Halberstadt l Ein 85 Jahre alter Wanderer, der bei einer Tour durch das Bodetal schwer stürzt und einen steilen Abhang 20 Meter tief hinunterrutscht. Ein Vermisster, der nach wochenlanger Suche tot aus dem unwegsamen Gelände des Bodetals bei Thale geborgen werden muss. Oder ein dramatischer Kletterunfall unweit von Schierke. Drei Fälle, bei denen die Mitstreiter der Bergwacht stets die erste Wahl sind und in den vergangenen Monaten gerufen wurden. Landesweit sind die Mitglieder der Bergwacht-Bereitschaften gefragt, Einsatzschwerpunkt bleibt für sie aber der Harz. Bei einer turnusmäßigen Zusammenkunft des Landesausschusses hat die Bergwacht jetzt eine neue Leitungsgruppe gewählt. An der Spitze steht fortan Heiner Jentsch aus Halberstadt.

Der Bedarf an jenen schwindelfreien Höhenrettern und Höhlenkletterern wird allein von der Einsatzstatistik untermauert. Alles in allem stehen für das vergangene Jahr 46 Einsätze zu Buche. In erster Linie galt es Wanderern und gestürzten Radfahrern zu helfen. Mitunter standen die Retter jedoch vor höchst kniffligen Aufgaben in luftiger Höhe oder im schwer erreichbaren Gelände. Die Zahl der Einsätze bewegt sich auf weitgehend konstantem Niveau.

Die insgesamt fünf Bergwacht-Bereitschaften, die zum Landesverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) gehören, finden sich allesamt im Harz. Neben Halberstadt und Wernigerode haben die aktuell 171 Bergwacht-Mitglieder auch Stützpunkte in Thale, Hüttenrode und Hasselfelde, berichtet Sprecher Uwe George. Die Truppe aus Hüttenrode habe sich dem Spezialgebiet Höhlenrettung verschrieben.

Der 42-jährige Ballenstedter Uwe George ist bei der Zusammenkunft in dieser Woche neu ins Sprecheramt gewählt worden. Sein 18 Jahre alter Sohn Simon ist ebenfalls neu im Landesvorstand und hat sich der Nachwuchsarbeit verschrieben.

Letztere ist und bleibt bei der Bergwacht ein besonderer Schwerpunkt. "Gerade in der Thalenser Bereitschaft sind wir in punkto Nachwuchsarbeit recht aktiv", bilanziert Uwe George. Am Ende aber sehen sich die Bergretter dort und in den übrigen Bereitschaften mit ähnlichen Problemen konfrontiert wie die freiwilligen Feuerwehren.

"Die Jugendlichen kommen zu uns, sie haben Spaß an der Ausbildung und der Mitarbeit im Team - und dann geht es entweder zur Ausbildung oder zum Studium", berichtet Uwe George von den leidigen Erfahrungen. Eine Rückkehr in die Harzregion gebe es leider in den seltensten Fällen. "Sachsen-Anhalt und insbesondere unsere Region haben einfach nicht genügend hochwertige Arbeitsplätze, die die Jugendlichen hierher zurücklocken", bringt George das Problem auf den Punkt.

Gleichwohl bleiben die Bergwachtler am Ball. Der Kontakt zu den Jugendlichen sei auch eine Chance, deren Eltern für die Mitarbeit bei den Bergrettern zu gewinnen. Lassen sie sich begeistern, stehen auch sie zunächst vor der Aufgabe, die Basisausbildung zu absolvieren. Eigens dafür haben die Bergwachtler - 113 der 171 Mitglieder gehören aktuell zur Einsatzgruppe - nun 17 Aktive zu Ausbildern ernannt. Sie sollen zu zertifizierten Ausbildern fortgebildet werden, so George.