Das Leben der Erwachsenen ist für Kinder häufig schwer nachzuvollziehen. Im Ferienprojekt der Anne-Frank-Grundschule in Halberstadt entsteht eine Stadt nur für Kinder. Dort lernen sie Verpflichtungen wie Vergnügungen des Erwachsenen-Alltags kennen.

Halberstadt l Der Hort der Grundschule "Anne Frank" lädt in der ersten Ferienwoche zum Projekt "Horthausen" ein. Bereits zum zweiten Mal findet die besondere Ferienfreizeit dort statt. Die Räumlichkeiten der Einrichtung verwandeln sich in eine kleine Kinderstadt mit Post, Arztpraxen, Bank, Kindergarten, Läden und allem, was zu einer Stadt dazu gehört. "Der Andrang ist mit 105 Kindern diesmal groß", berichtete Kerstin Wagner, die stellvertretende Hortleiterin.

"Wir haben damit eine Ferienaktion aus Quedlinburg aufgegriffen." Zum Start im vorigen Jahr habe man nur mit dem Hort der Freiherr Spiegel-Grundschule zusammengearbeitet. Diesmal wurden noch die Mädchen und Jungen des Hortes der Miriam-Lundner-Grundschule in die Kinderstadt eingeladen.

Bei diesen vielen "kleinen" Erwachsenen bedurfte es einer guten Vorbereitung. Die Teilnehmer mussten sich, mit Passfoto für ihren Ausweis, zunächst beim Einwohnermeldeamt einfinden. Die Arbeitsagentur vermittelte die nächsten Schritte.

Für die "Arbeit" im Supermarkt, in der Küche, beim Friseur und Kosmetiksalon gab es Geld, das wieder ausgegeben werden konnte. Als Belohnung wartete ein Laden mit echtem Eis oder Süßigkeiten.

Auch in der Spielhalle konnte man sein Geld vermehren oder verlieren. Marcus Rauer hatte sich als Chef der Croupiers extra mit Weste und Fliege ausgestattet. Charlotte Nisse und Emilie Horbath mussten dagegen als Saubermänner der Müllentsorgung für Ordnung sorgen.

Benni Mai hielt als Reporter seine Erlebnisse schriftlich fest, während Marius Fleischer als Polizist für Ordnung sorgte. Ein Teilnehmer saß schon reumütig wegen Schubsens im "Gefängnis".

Eigentlich sollte das Projekt auf dem Freigelände der Schule stattfinden, doch das regnerische Wetter machte so manche Vorbereitung zunichte. "In den kommenden Ferienwochen betreuen wir weiter gemeinsam bis zu 140 Kinder täglich", kündigte Kerstin Wagner an. Dann findet montags zunächst das Sammeln von Ideen statt. Je nach Wetter geht es gemeinsam zum Schwimmen, ins Tiergehege, in die Bibliothek, zum Kegeln oder ins Puppentheater. "Der Renner sind gegenwärtig die Kreativ-Vorhaben." Dabei lernen einige Kinder ihre Spielkameraden an. Für die Hortnerinnen werden die langen Ferientage nicht einfach, da einige Kolleginnen ebenfalls im Urlaub sind. Den Kindern soll es auf jeden Fall nicht langweilig werden. Von Davon war in den ersten Tagen auch nichts zu spüren.