Ein Feuer im Keller eines Mehrfamilienhauses hat in der Nacht zum Donnerstag in Halberstadt hohen Sachschaden verursacht. Die Brandursache ist laut Polizei bislang noch unklar. Brandermittler schließen weder Brandstiftung noch technischen Defekt aus.

Von Dennis Lotzmann

Halberstadt l Halberstadt, Quedlinburger Straße 132: Das Mehrfamilienhaus, das sich hinter dieser Adresse verbirgt, ist Polizei und Feuerwehr längst bestens bekannt. In den vergangenen Jahren hat es dort immer wieder gebrannt - mindestens vier Vorfälle sind bei der Polizei aktenkundig. Das jüngste Feuer überraschte die Mieter in der Nacht zum Donnerstag gegen 0.30 Uhr.

In einem der Keller züngelten die Flammen und drohten auf eingelagerten Hausrat, Gerümpel und Reifen überzugreifen. Die Feuerwehren aus Halberstadt und den Ortsteilen Langenstein und Ströbeck waren mit 33 Kameraden bis 3 Uhr im Einsatz. Die sechs anwesenden Mieter des Hauses blieben unverletzt und kamen zunächst bei Verwandten unter. Das Haus dürfte nach dem Feuer für längere Zeit unbewohnbar sein.

"Als wir vor Ort eintrafen, war die Lage schon recht dramatisch, dichter Qualm drang aus dem Keller", berichtet der Halberstädter Ortswehrleiter Thomas Dittmar. "Der Kellerraum, in dem es brannte, war voller Gerümpel. Darunter waren viele Reifen, die teilweise schon Feuer gefangen hatten. Das hat die Löscharbeiten erschwert", so der Einsatzleiter. "Zum Glück standen die Reifen noch nicht in Vollbrand, dann wären die Rauch- und Hitzeentwicklung noch sehr viel extremer ausgefallen." Dennoch sei das Treppenhaus - der einzige Fluchtweg für die Mieter - total verqualmt gewesen. Zum Glück hatten die meisten Bewohner beim Eintreffen der Wehrleute das Haus bereits verlassen. "Eine ältere Frau wurde von uns ins Freie geleitet", sagt der Hauptbrandmeister.

Erschwert wurde die Brandbekämpfung, weil gegen 1.15 Uhr in der Straße Am Sommerbad abgelagerter Sperrmüll in Flammen stand. "Wir mussten daher Kräfte abziehen, um dort ein Sofa zu löschen", so Thomas Dittmar.

Das Mehrfamilienhaus in der Quedlinburger Straße ist gegenwärtig unbewohnbar, weil Versorgungsleitungen beschädigt wurden und sich fast überall extreme Rußanhaftungen finden. Zudem wurde der Elektro-Hausanschluss vollkommen zerstört. Ob das Feuer von diesen Elektroleitungen ausging oder es dort aufgrund des Brandes zum Kurzschluss kam, sollen nun Experten im Landeskriminalamt untersuchen. Zwei Ermittler des hiesigen Polizeireviers inspizierten am Donnerstagvormittag die Brandstelle und stellten für weitere Untersuchungen ein Kabelstück sicher.

Mieter erhoben indes Vorwürfe Richtung Vermieter und Hausverwaltung. "Seit Monaten ist das Schloss in der Haustür nicht in Ordnung, sodass jeder, der dies weiß, ins Haus gelangen kann", sagte Rolf Hinze. Obendrein hätten Ex-Mieter die Kellerräume zugemüllt und beim Auszug nicht freigemacht, so der 60-Jährige. Von den jetzigen Bewohnern besitze niemand ein Auto.

Vorwürfe, die Anke Müller von der Halberstädter Immobilienverwaltungsfirma Abita zurückweist: Das Schloss an der Eingangstür sei repariert, die Entsorgung der im Keller abgestellten Sachen beauftragt.

Andere Mieter sprachen indes die Vermutung Brandstiftung laut aus und berichteten auch von Kabelsträngen, die Anwohner in der Vergangenheit illegal verlegt hätten, um Strom abzuzweigen. In den vergangenen Jahren hatte es beispielsweise zweimal vor Haus- oder Wohnungstüren gebrannt - so viele Zufälle gebe es nicht, so der Tenor.

Die Brandursache bleibt zunächst unklar, die Experten der Polizei korrigierten die Höhe des Sachschadens nach oben. Die zunächst veranschlagten 40 000 Euro dürften kaum reichen, um die direkten und indirekten Brandschäden zu beseitigen.

   

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