Halberstadt l Bürger haben sich über eine zunehmende Vermüllung am alten Domschatzzugang und an den Bänken auf dem östlichen Domhang in Halberstadt beklagt. Die Platzwächter-Initiative hat sich der Problematik angenommen. "Nachdem wir mit unserer ersten Aktion am Johannesbrunnen doch erstaunlich viele Leute mobilisiert und für das Thema sensibilisiert haben, treffen wir uns heute an einem weiteren Platz, der schon seit geraumer Zeit Treffpunkt junger Leute ist. Sie hinterlassen hier regelmäßig jede Menge Müll", so die Platzwächter-Initiatorin Bianca Groß.

"Kaum wurde Ordnung geschaffen, wird alles wieder vollgemüllt." - Angelika Zädow, Superintendentin des Kirchenkreises Halberstadt

"Hier wurde ein schöner Platz neu gestaltet mit Bänken zum Ausruhen, wo man den Blick auf die Kirchen genießen und auch Kinder spielen lassen kann", betont Enrico Siemon, der mit Tochter Celine zum Treffen gekommen ist. "Touristen, die Dom und Domschatz, das Gleimhaus und das Museum besuchen, kommen hier vorbei und finden Müll und Dreck vor, jeden Tag aufs Neue. Das darf nicht sein. Niemand möchte eine Deponie besuchen. Halberstadt soll und muss sauber bleiben", haben beide auf einem selbst gestalteten Plakat formuliert.

Angelika Zädow lobt die Initiative und freut sich, dass der Platz und das Problem mit der Aktion in den Fokus gerückt werden. "Immer wieder ärgern wir uns morgens über die Hinterlassenschaften der nächtlichen Treffen, bei denen nicht nur Flaschen geleert, sondern auch zerschlagen, Kronkorken, Zigarettenkippen, Verpackungen und anderer Unrat achtlos umher geworfen werden", beklagt die Superintendentin des Kirchenkreises Halberstadt. "Kaum wurde Ordnung geschaffen, wird alles wieder vollgemüllt", sagt Angelika Zädow.

"Wir müssen nicht nur den Domschatz bewahren und schützen, sondern uns um eine gewisse Willkommenskultur Gedanken machen. Wir wollen niemanden mit Müllhaufen empfangen." Deshalb werde alles unternommen, damit die Dreckecken nicht mit Domschatz und Kirche in Verbindung gebracht werden.

Weil Gespräche mit den Jugendlichen keinerlei Erfolg brachten und die Situation irgendwann nicht mehr beherrschbar schien, wurde die Polizei eingeschaltet. Die fährt nun öfter Streife, bestätigen die Regionalbereichsbeamten Michael Blau und Lutz Neue, die mit Polizeisprecher Peter Pogunke und Thomas Dittmer, Teamleiter Ordnung und Sicherheit bei der Stadtverwaltung, vor Ort waren. Sie verweisen auf gemeinsame Streifen mit Ordnungsamtsmitarbeitern und auf Identitätsfeststellungen, wenn sie angefordert wurden.

"Wir könnten vieles schneller oder überhaupt aufklären, wenn wir rechtzeitig Hinweise aus der Bevölkerung bekommen", so Blau, der den Bürgern rät, sich besser nicht mit den Verursachern einzulassen, sondern die Hilfe bei der Polizei zu suchen.

Das bekommt auch Hans-Jürgen Baum, Anwohner am Hohen Weg zu hören. Er beobachtet nämlich regelmäßig, "dass es auf dem Platz abends ab 22 Uhr oft bis 2 Uhr in der Nacht von Jugendlichen nur so wimmelt". Da werde das Areal sogar mit Autos befahren. Zurück bleiben die Hinterlassenschaften des nächtlichen Mahls. "Es sieht jedes Mal aus wie ein Schlachtfeld", so Baum. "Ich bedauere die Leute von der Stala, die das regelmäßig wegräumen müssen."

Weil man der Vermüllung an der Südost- bzw. Ostseite des Domes einen Riegel vorschieben wollte, fiel die Entscheidung, beide überdachten Treppeneingänge mit Gittertüren zu versehen. "Wir haben lange überlegt, doch keine bessere Lösung gefunden. Denn es gilt nicht nur die Dreckecken zu vermeiden, sondern auch das Beschmieren der alten Türen und das Beschädigen des historischen Mauerwerks", erklärt Angelika Zädow. Die 3000 Euro hätte man gern für andere Zwecke ausgegeben, zum Beispiel für Kinder- und Jugendprojekte.

Bei der Platzwächter-Aktion zeigte man aber nicht nur Präsenz und kam miteinander ins Gespräch. Vor allem Bianca Groß sowie Celine und Enrico Siemon griffen zu Schaufel und Besen, um den Unrat zu beseitigen. Mehr als sechs Säcke wurden damit gefüllt. "Auch wenn wir belächelt werden, weil wir den Dreck anderer Leute wegräumen", sagt Enrico Siemon. "Da muss man drüber stehen. Wir machen auf jeden Fall weiter."

Das unterstützt Bianca Groß: "Wir werden zwar nicht jede Woche irgendwo auflaufen. Doch bei Bedarf sind wir da und hoffen, dass wir bei möglichst vielen Halberstädtern das Interesse wecken, etwas gegen Vandalismus und für die Sauberkeit in ihrer Stadt zu tun."

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