In den Räumen der Klaussynagoge Halberstadt ist eine Austellung mit Arbeiten des Malers Alexander Dettmar eröffnet worden. Sie ist bis März 2015 zu sehen.

Halberstadt l Der Maler Alexander Dettmar (geboren 1953 in Freiburg/Breisgau) ist ständig auf Reisen, wohin ihn sein selbst gestellter Auftrag führt. "Ich habe immer nur das gemalt, was ich geliebt habe".

Dettmar gilt als einer der wichtigsten zeitgenössischen Architekturmaler in Deutschland. Sein Atelier sind Straßen, Gassen und Plätze. Als der Barlachpreisträger 1992 mit einem Zyklus über zerstörte deutsche Synagogen begann, musste er diese schöpferische Prinzip ändern. Nun dienten Fotos, Bauzeichnungen und Erinnerungsberichte als Grundlage, um die in der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 zerstörten Synagogen und Gemeindehäuser dem Vergessen zu entreißen und sie zu neuem Leben zu erwecken.

Und wieder an einem 9. November wurde in der Klaussynagoge in Halberstadt eine Ausstellung über zerstörte jüdische Gotteshäuser eröffnet. Uri Faber von der Moses-Mendelssohn-Akademie betonte in seinen einführenden Worten: "Es freut mich ganz besonders, dass ausgerechnet an diesem Tag die Ausstellung von Alexander Dettmar "Paintings to Remember" (,Gemälde zur Erinnerung) eröffnet wird."

Facettenreich umriss er, welchen Platz die Synagoge als Ort des Lernens und des Gebetes im Leben der jüdischen Gemeinde habe. Und erinnerte unter Hinweis auf die Thora und Rabbi Jisrael Spira an die unterschiedlichen Konzepte des sich nicht Erinnerns und des Vergessens.

Mit 60 Ölbildern in unterschiedlichen Formaten des inzwischen auf etwa 140 Arbeiten angewachsenen Zyklus baut Dettmar die willkürlich zerstörten Synagogen wieder auf und vermittelt eindrucksvoll "die Vielgestaltigkeit, die Vertrautheit und die Bedeutung wieder, die die Synagogen einst für ihre Umgebung hatten". Auf seinen Gemälden zeigt der Maler die Gotteshäuser "als Solitär und/oder als Teil der Stadt". Dafür bedient er sich einer kraftvollen auf wenige Farben und Formen ausgerichteten Malerei, die die Schlichtheit, das Reduziertsein auf das Wesentliche seiner Bilder besonders unterstreicht.

Ein kleines Beispiel für die Interaktion zwischen Künstler und Umwelt gab Dettmar während der Vernissage. So erzählte er, dass anfangs kein Plan bestanden hätte, wie die Bilder in der Klaussynagoge zu hängen seien. "Je mehr aber der Raum auf mich wirkte, um so klarer wurde es für mich auch, wo genau jedes Bild seinen Platz haben muss".

Jetzt sind seine Arbeiten, die mehr sind als eine Rekonstruktion eines sakralen Gebäudes, über die gesamte Synagoge verteilt und beginnen ihren Dialog mit dem Betrachter. Ein Gespräch, das durch das Atmosphärische in den Bilder spannend wird, das die Besucher einlädt mehr als nur den gemalten Gegenstand zu sehen. Wie sehr die zahlreichen Besucher von der von Imagination und Eigenwilligkeit zeugenden Interpretation Dettmars beeindruckt waren, zeigte sich in vielen Gesprächen mit dem Künstler nach der offiziellen Eröffnung.

Auch Erinnerungen an den 9. November 1938 wurden wach. So erinnerte Professor Werner Naumann, in Dessau aufgewachsen, daran, wie in der Stadt weithin der Rauch, der aus der brennenden Synagoge aufstieg, zu sehen war. Die gut dokumentierte Ausstellung ist noch bis zum ersten März 2015 in der Klaus-Synagoge Rosenwinkel 18 zu den bekannten Öffnungszeiten zu sehen. Das Buch zur Ausstellung "Alexander Dettmar: Painting to Remember, Zerrstörte deutsche Synagogen" ist im Hirmerverlag erschienen und kann in der Klaussynagoge erworben werden.