Die Probleme mit steigendem Grundwasser und gefluteten Kellern im Wegeleber Ortsteil Deesdorf sind weiter akut und sorgen mittlerweile für Unmut und Debatten im Ort. Der Grund: Einige Anwohner im etwas höher gelegenen östlichen Teil der Gemeinde haben in den vergangenen Tagen Wasser aus ihren Kellern auf die Straße gepumpt. Von dort floss das Wasser in Richtung Unterdorf, flutete unter anderem die Gröninger Landstraße und gefror. Erster trauriger Höhepunkt: Eine ältere Frau stürzte und brach sich die Schulter.

Wegeleben/Deesdorf. Allgemein steigendes Grundwasser, Oberflächenwässer aufgrund der abtauenden Schneemassen und ein deshalb restlos durchfeuchtetes Erdreich: Komponenten, die gegenwärtig in vielen Orten Sachsen-Anhalts mehr oder weniger große Sorgen bereiten. Besonders akut ist die Situation freilich im Wegeleber Ortsteil Deesdorf . Dort hatten Anwohner schon vor Weihnachten Alarm geschlagen, weil ihre Keller unter Wasser standen und sie allein die Situation nicht mehr unter Kontrolle bekamen (die Volksstimme berichtete).

Zwar hatten Deesdorfer kurz vor dem Weihnachtsfest versucht, das auf den angrenzenden Äckern aufgestaute Wasser über Behelfsgräben schneller in Richtung Bode abzuleiten und so den Grundwasserpegel abzusenken. Wirklich gebracht hat dieser Schritt den betroffenen Anwohnern in der Leipziger Straße in Deesdorf offenkundig aber nichts – das Wasser steht nach wie vor in ihren Kellern.

In ihrer Not setzen die Betroffenen seither Pumpen ein, um das Nass aus den teilweise zum Wohnraum ausgebauten Kellerräumen heraus zu bekommen oder die dort installierten Heizungsanlagen zu schützen. Doch genau das sorgt nun im Ort für Unmut: Weil die Anlieger das aus ihren Kellern beförderte Nass nicht mehr in einen Ableitungskanal pumpen dürfen, leiten sie es nun direkt auf die Straße.

Geflutete Landesstraße wird zur Eispiste

Mit fatalen Folgen: Das Wasser läuft im natürlichen Gefälle in Richtung Unterdorf und quert dabei die Landesstraße 24 (Gröninger Landstraße). Dort bildet sich aufgrund des Rückstaus ein mehr oder minder großer See, der in diesen Tagen teilweise gefriert und die Straße in eine für Autofahrer unerwartete und deshalb ganz besonders gefährlich Eispiste verwandelt.

Jene dünne "Eispiste" ist jedoch nur eine Folge des künstlichen "Bachs" in Deesdorf: Fahrzeuge verteilen das rasch gefrierende Wasser entlang der Straße und spritzen es beim Durchfahren auf die Gehwege und gegen die angrenzenden Häuser, wo es gefriert und mittlerweile Eiszapfen gebildet hat.

Auch die Kunden von Lebensmittelhändler Rolf Hornhauer haben mittlerweile einige Schwierigkeiten, das Geschäft trockenen Fußes zu erreichen. Obendrein gab es vor wenigen Tagen einen – wie es im Ort heißt – traurigen Höhepunkt: Eine ältere Frau stürzte beim Passieren der Gröninger Straße und brach sich dabei die Schulter.

Ihr tragischer Sturz habe sich bereits am Donnerstagmorgen ereignet, als sie auf dem Rückweg vom Friseur nach Haus war, berichtete Heidrun Behrens gestern. "Ich habe beim Überqueren der schneebedeckten Straße eine Vertiefung übersehen, bin weggerutscht und schließlich gestürzt", so die 69-Jährige. Nun müsse sie wohl bis Mitte April mit massiven Einschränkungen leben.

Der Unfall ist mittlerweile auch Ordnungsamtsleiter Knut Buschhüter bekannt. "Wir prüfen diesen Fall gerade", sagte er gestern. Alles in allem sei die Situation in Deesdorf "unbefriedigend". Nicht nur für die direkt betroffenen Anwohner, denen das Wasser mehr oder weniger hoch im Keller stehe, sondern auch für die Anwohner im unterhalb gelegenen Teil von Deesdorf. Gerade dort hält sich die Zustimmung zum Auspumpen der Keller und dem Fluten der Leipziger Straße im "Oberdorf" sehr in Grenzen: Man könne die Sorgen der dortigen Anwohner natürlich sehr gut verstehen – wenn man dort aber das Wasser einfach auf die Straße pumpe, werde das Problem jedoch nun an andere weiter delegiert, so ein Deesdorfer verärgert. "Man versucht, sich seines Problems auf Kosten anderer zu entledigen, das kann nicht sein."

Auch Ordnungsamtsleiter Buschhüter sieht sich augenscheinlich zwischen Baum und Borke: Hier die direkt Betroffenen der Wasserflut, dort die Folgen der Pumpaktionen, die auf die Straße münden. Und letztere Folgen seien auch erst in diesem Umfang entstanden, nachdem den Anwohnern offenbar untersagt worden sei, das abgepumpte Wasser in ein Ableitungssystem zu leiten, weiß Buschhüter.

Hierbei, stellte Knut Buschhüter gestern nach Rücksprache mit Vertretern der Unteren Wasserbehörde klar, handele es sich jedoch um eine Fehlinformation: "Das Einleiten des abgepumpten Wassers in ein oberirdisches Kanalsystem, das zum so genannten Matschgraben führt, von dem das Wasser weiter zur Bode abfließt, wird für den gegenwärtigen Havariefall von der Unteren Wasserbehörde definitiv geduldet", versicherte der Ressortchef. "Das Einleiten in den Schmutzwasserkanal, der zum Klärwerk führt, ist wegen der Rückstaugefahr jedoch nicht zulässig."

Zimmer: Wasser wird ein Dauerproblem

Gleichwohl haben Anwohner von Deesdorfer zusammen mit der Feuerwehr am Wochenende in Eigenregie gehandelt: Sie verlegten Schlauchleitungen der Feuerwehren Deesdorf und Wegeleben, um das abgepumpte Wasser auf die Äcker und von dort in die Bode abzuleiten.

Damit könnte das Problem – mit etwas Glück – zumindest vorerst entschärft sein. Langfristig sehen jedoch sowohl Knut Buschhüter als auch Bürgermeister Hans-Jürgen Zimmer ein massives Problem auf Deesdorf zukommen: "Die Themen Grundwasser und Wasserableitung dürften dort zu Dauerbrennern werden, die uns noch lange beschäftigen", ist sich Zimmer sicher.