Der Mühlenbauer Axel Brüggemann aus Dingelstedt arbeitet allein. Zur Zeit baut er die neuen Flügel für die Bockwindmühle Anderbeck. Diese feiert im September ihr 150. Jubiläum, dann sollen sich die neuen Flügel erstmals im Wind drehen.

Dingelstedt l Es riecht nach Holz auf dem Hof und in der Werkstatt von Axel Brüggemann in Dingelstedt. Er arbeite gerade am zweiten von insgesamt vier Mühlenflügeln für die Bockwindmühle in Anderbeck. Der erste ist bereits fertig. Rund zwei Wochen hat Brüggemann dafür benötigt. Der gelernte Möbeltischler - der Beruf des Mühlenbauers wurde zu DDR-Zeiten nicht gelehrt - arbeitet allein. Mehr gebe das Geschäft nicht her, sagt er . Er bedauere, dass er seinen Sohn nicht in seiner Werkstatt beschäftigen kann. So sei er nicht sicher, ob es nach seinem Rückzug in den Ruhestand auch eine fünfte Generation seiner Zunft am Standort Dingelstedt geben wird. Doch so weit ist es noch nicht.

Momentan steckt Brüggemann mitten in der Arbeit. Den bereits fertigen Mühlenflügel hat er komplett aus Lärchenholz gefertigt. Das Konstrukt wiegt 400 Kilogramm. Die eigenartig wirkende Krümmung ist genau geplant und Voraussetzung dafür, dass sich der Wind in den Flügeln fängt und die Mühle antreibt, erläutert der Experte.

Diese Flügelart sei erst komplett mit einer Bespannung aus Segeltuch, die teilweise oder auch komplett gerafft werden könne, um die ideale Windverhältnisse zu finden. Denn nicht etwa so schnell wie möglich, sondern gleichmäßig soll sich die Mühle drehen, idealerweise 12 bis 15 Mal in der Minute.

Brüggemann kennt sich mit Mühlen bestens aus. Etwa 95 Prozent seiner Aufträge sind Arbeiten an solchen Bauwerken. Meist sind es Reparaturen. Der Auftrag vom Anderbecker Verein sei schon eine größere Sache, sagt er. Ansonsten sei die Auftragslage schwierig, weil die noch vorhandenen Windmühlen meistens gemeinnützigen Vereinen gehören. Diese hätten wenig Mittel. Daher sei die Hilfe von Lotto Toto für die Anderbecker Mühle ein Segen.

Die Mitglieder des Vereins "Windmöhle un Backhus" wollen den Austausch der Flügel auf traditionelle Art zelebrieren: Flügel für Flügel soll ersetzt werden, alles per Muskelkraft. Die alten Flügel haben nur zwanzig Jahre gehalten. Axel Brüggemann erklärt den Grund: Die Mühle habe zu lange still gestanden. Sie müsse sich regelmäßig drehen, um das Regenwasser aus den Flügeln zu drücken. "Sonst steht sie sich kaputt", sagt der Fachmann.

Bereits drei Bockwindmühlen hat Axel Brüggemann komplett neu gebaut und damit "alter Technik eine neue Hülle" gegeben: in Abbenrode bei Cremlingen, in Wulferstedt und in Spergau. Genau genommen waren es sogar vier Neubauten gewesen. Denn die Mühle in Spergau war, nachdem sie stand, Brandstiftern zum Opfer gefallen und musste ein zweites Mal gebaut werden. Das geschah 2008 und der Gedanke an den Brand treibt Axel Brüggemann heute noch Tränen in die Augen.

Wenn der aktuelle Auftrag beendet ist und die Mühle in Anderbeck ihre neuen Flügel erhalten hat, ist die Mühle in Badersleben dran. Diese hat mit ihren Klappenflügeln ein anderes System, so der Dingelstedter. Optisch vergleichbar mit Jalousien, werde durch die Klappen der Wind optimal ausgenutzt. Auch damit kenne er sich aus, versichert der Tischler.