Neugier wecken, Lust an der Auseinandersetzung auch mit schwierigen Themen wecken - all das wollen die Mitarbeiter der KZ-Gedenkstätte Langenstein-Zwieberge. Dafür wurden neue Arbeitsblätter entwickelt und neue Technik angeschafft.

Langenstein l "Wir haben keinen Stein der Weisen, sondern probieren immer wieder Neues aus", sagt Kai Langer. Der promovierte Historiker ist Chef der Gedenkstättenstiftung des Landes und als solcher von Berufs wegen daran interessiert, das Wissen um die Ereignisse in der NS-Diktatur und in der DDR an nachfolgende Generationen weiterzugeben. Um Kinder und Jugendliche zu erreichen, müsse man in der pädagogischen Arbeit auch an Gewohnheiten und Kenntnissen anknüpfen, die der eigenen Generation vielleicht seltsam vorkommen mögen, sagte Langer.

In der Gedenkstätte Langenstein-Zwieberge haben deshalb in den vergangenen Wochen Jugendliche aus Gymnasien, Sekundar- und Berufsschulen getestet, was sich hinter dem Titel "Geocaching ,Stationen der Erinnerung`" verbirgt. Die Idee entwickelte Dr. Ute Hoffmann, Leiterin der Gedenkstätte. Mit GPS-Gerät und Tabletcomputer ausgerüstet können nun, ein Jahr intensiver Arbeit und einige Finanzierungsanträge später, Schüler der Klassenstufen 9 bis 12 selbstständig das Gedenkstättengelände erkunden.

Genutzt wird dazu das den meisten Jugendlichen vertraute Prinzip des Geocachings, der elektronischen Schnitzeljagd. Die Klassen arbeiten in kleinen Gruppen, wobei jeder in der Gruppe eine wichtige Aufgabe übernimmt. Es gibt fünf verschiedene Themen, zu denen die Erkundungsgänge erfolgen können. Überschrieben sind sie wie folgt: Errichtung des Lagers und die Not der Häftlinge, Tod durch Arbeit - Produzieren für den "Endsieg", Der Lageralltag - Leben mit dem Tod im Nacken, Die letzten Tage - Todesmarsch und Befreiung des Lagers, Biografien - Auf den Spuren ehemaliger Häftlinge und Erinnerungskultur - Die Zeit der DDR und die Zeit danach.

Haben die Schüler die jeweiligen Standorte ihrer Tour erreicht, müssen sie bestimmte Aufgaben erledigen und das im "Logbuch" ebenso notieren wie die Fragen, die sie gerne noch dazu beantwortet haben würden. "Es geht also nie ohne ernsthafte Vor- und Nachbereitung", sagt Hanka Rosenkranz. Einen Tag in der Woche unterstützt sie als abgeordnete Lehrerin die Gedenkstättenarbeit. Als Lehrerin für Geschichte und Geografie weiß sie, dass solche Angebote es vielen Schülern leichter machen, Zugang zu dem Thema NS-Diktatur zu finden. "Nach den Testläufen sind wir gerade dabei, die Hinweise der Schüler einzuarbeiten", berichtet sie weiter.

"Schön finde ich es, wenn hinterher Schüler sagen, dass sie mit mehr Fragen gehen, als sie vorher hatten", wirft Gesine Daifi ein. Die Langensteinerin hat nicht nur wesentlichen Anteil an der inhaltlichen Erarbeitung der von der Magdeburger Firma Zeitreise Manufactur erstellten Software für die elektronischen Erkundungstouren. Sie hat auch die neuen Arbeitsblätter entworfen, mit denen im Gedenkstättengebäude gearbeitet werden kann. Zu 17 Themen hat sie Fakten zusammengetragen, aber auch sich teilweise widersprechende Zeitzeugenaussagen gegenübergestellt. Um zu zeigen, wie subjektiv historische Wahrheit sein kann. "Wichtig ist, dass die Schüler merken, dass man immer die Wahl hat, wie man sich verhält. Immer", sagt Gesine Daifi.