Mit dem heutigen Tag beginnt der November. Es ist wohl der Monat, der uns gefühlsmäßig am wenigsten liegt. Der Schriftsteller Jean Paul nannte ihn einmal den "Schlimmsten unter den zwölf Brüdern". Wir denken an Novemberstürme, an erste Fröste, an Nebel. Die Tage werden kürzer, die absterbende Natur verstärkt unsere düstere Grundstimmung. Ja, dieser Monat November wird als der Totenmonat bezeichnet. Morgen, am 2. November, feiern wir Katholiken den Allerseelentag, an dem wir auf den Friedhof gehen und die Gräber unserer Verstorbenen segnen. Am 16. November begehen wir den Volkstrauertag. Wir denken besonders an die Toten der Kriege. Am 23. November feiern die evangelischen Christen den Ewigkeitssonntag (Totensonntag). Wir gehen in diesem Monat wohl häufiger als sonst im Jahr zu den Gräbern unserer Verstorbenen.

Natürlich wird uns dabei bewusst, dass unser Leben auf Erden auch einmal zu Ende gehen wird. Und dann?

Wir Christen glauben, dass unser Leben mit dem Tod nicht zu Ende ist, im Gegenteil. Gott wird uns dann zu sich aufnehmen. Mit diesem Glauben lässt es sich gut leben.

Damit wir das immer wieder vor Augen haben, feiern wir fast jeden Tag Heilige, d. h. Menschen, von denen wir überzeugt sind, dass sie schon bei Gott sind. Sie sind uns Vorbilder, denen wir nachahmen sollen.

Heilige, das sind Menschen, die bei Christenverfolgungen für Christus gestorben sind, das sind Menschen aus allen Schichten, von heiligen Päpsten angefangen - in diesem Jahr wurden Papst Johannes XXIII. und Papst Johannes Paul II heiliggesprochen -, über Bischöfe wie der heilige Burchard I, der hier in Halberstadt Bischof war, über Ordensleute wie der heilige Pater Maximilian Kolbe, der im KZ für einen Familienvater in den Hungerbunker gegangen ist, bis hin zu ganz einfachen Menschen, die treu ihren Glauben gelebt haben. Am Bekanntesten und Beliebtesten sind wohl die Heiligen der Nächstenliebe wie die heilige Elisabeth von Thüringen, der heilige Martin, der heilige Nikolaus, um nur einige zu nennen.

Da es aber viel mehr Heilige gibt als Tage im Jahr, deshalb feiern wir heute, am 1. November, Allerheiligen. Es gibt viele Heilige, die keinen eigenen Feiertag haben. Heilig sind nicht nur die Menschen, die von der Kirche heiliggesprochen wurden, sondern alle, die bei Gott sind. Das Fest Allerheiligen ist uns Christen auch ein Ansporn. Wenn es so viele andere geschafft haben, warum sollten wir es nicht schaffen?

Heilige Päpste oder Märtyrer werden wir wohl nicht werden, aber Heilige der Nächstenliebe? Wir Christen sind aufgefordert, im Mitmenschen Jesus zu sehen und entsprechend zu handeln. Wir kennen Jesu Wort: "Was ihr für einen meiner geringsten Brüder (Schwestern) getan habt, das habt ihr mir getan." (Mt. 25,40). Und wer nicht an Gott glauben kann, wie wäre es, wenn er versucht, den Mitmenschen so zu lieben, wie er selbst geliebt werden will? Ich bin überzeugt, dann steht für uns alle der Himmel offen.