. Dazu seien sicher auch EU-Mittel nötig, so Daehre, der sich deshalb scherzhaft an "Europa-Horst" wendet, Dr. Horst Schnellhardt, der für die CDU im Europaparlament sitzt. Mit einem Appell, wählen zu gehen, um nicht die erfolgreiche Entwicklung des Landes durch den Einzug linker und rechter Extremisten zu gefährden, endet Daehre.

<6>Die Zuhörer danken ihm mit langem Applaus. Den gibt es auch für den Ratspräsidenten Dr. Volker Bürger. Der sorgte für Heiterkeit, als er Dr. Eberhard Brecht begrüßt – als Blankenburger Bürgermeister. Der Quedlinburger Bürgermeister lacht und erwidert: "Wir gemeinden einfach weiter ein." Bürger dankt in seiner guten Rede allen, die das Hilariusmahl vorbereitet haben und verweist auf den neuen Inhalt, mit dem man 1992 die Tradition des Hilariusmahls wieder aufleben ließ. Es ging nicht nur um reine Traditionspflege, sondern das Mahl im Ratssaal sollte und soll dazu dienen, dass Menschen aus allen Bereichen der Gesellschaft miteinander ins Gespräch kommen. Der Ratspräsident geht auch auf die umstrittene Umgestaltung des Domhanges ein, "aber inzwischen söhnt man sich mit dem Projekt aus", sagt er unter dem Beifall der Gäste. Dass er sich zweimal verspricht und den Wiederaufbau des Dachreiters dem Kuratorium Stadtkultur zuschreibt, bemerkt Bürger aber erst sehr viel später – und entschuldigt sich beim Domverein für diesen Fauxpas. Der Vorstandsvorsitzende nimmt es gelassen, und genießt mit 137 anderen Gästen den Abend.<7><8>

   

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